Aschau – Beim Breitbandausbau in Aschau hat es von Anfang an gehakt: späterer Baubeginn, mangelhafte Arbeit, Schäden bei der Ausführung. Jetzt folgt der nächste Rückschlag: Das Telekommunikationsunternehmen Leonet stoppt einen Teil des Ausbaus.
Enttäuschung und Ärger
über Art der Absage
„Ich bin sauer und enttäuscht über die Absage und die Art und Weise“, ärgert sich Bürgermeister Christian Weyrich. Die Gemeinde habe lediglich eine „schnöde, standardisierte E-Mail“ erhalten – nahezu zeitgleich mit betroffenen Bürgern. „Die Mail ging abends ein und am nächsten Morgen hatten sich schon die ersten Bürger gemeldet“, erklärt Weyrich. Über das Osterwochenende sei zudem niemand im Unternehmen erreichbar gewesen.
Noch zu Beginn des Jahres hieß es, dass nach einem Eigentümerwechsel des Unternehmens und der Prüfung aller Projekte weiterhin am gesamten Ausbau in Aschau festgehalten werde – sowohl am geförderten als auch am eigenwirtschaftlichen Teil. Den eigenwirtschaftlichen Ausbau hat das Unternehmen jetzt überraschend größtenteils gestoppt. Als Grund nennt Leonet veränderte Rahmenbedingungen im deutschen Glasfasermarkt. Deshalb konzentriere sich der Ausbau in den Jahren 2026 und 2027 auf Projekte, die schneller realisiert werden können. „Ziel ist es, in kürzerer Zeit möglichst viele Haushalte mit Glasfaser bis ins Gebäude auszubauen und zu aktivieren“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Die stark veränderte Lage lasse in einigen Kommunen keinen eigenwirtschaftlichen Ausbau mehr zu. Auch in Aschau wurde das geplante Ausbaugebiet angepasst. Davon betroffen sind 508 Wohneinheiten.
Inflation, hohe Zinsen und gestiegene Baukosten machen viele Glasfaserprojekte wirtschaftlich schwieriger. Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren würden Projekte verzögern. Kritik äußert das Unternehmen auch an der Politik: Es fehle an einer „politischen Steuerung beim Doppelausbau“ und an einem Konzept für die Migration von Kupfer- zu Glasfasernetzen. „Ohne Abschaltperspektive für Kupfer bleiben Anreize gering, vollständig auf Glasfaser umzusteigen“, erklärt Leonet. Zusätzlich könne auch eine geringe Nachfrage den Ausbau bremsen.
Eine niedrige Vorvermarktungsquote gefährde häufig die Wirtschaftlichkeit. Am geförderten Ausbau hält Leonet weiterhin fest. Für Gebiete, in denen der Ausbau vorerst gestoppt ist, kündigt das Unternehmen „individuelle Gespräche mit der Kommune“ zu einem späteren Zeitpunkt an.
Ursprünglich sollten rund 1.300 Haushalte an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Dafür waren insgesamt 29 Kilometer neue Leitungen und Investitionen von rund 2,13 Millionen Euro geplant. Die Gemeinde hätte davon rund 213.000 Euro übernehmen müssen. Der Ausbau hätte nach ersten Plänen bis Ende 2024 abgeschlossen sein sollen.
Gemeinde muss nach
Alternativen suchen
Jetzt sucht die Gemeinde nach Alternativen: Denkbar sind ein Fördermodell zum Lückenschluss sowie der parallele Ausbau mit dem geplanten Fernwärmenetz. Wenig Hoffnung setzt die Kommune auf einen anderen Anbieter. „Es gibt keine Alternative. Kein Unternehmen will aktuell einen eigenwirtschaftlichen Ausbau realisieren“, erklärt Weyrich. Bereits die Vergabe an Leonet vor rund drei Jahren sei alternativlos gewesen: „Einen flächendeckenden Ausbau wollte nur Leonet übernehmen.“