Vermisste 24-Jährige gerettet

von Redaktion

Hilferufe führen Retter zu der jungen Frau bei Niederbergkirchen – Großes Lob für alle Einsatzkräfte

Mühldorf – Mehrere Tage lang wurde fieberhaft nach einer 24-jährigen Frau aus Baden-Württemberg gesucht, die am Mittwochmittag als vermisst gemeldet wurde. Zuletzt war die Frau auf einem Bauernhof in Mößling gesehen worden. Zahlreiche Blaulicht-Organisationen haben sich an den aufwendigen Suchmaßnahmen beteiligt. Bis die Polizei in den frühen Sonntagmorgenstunden Entwarnung gab: Gegen 5 Uhr haben Rettungskräfte die Vermisste gefunden, meldet die Polizei. Und sie bedankt sich bei allen Helfern: „Ohne deren Engagement über die letzten Tage und die Bevölkerungshinweise wäre dieser Erfolg kaum denkbar gewesen!“

Mit einer Türöffnung
hat alles begonnen

Was war passiert? Michael Jäkel, Erster Kommandant der Mößlinger Feuerwehr, lässt die vergangenen Tage Revue passieren. Die Mößlinger Wehr war als Erstes informiert worden. „Türöffnung“, hieß es bei der Alarmierung zunächst. Nachdem die 24-jährige Frau aus Baden-Württemberg, die auf einem Pferdehof in Mößling beschäftigt war, nicht angetroffen worden war, habe man die weiteren Schritte eingeleitet. Das Feuerwehrhaus in Mößling wurde zur Einsatzzentrale, um die nun initiierte Vermisstensuche zu koordinieren.

Und dort griff ein Zahnrad ins andere: Mit der Unterstützung der Feuerwehren Mößling, Mühldorf, Altmühldorf, Lochheim, Erharting sowie der Kreisbrandinspektion Mühldorf wurde am späten Donnerstagnachmittag (16. April) ein Sucheinsatz unter Federführung der Polizeiinspektion Mühldorf durchgeführt. Verlassen konnte sich die Polizei dabei auch auf die Einsatzbereitschaft des Rettungsdienstes, des THW Mühldorf, der DLRG Mühldorf und der Wasserwacht Töging.

Drohnen und auch
Boote im Einsatz

„Nahezu 170 Einsatzkräfte durchkämmten die Freiflächen in einem großen Umkreis rund um den letzten bekannten Aufenthaltsort“, heißt es seitens der Polizei. Zudem wurden „Mantrailer-Hunde“ und Flächensuchhunde eingesetzt (siehe Kasten).

Drohnen wurden gestartet und Boote suchten den Innkanal und die Isen ab, fasst die Polizei das Engagement der vielen Helfer zusammen. Die Suche konzentrierte sich zunächst auf einen Radius von fünf Kilometern rund um Mößling, wie Kommandant Jäkel berichtet.

Auch ein Polizeihubschrauber kam bei der Suche zum Einsatz. Kommandant Jäkel erklärt, dass die Fußballer des FC Mühldorf am Donnerstag ihr Training unterbrechen mussten, damit der Helikopter auf dem Trainingsgelände landen konnte. „Das Areal ist natürlich dafür ideal, weil keine Leitungen im Weg sind und bei Bedarf auch das Flutlicht genutzt werden kann“, berichtet Jäkel.

Doch der Hubschraubereinsatz inklusive Wärmebildkamera blieb ohne Erfolg. „Bis etwa 22.30 Uhr wurde gesucht. Leider ergebnislos. Wir haben dann abgebrochen“, so Jäkel, der sich bis zu diesem Zeitpunkt uneingeschränkt auf die Ehrenamtlichen verlassen konnte. Nur ein Beispiel: Zwei Personen haben sich laut Jäkel rund um die Uhr an PC-Arbeitsplätzen darum gekümmert, dass die Suchaktion anhand eines digitalen Einsatzleitsystems dokumentiert wurde. Über eine digitale Landkarte seien die Suchkorridore abgebildet, im Einsatztagebuch Erkenntnisse festgehalten worden, um auf dieser Basis strukturiert weiterarbeiten zu können. Doch nicht nur das: Feuerwehrkameraden haben die Vermisstensuche über ihren Whatsapp-Status gepusht. Die Nachricht habe sich rasant verbreitet, die Bevölkerung sei bezüglich der Suche sensibilisiert worden. Tatsächlich hätten sich Leute dadurch gemeldet und Hinweise gegeben.

So sei es möglich gewesen, nachzuvollziehen, wo sich die junge Frau in etwa befinden könnte. In der Nacht von Samstag (18. April) auf Sonntag (19. April) setzten sich die Suchmaßnahmen nach der seit Mittwoch Vermissten fort „und intensivierten sich nach weiteren Hinweisen rund um Niederbergkirchen“, teilte die Polizei Mühldorf am Sonntagmorgen mit, nachdem die vermisste Person schließlich aufgefunden wurde.

Erleichterung auch bei Johannes Demmelhuber, dem Einsatz-Bereichsleiter bei der Polizei, der noch am Samstag bis Mitternacht selbst vor Ort war und schließlich am nächsten Tag zu Hause mitgeteilt bekam, dass die Frau gefunden wurde. „Die Dame war in einer psychischen Ausnahmesituation“, erläutert Demmelhuber. Schlussendlich seien es Hilferufe im Bereich Oberhofen gewesen, die Kräfte vom THW in Verbindung mit Einsatzkräften der umliegenden Feuerwehren am frühen Sonntagmorgen auf die richtige Spur geführt hätten.

Die Frau sei laut Demmelhuber gesundheitlich behandlungsbedürftig gewesen, im Krankenhaus durchgecheckt worden und befinde sich jetzt in fachärztlicher Behandlung. Dass die 24-Jährige während ihrer fast fünftägigen Abwesenheit Mangelerscheinungen erlitten hätte, konnte Demmelhuber nicht bestätigen. „Wir hatten Gott sei Dank keine minus 15 Grad Celsius.“

Letztlich verweist der Polizeieinsatzleiter auf die zahlreichen wertvollen Hinweise aus der Bevölkerung, „die immer wieder Ansatzpunkte lieferten, wo die Dame stecken könnte“, so Demmelhuber. Einer dieser Hinweise war, dass sie ihr Smartphone wohl in Stetten aufgeladen hatte. Auch Sichtungen seien gemeldet worden. Im Rahmen der Öffentlichkeitsfahndung sei die gesuchte Person dann auch auf einem Bild erkannt worden.

Welche Kriterien gelten
für einen solchen Einsatz?

Kriterien, die vorgeben, wann es zu einem Großeinsatz wie diesem kommt, gebe es nicht. „Entweder ganz oder gar nicht“, sagt dazu Polizist Demmelhuber und ist froh darüber, dass man in der Region weiß, wen man dann zu kontaktieren habe, wenn es schnell gehen soll. „Man kennt sich und das ist ein großer Vorteil, wenn man die Maßnahmen strukturieren will!“

Er spricht über ein Pyramidensystem, an dessen Spitze die Polizei stehe. Von dort aus werden die Einheiten darunter eingeteilt. „Diese hierarchische Struktur funktioniert einwandfrei, jeder zieht an einem Strang, jeder weiß, was er zu tun hat. Es gibt klare Zuständigkeiten und alles ist top organisiert“, lobt er die Arbeit der Hilfskräfte, die meist ehrenamtlich engagiert sind und die er logistisch und die Manpower betreffend für „unschlagbar“ hält.

Wie man sich in einem Vermisstenfall richtig verhält, dafür hat Demmelhuber einen Tipp. „Immer die 110 wählen, nicht lange zögern!“ Je schneller die Alarmierung erfolgt, umso besser könne der Bewegungsradius des Vermissten eingegrenzt werden. Er sei natürlich erleichtert, dass der Einsatz am Ende erfolgreich gewesen sei. „Ohne die vielen Leute, die in erster Linie ehrenamtlich geholfen haben, wäre das nicht möglich gewesen!“

Rettungshunde mit dem besonderen Riecher

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