Aschau/Oberschleißheim – Drachen, Magie und unbekannte Welten – viele nehmen Fantasy als Genre nicht ganz ernst. Zu verspielt, zu fern der Realität. Doch genau darin liegt seine Stärke: Es schafft Raum, um reale Themen neu zu erzählen. Genau das macht die Aschauerin Stephanie Schmitt-Röder, die jetzt ihr erstes Fantasy-Werk herausgebracht hat.
Für die selbstständige Tierärztin, die sich auf Ernährungsberatung für Hunde und Katzen spezialisiert hat, ist Fantasy mehr als eine Reise in eine fremde Welt: Sie nutzt ihre Geschichten, um Inhalte aus der Wirklichkeit in eine neue Welt zu übertragen.
„Fantasy wird oft als Realitätsflucht abgetan“, sagt Stephanie Schmitt-Röder. Stattdessen biete Fantasy die Chance, unterschiedliche Themen aufzugreifen, ohne sich an die Regeln der realen Welt halten zu müssen. Genau das setzt sie in ihrer Fantasy-Reihe „Die Dunkelheit der Sonne“ um, deren fünf Episoden gerade unter ihrem Pseudonym Ronja Röder erscheinen.
„Es gibt kein
Schwarz-Weiß“
„Aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft lassen sich sehr gut aufarbeiten und in eine neue Welt einordnen. Es ist eine Kunstform, dies ohne Moralkeule zu vermitteln“, ist die 41-Jährige überzeugt. Dennoch müsse die geschaffene Welt in sich stimmig bleiben. „Wer meint, Fantasy ist nur für Jugendliche und Kinder, der hat das Genre nicht verstanden.“ Im Zentrum ihrer Geschichte steht ein Protagonist, der sich in einem Konflikt zwischen den herrschenden magisch Begabten und Rebellen wiederfindet. Klare Gut-und-Böse-Zeichnungen vermeidet Schmitt-Röder bewusst: „Es gibt kein Schwarz-Weiß. Beide Seiten haben ihre positiven und negativen Aspekte.“ Im Verlauf der Handlung beginnt der Protagonist, seine bisherigen Überzeugungen zu hinterfragen. „Er ist privilegiert aufgewachsen und jetzt gefordert, seine Weltanschauung zu überdenken.“ Gleichzeitig erkenne er, dass keine der beiden Seiten frei von Widersprüchen sei. Für ihn bedeutet das, seinen Platz neu zu finden und sich von bisherigen Werten lösen zu müssen. Trotz der inhaltlichen Tiefe setzt die Autorin nicht auf große Schlachtszenen. „Es ist eine actiongetriebene Reihe mit Intrigen, während eine Liebesgeschichte nur im Hintergrund mitschwingt“, verrät sie.
Wer sie fragt, warum sie als Tierärztin zur Autorin geworden ist, stellt ihrer Meinung nach die falsche Frage. „Wie kommt es, dass jemand, der sich schon immer für Literatur, Kunst und Schreiben interessiert hat, Tiermedizin studiert?“ Für sie ist das kein Widerspruch. Die Begeisterung für Geschichten begleitet die Autorin schon seit ihrer Kindheit. Erste Geschichten schrieb sie mit gerade einmal acht Jahren, als Teenager folgte der Versuch eines Romans. „Der schlummert auf der Festplatte“, verrät sie. Seit dieser Zeit hat sie viel Engagement ins sprachliche Handwerk gesteckt, ihr Schreiben weiterentwickelt und ihre Ideen konsequent ausgebaut. Auch persönliche Erfahrungen fließen immer wieder in ihre Arbeit mit ein. Schmitt-Röder ist viel gereist und seit 2012 mit Rettungshunden im Einsatz – Eindrücke, die sich in ihren Geschichten widerspiegeln.
Ideen konsequent
weiter ausgebaut
Ein wichtiger Schritt gelang ihr vor zwei Jahren auf der Leipziger Buchmesse. Dort stellte sie Verlagen ihre Idee vor. „Man hat nur zehn Minuten Zeit und muss sich genau überlegen, was man sagt.“ Sie hat die richtigen Worte gefunden – und erhielt kurze Zeit später eine Zusage.
Aus ihrer Idee ist eine mehrteilige Reihe geworden, die sie vor Kurzem auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt hat. Die einzelnen Episoden von „Die Dunkelheit der Sonne“ erscheinen aktuell im Zwei-Wochen-Rhythmus, ab 14. Mai ist der Sammelband aller fünf Teile erhältlich.
Für die Autorin ist ihre Geschichte damit aber noch nicht abgeschlossen: „Ich schreibe gerade am nächsten Buch, das die Geschichte mit einem anderen Handlungsbogen fortsetzt.“