Aschau/Waldkraiburg – Für echte Fußballfans grenzt es an eine Zumutung: Freitags und samstags überträgt Sky die Bundesliga, sonntags dann DAZN. Die Champions League läuft fast ausschließlich auf DAZN, außer die Dienstagsspiele, die gibt es auf Amazon Prime zu sehen. Wenigstens die Spiele des DFB-Pokals laufen einheitlich auf Sky.
Wer alle Spiele sehen will, braucht mittlerweile nicht nur eine Übersichtstafel darüber, welches Spiel wo läuft, sondern auch ein ordentliches Budget. Denn für jeden Sender braucht es ein eigenes Abonnement.
Rund 15.000 Euro
Abo-Gebühren im Jahr
Das weiß auch Andreas Winterer aus Aschau. Seit 16 Jahren betreibt er die Sportbar Stauwerk. Anfangs lag der Fokus auf der Bundesliga, erklärt der 50-Jährige. Mittlerweile würden Gäste auch American Football schauen – und das von Jahr zu Jahr mehr. Dennoch: „Das Aushängeschild bleibt Fußball“, sagt Winterer.
In den vergangenen Jahren hat sich hier für den Gastronomen einiges geändert. Anfangs reichte ein Abo, um die Spiele übertragen zu können. Mittlerweile brauche er fünf, je nach Liga und Sportart. „Sky, DAZN, Magenta TV, NFL Game Pass, RTL+“, zählt er auf. Für einen Gastrobetrieb berechnen sich die Abokosten je nach Größe oder Bildschirmzahl unterschiedlich. Hinzu kommen noch Kosten für die Gema und Rundfunkgebühren.
Die letzten Rechtevergaben von Bundesliga und UEFA Champions League vor ein paar Jahren waren laut Winterer eine „Katastrophe“ für die Gestaltung der Abos. Die Annahme, die Preise würden sinken, sei nicht eingetreten. Zu Beginn habe Winterer rund 3.000 Euro im Jahr gezahlt, mittlerweile seien es rund 15.000 Euro an Abo-Gebühren, sagt er. „Es ist schon ein Wahnsinn, wie viele Abos man benötigt“, erklärt er. Hinzu kämen noch Kosten für die Technik. „Das muss alles refinanziert werden“, sagt der Gastronom.
„Wir haben das Privileg, seit Jahren jeden Tag ausreserviert zu sein“, betont Winterer. Die Gäste würden sein Angebot gut annehmen. Ansonsten würde er sich das nicht mehr leisten können, sagt er. Das liege zum Teil auch am Erfolg des FC Bayern München. Der Verein habe viele Anhänger in der Region, spiele so gut wie immer um die deutsche Meisterschaft und komme auch bei internationalen Turnieren weit, erklärt Winterer. Der Gastronom hofft, nun etwas mehr Transparenz in die Kosten rund um die Sport-Abos bringen zu können. Denn manchen Gästen sei nicht bewusst, wie viel Geld das koste, sagt der 50-Jährige. Auch Rupert Feuerlein aus Waldkraiburg weiß, wie teuer es für echte Fußballfans werden könne. Der 64-Jährige ist Schriftführer und Kassier der Sparte Fußball beim VfL Waldkraiburg und besitzt privat alle nötigen Abos zum Fußballschauen. Denn: „Es gibt immer weniger Lokale, die die Spiele übertragen würden“, sagt er. Neben dem Stauwerk fallen ihm nur noch das „Hoizfassl“ in Ampfing und das „O‘Senny‘s Irish Pub“ in Mühldorf ein. Wer sich privat alles anschauen möchte, zahlt laut Feuerlein rund 65 Euro im Monat. Früher – als es nur einen Anbieter gegeben habe – sei es noch einfacher gewesen, erklärt er. Mit den verschiedenen Anbietern sind auch laut dem Waldkraiburger die Kosten nicht günstiger geworden. Im Gegenteil: „Die Preise wurden erhöht, das Angebot reduziert“, sagt Feuerlein. Wie sich das weiterentwickle, müsse man beobachten, sagt er. Schon jetzt zeigt sich: Ab 2027 brauchen Fußballfans wohl ein viertes Abo. Der US-Sender Paramount+ hat sich neben Amazon die Rechte für die Live-Übertragung der Champions League gekauft.