Mühldorf/Altötting – Die Szenerie mutet an, als würde ein Actionfilm gedreht: Ein Helikopter fliegt entlang von Hochspannungsleitungen, der Pilot steuert sehr nah an sie heran. Der Grund: Seit Montag kontrolliert die Bayernwerk Netz GmbH Hochspannungsleitungen. Geplant sind laut Bayernwerk auch Flüge in den Landkreisen Mühldorf und Altötting, zwischen Cham, Regensburg, Passau, Landshut, Töging, Pleinting, Pocking und Eggenfelden. Frank Kuhnhäuser, der projektleitende Freileitungsmonteur der Bayernwerk Netz, spricht in einer Pressemitteilung von einer routinemäßigen Kontrolle, die dafür sorgen soll, dass das Versorgungsnetz sicher bleibt.
Für die Inspektion der Hochspannungsleitungen sei das Team der Bayernwerk Netz täglich zwischen 8 und 18 Uhr mit dem Hubschrauber unterwegs. „Zur Inspektion fliegt der Helikopter seitlich an der Hochspannungsleitung entlang. Der Abstand zu den Leiterseilen beträgt mindestens 15 bis 20 Meter. Zum Vergleich: Die Masten einer 110-kV-Leitung sind in der Regel zwischen 25 und 40 Meter hoch“, erklärt auf Nachfrage der Pressesprecher des Bayernwerks, Christian Martens.
Über 10.000 Euro
für die Prüfungen
Nach jeweils zwei bis drei Stunden Flugzeit lande der Hubschrauber für einen Tank-Stopp. Die genauen Flugrouten und die Dauer der Leitungskontrolle aus der Luft planen die Techniker und der Pilot tagesaktuell und abhängig vom Wetter, denn für die Inspektion benötigen sie eine klare Sicht, heißt es weiter. Daher könnten sich die Kontrollflüge kurzfristig verschieben. Der Verteilnetzbetreiber wende für die Sicherheitsprüfung der Leitungen mit dem Hubschrauber 2026 mehr als 100.000 Euro auf. Die Bayernwerk Netz vergebe den Auftrag zur Befliegung an eine Partnerfirma, deren Piloten eine hohe Flugerfahrung hätten, um die Sicherheit zu gewährleisten. „Momentan ist ein sehr erfahrener Pilot eingesetzt, der schon seit vielen Jahren Stromleitungen befliegt“, berichtet Martens.
Die Bayernwerke setzen nach seinen Angaben bei der Kontrolle auch auf Drohnen. Doch: „Im Gegensatz zum Drohneneinsatz hat der Helikopter den Vorteil, dass lange Distanzen beflogen werden können. In diesem Jahr werden insgesamt rund 1200 Kilometer Hochspannungsleitungen aus der Luft kontrolliert. Die Arbeiten dauern zwischen zwei und drei Wochen.“
In diesem Jahr befliegen die Techniker des Bayernwerk Netz innerhalb insgesamt knapp 1.200 Kilometer des Hochspannungsnetzes. Das gesamte Netz des Bayernwerks umfasse rund 9.000 Kilometer. In der südlichen Hälfte des Bayernwerk-Netzgebiets finden die Inspektionsflüge dieses Jahr in Nieder- und Oberbayern sowie in der Oberpfalz statt. Die zur Kontrolle ausgewählten Leitungen liegen laut Bayernwerk auch in den Landkreisen Mühldorf am Inn, Rottal-Inn und Altötting.
Das sind typische
Fehlerbilder
Aus dem Helikopter haben die Techniker einen genauen Blick auf die Leiterseile, die Isolatoren und Armaturen. Sie kontrollieren bei der Befliegung jeden einzelnen Strommast und prüfen, wo es kleine Schäden oder Verschleiß gibt. So erkennen sie, welche Maßnahmen zur Instandhaltung der Leitung notwendig sind und können nötige Reparaturen vorausschauend planen, erklärt das Bayernwerk den Kontrollvorgang.
„Ein mögliches Fehlerbild, das aus der Luft erkannt wird, ist, wenn etwa einzelne Adern des Leiterseils beschädigt sind und abstehen. Die Schäden werden während des Flugs protokolliert und für einen anschließenden Reparaturflug zusammengefasst. Abstehende Leiterseil-Adern können später beispielsweise mit einer Klemmspirale, die über das Seil gelegt wird, repariert werden, ohne dass das Leiterseil getauscht werden muss“, berichtet er auf Nachfrage.
Außerdem schauen sich die Experten nach seinen Angaben den Bewuchs der Trassen an. Für einen sicheren Betrieb der Leitungen dürften Bäume und Sträucher einen Mindestabstand nicht unterschreiten. Aus der Luft erkennen die Techniker laut Angaben des Bayernwerks gut, wo die Pflanzen in der Leitungstrasse geschnitten werden müssen.
Die Überprüfung der Hochspannungsleitungen aus der Vogelperspektive gehöre zur regelmäßigen Vorsorge der Bayernwerk Netz. Der Verteilnetzbetreiber kontrolliere in festem Turnus alle Hochspannungsleitungen im Netzgebiet. Spätestens alle vier Jahre werfe ein Techniker von oben einen Blick auf die Leitungen. „Während der Befliegung bleiben die Leitungen in Betrieb.“