Buchbach – Weshalb tragen Milchkühe ein blaues Band am Bein? Aus welchem Grund werden Kälber erst einmal in Kälberboxen aufgezogen und weshalb haben manche von ihnen blaue Stellen am Kopf? Raum für solche und viele andere Fragen von Schulkindern bieten halbtägige Besuche bei Landwirten, die das Programm „Erlebnis Bauernhof“ vorsieht.
Die Aktivwochen begannen für ganz Oberbayern unter dem Motto „Frühling. Erlebnis. Bauernhof“ mit einer Auftaktveranstaltung im Milchviehbetrieb von Elisabeth und Martin Stoiber im Buchbacher Ortsteil Sterneck. In seinem zum Stall hin verglasten Aufenthaltsraum begrüßte das Ehepaar eine fünfte Klasse der Mittelschule Ampfing und ihren Lehrer Hendrik Schub.
Vom Ausblick in
den Stall begeistert
Das Ministerium bezahlt dem gastgebenden Betrieb 220 Euro pro Besuch. Vermittelt werden die Besuche, die ganzjährig möglich sind, von Margarete März. Sie betreut das 2012 gestartete Programm beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging seit den Anfängen und gibt diese Aufgabe mit dem Eintritt in den Ruhestand ab August an Susanne Berger ab, stellvertretende Leiterin der Hauswirtschaftsschule. Seit 2020 kann jedes Schulkind einmal in der Grundschule sowie in den Klassen 5 bis 10 einen Bauernhof besuchen.
Friederike Fuchs von der Regierung von Oberbayern war begeistert vom Ausblick in den Stall, der die Kinder gleich angezogen hatte. „Hier lässt sich Landwirtschaft aus nächster Nähe erleben“, erklärte sie. „Die Kinder erleben einen verantwortungsvollen Beruf und bekommen einen besonderen Zugang zur Landwirtschaft.“ Seit Beginn des Programms hätten bayernweit 704.779 Schulkinder in 34.922 Klassen teilgenommen. Laut Angelika Vaas, Leiterin des AELF Töging, haben sich im Landkreis Altötting 14 Betriebe für die Durchführung qualifiziert, im Landkreis Mühldorf 13. Der Schwerpunkt liege in beiden Landkreisen bei Milchviehhaltern, die im Vollerwerb arbeiten. Zu finden sind die Betriebe samt ihrer Ausrichtung und ihrer Lernprogramme auf der Homepage erlebnis-bauernhof.bayern.de.
Laut Vaas musste das Ministerium die Gelder für das Programm nicht kürzen und es laufe weiter wie bisher. Zunehmend problematisch seien aber die steigenden Buskosten, die entweder von den Eltern oder der Kommune getragen werden müssen. Wie Margarete März ergänzte, ist das besonders für die Städte ein Problem.
Die Gastgeber Martin und Elisabeth Stoiber starteten nach einer Gefahrenbelehrung mit der ganzen Klasse zum Rundgang durch den Betrieb, der 70 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht hält und einen Melkroboter einsetzt.
Vor Kurzem sind sie mit 100 Hühnern im kleinen Mobilstall auch in die Direktvermarktung von Eiern und Nudeln über einen kleinen Hofladen eingestiegen. Nach einer Brotzeit bekamen die Kinder im Laufstall erklärt, dass die blauen Bänder an den Beinen der Kühe Transponder enthalten, mit denen sie dem Melkroboter ihre Daten übermitteln. Nach einem Blick auf die trächtigen „Trockensteher“, die Martin Stoiber als „Kühe im Mutterschutz“ bezeichnete, ging es zu den Kälbern. Dort erläuterte der Landwirt, dass die Jungtiere sechs Wochen lang in Einzelboxen gehalten werden, damit sie ihr Immunsystem aufbauen können.
Die blauen Stellen an den Köpfen einzelner Tiere rührten von der Enthornung her. Sie werde frühzeitig mit Betäubung und der Verabreichung von Schmerzmitteln durchgeführt. Nachdem Elisabeth Stoiber erklärt hatte, weshalb die Kälber Ohrmarken tragen, fragte eine Schülerin, ob das Anbringen nicht schmerze. „Nicht mehr als beim Stechen für einen Ohrring“, entgegnete die Bäuerin, worauf die Schülerin sagte, das habe aber sehr wehgetan.
Für die Betreuung muss
man Erlebnisbäuerin sein
Begeistert streichelten die Kinder die Kälber und brachten ihnen Futter und Wasser, bevor sie im Hühnerwagen ein Huhn auf den Arm nehmen durften und den Maschinenpark von außen bestaunen konnten. Gegen Mittag hatten sie dann viele Eindrücke gewonnen, die ihnen einen realistischen Eindruck von der Landwirtschaft vermittelten. Elisabeth Stoiber betreut seit 2023 zwischen fünf und acht Schulklassen pro Jahr über das Programm. Außerdem empfängt sie im Rahmen der Ganztagesbetreuung einmal pro Woche eine Arbeitsgruppe der Mittelschule Ampfing, die sie einst selbst besucht hat. Die AG trägt den Namen „Kühe, Kunst und Köstlichkeiten“. Damit man das Programm „Erlebnis Bauernhof“ anbieten darf, muss man eine eintägige Informationsveranstaltung besuchen oder eine 16 Tage umfassende Qualifikation zur Erlebnisbäuerin absolviert haben. Am Rande der Veranstaltung wies AELF-Leiterin Angela Vaas noch darauf hin, dass ihr Amt zusammen mit Revierförstern für die dritten Klassen Waldführungen anbiete.