Mühldorf – Seit den 1990er- Jahren bemühen sich Aktive im Landkreis Mühldorf um die Einrichtung einer Gedenkstätte am ehemaligen KZ im Mühldorfer Hart. Jetzt hat sich der Freistaat mit allen Waldbesitzern geeinigt. Den letzten Schritten auf dem Weg zur Gedenkstätte steht nichts mehr entgegen.
Franz Langstein hat diesen Weg maßgeblich geprägt. Als Vorsitzender des „Vereins für das Erinnern“ hat er alle Höhen und Tiefen der Diskussion, des Streits und der politischen Entscheidungen miterlebt.
Jetzt steht der 73-Jährige am ehemaligen Waldlager, in dem die KZ-Häftlinge in Erdbaracken hausen mussten. Von dort mussten sie mehr als einen Kilometer weit zur Rüstungsfabrik, dem Bunkerbogen, laufen. Die Gedenkstätte im Waldlager wurde 2018 eröffnet und soll dem zentralen Ort am Bunkerbogen als Vorbild dienen.
Einsicht hat sich auf
allen Ebenen durchgesetzt
Dass die mächtige Betonruine, eindrücklichstes Zeichen des NS-Rüstungswahnsinns, bis zuletzt auf eine Gestaltung warten muss, liegt auch an dem, was Langstein heute die Traumzeit nennt. In diesen zweieinhalb Jahren haben sich Freistaat Bayern und die Grundbesitzer rund um den Bunkerbogen auf einen Grundstückstausch geeinigt.
Noch vor zehn oder 15 Jahren ein schier aussichtsloses Unterfangen, so groß waren Bedenken und Widerstände. Das ist jetzt vorbei, sagt Langstein, „da hat sich was gedreht in der Empfindung“.
Die Einsicht in die Notwendigkeit einer KZ-Gedenkstätte habe sich auf allen Ebenen durchgesetzt. Auch bei den 25 Grundstücksbesitzern, zumeist Landwirten, aber auch bei umliegenden Gemeinden. „Wenn einer nicht zugestimmt hätte, wäre es nicht weitergegangen.“ Behörden des Freistaats haben die Verhandlungen geführt, Grundstücke getauscht, einige gekauft.
Auf einer großen Bautafel vor dem Bunkerbogen steht ein Datum: Herbst 2026. Langstein schüttelt den Kopf. „Baubeginn vielleicht, fertig wird dann aber noch nichts sein.“ Denn erst jetzt sind die Planungen für die Gestaltung in Gang gekommen. Die Landschaftsplaner von Latz&Partner haben ihre Überlegungen vorgestellt, die Bayerische Gedenkstättenstiftung und das Staatliche Bauamt haben die ersten Pläne diskutiert, „was wie gebaut wird“.
Die Pläne sehen einen Eingangsbereich vor, gestaltet wie der, vor dem Langstein im ehemaligen Waldlager steht. Sie beinhalten Parkplätze für Autos und Busse, Wege, eine Aussichtsplattform, von der aus man das Gelände mit den sechs gesprengten Bunkerbögen überblicken kann. Vor dem Bogen ist ein zentraler Platz geplant. Er soll nicht nur der Erinnerung an die mehr als 4000 Menschen dienen, die im Mühldorfer Hart von den Nazis zu Tode geschunden wurden, bei dem Versuch, in den beiden letzten Kriegsjahren eine riesige halb unterirdische Flugzeugfabrik zu bauen. Der Platz bekommt Sitzgelegenheiten, soll für Konzerte oder Lesungen zur Verfügung stehen, von Schulklassen für Unterrichtsstunden genutzt, zur Anlaufstelle für Besucher werden.
Die Aktiven vor Ort, der „Verein für das Erinnern“, sind in diese Überlegungen zur Gestaltung eingebunden, sagt Langstein. „Der Freistaat wird nicht ohne uns entscheiden. Er will, dass wir etwas damit anfangen können.“ Ob und wie das Gelände eingezäunt und damit gesichert wird, ist laut Langstein noch nicht entschieden. In dieser Frage prallen verschiedene Interessen aufeinander. Da ist die Frage der Sicherheit für Besucher einerseits und die Möglichkeit, das Gelände in seiner ganzen Größe zu erkunden, andererseits. Versicherungen werden dabei ein entscheidendes Wort mitreden, aber auch der Freistaat und die Gedenkstättenstiftung als Träger der Gedenkstätte. Fünf Millionen Euro sind derzeit für die Gestaltung veranschlagt. Langstein hofft, dass die Einweihung im Sommer 2027 stattfinden kann.
Erinnerungsfeier
am Bunkerbogen
In der noch unfertigen Gedenkstätte hält der Verein auch heuer am Freitag, 1. Mai, die Erinnerungsfeier an die Auflösung des Lagers in den vergangenen Apriltagen 1945 ab. Unter dem Leitwort „Shalom“ – „Frieden“ wird die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, die Festansprache halten. Zu Wort kommen auch Schüler des Gymnasiums Gars, die sich im Rahmen eines Seminars mit dem ehemaligen KZ beschäftigt haben. Beginn ist um 11 Uhr vor dem Bunkerbogen.