Mühldorf – Fast den halben Kreistag hat Landrat Max Heimerl im Rahmen einer kleinen Feier beim Pauli-Wirt in Erharting verabschiedet. Immerhin 26 der 60 Kreisräte, die von 2020 bis 2026 die Kreispolitik bestimmten, werden im neu gewählten Kreistag nicht mehr dabei sein. Die einen, weil ihr Wahlergebnis nicht mehr für den neuerlichen Einzug in das Kreistagsgremium reichte. Die anderen, weil sie sich nach Jahren des Engagements freiwillig zurückziehen und kommunalpolitisch kürzertreten wollen.
Heimerl bedankte sich bei den „Ausscheidern“: „Es ist nicht selbstverständlich, sich über Jahre, teilweise über Jahrzehnte, für die Allgemeinheit zu engagieren.“ Mit dem Kreistagsmandat hätten sie ein Amt ausgeübt, das angesichts von Krisen wie Corona, Kriegen und Flüchtlingsaufnahme immer schwieriger geworden sei.
Auch Unpopuläres
mitgetragen
Trotz des daraus resultierenden engen finanziellen Spielraums sei es gelungen, den Landkreis voranzubringen. Auch mithilfe unpopulärer Entscheidungen wie der Erhöhung der Kreisumlage, die jedes Mitglied des Kreistags in der jeweiligen Heimatkommune vertreten musste.
„Kommunalpolitik ist nicht kleinklein, sondern hat großes Gewicht“, so der Landrat. „Sie ist bürgernah und unmittelbar. Sie ist das Fundament der Demokratie und entscheidend für die Lebensqualität vor Ort.“ Oftmals müssten die Kommunen „die Suppe auslöffeln, die uns andere eingebrockt haben“, wie beispielsweise bei der Krankenhauspolitik.
Heimerl bedankte sich mit einem „Vergelt’s Gott“ bei allen für die stets faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit und für den enormen zeitlichen Einsatz, den sie für dieses Amt geleistet haben.
Der emotionale Höhepunkt der Verabschiedungen galt „zwei Urgesteinen“, wie Landrat Heimerl sie nannte. „An Rot’n und an Schwarz’n“, fuhr er in seiner Ansprache fort, „für die Parteizugehörigkeit nie eine Rolle gespielt hat“. Denn: „Ihr seid Kommunalpolitiker durch und durch!“ „Ihr habt immer Sachpolitik betrieben, um das Beste für unseren Landkreis und die Region herauszuholen“, dankte Heimerl. „Ihr seid tief verwurzelt in Eurer Heimat. Mit leidenschaftlichem Engagement und Herzblut habt Ihr in unterschiedlichen Funktionen für unsere Region gekämpft. Und das weit über das normale Maß hinaus. Eure Heimatstädte Mühldorf und Waldkraiburg im Herzen, hattet Ihr immer das große Ganze im Blick.“
Günther Knoblauch (78) saß für die SPD 42 Jahre von 1984 bis 2026 im Kreistag; CSUler Anton Sterr (73) war 48 Jahre von 1978 bis 2026 dabei. „Während Eurer Zeit im Kreistag waren drei Landräte – Rambold, Huber, Heimerl – an der Spitze des Landkreises“, erinnerte der Landrat. „Ihr habt Euch mit der gesamten Bandbreite an Themen und Herausforderungen, die den Landkreis in dieser langen Zeit bewegt haben, beschäftigt.“ Dies reichte vom Anfang der Krankenhauspolitik bis zur Fusion zum „InnKlinikum“; über die Investitionen in Schulen, die Sparkassenfusion, die Einführung einer effizienten Abfall- und Kreislaufwirtschaft; die große Last an Verbindlichkeiten, als der Landkreis Mühldorf der höchstverschuldete Landkreis in Bayern war, und die damit verbundenen Haushaltsdebatten. Anton Sterrs enormes Fachwissen und sein großer Erfahrungsschatz seien nicht nur bei der Krankenhauspolitik enorm wertvoll gewesen. Günther Knoblauch habe mit größter Empathie und einem Gespür für die Menschen gehandelt. „Vor allem auch den ,kleinen Leuten‘ galt deine Schaffenskraft“, betonte Landrat Max Heimerl.
Zum Ende ihrer „Ära im Kreistag“ dankte er beiden für ihren unermüdlichen Einsatz und ihre Ausdauer; er wünschte beiden „alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit und Zeit für die Dinge, die Euch wichtig sind!“ Zu ihrer Dankesurkunde erhielten die beiden dienstältesten Kreisräte die Ehrennadel des Landkreises in Silber überreicht und wurden mit stehenden Ovationen ihrer Kreistagskolleginnen und -kollegen belohnt.
Den ausscheidenden Mitgliedern, die teilweise auch diversen Ausschüssen des Mühldorfer Kreistags angehörten, überreichte Landrat Heimerl jeweils eine Urkunde und ein Geschenk.
Als Nachrücker gehörten von März 2023 beziehungsweise Juli 2024 Tatjana Zapp, Peter Corticelli und Lukas Eder dem Kreistag an. Sechs Jahre, von 2020 bis 2026, waren dabei: Michael Ackermann, Thomas Eberharter, Angelika Kölbl, Michael Kulhanek, Walter Reiter und Konrad Zeiler.
Medaillen und Geschenke
für die Ausscheider
Nach zwei Wahlperioden oder zwölf Jahren von 2014 bis 2026 – in denen sie, so Heimerl scherzend, „zwei Landräte erlebt, erduldet und ertragen haben“ – verabschieden sich: Dr. Herbert Heiml, Peter Hobmaier, Ulli Maier (UWG-Fraktionssprecher), Stefan Mooshuber, Lorenz Salzeder, Peter Uhldahl (Grünen-Fraktionssprecher) und Marianne Zollner. Für 18 Jahre Zugehörigkeit ab dem Jahr 2008 wurden geehrt: Michael Hell (vom Landrat als der „immer bestangezogenste“ Kreisrat tituliert), Alois Salzeder, Norbert Strahllechner.
Für über 20 und 30 Jahre im Kreistag überreichte der Landrat neben Urkunde und Geschenk auch noch die Landkreis-Medaille für besondere Verdienste an: Dr. Karl Dürner, Cathrin Henke (stellvertretende Landrätin) und Georg Wimmer – für jeweils 24 Jahre; Georg Thalmeier (30 Jahre) und Harald Jungbauer (32 Jahre).