Waldkraiburg – Er war gefühlt eine ganze Ewigkeit das absolute Ass in der Waldkraiburger CSU. Und vielleicht ist er es heimlich immer noch ein bisschen: Der Anton Sterr, der seit 1971 zur Partei gehört und nun nach 48 Jahren in Stadtrat und Kreistag in den politischen Ruhestand geht.
Vom Fraktionsvorsitz, den er 29 Jahre innehatte, verabschiedete er sich bereits vor zwei Jahren. Der 73-Jährige nimmt einen Schluck aus seiner Kaffeetasse und meint lächelnd: „Irgendwann reicht es einfach.“ Und das irgendwann ist am 30. April, wenn aus dem Stadt- und Kreisrat ein „ganz normaler“ Bürger wird. Zum 30. April endet die bisherige Legislaturperiode und der neu gewählte Stadtrat übernimmt ab 1. Mai das Ruder.
Den Sprung in den Rat schaffte Sterr im Jahre 1978 gleich auf Anhieb. Er gehörte seither ununterbrochen dem Gremium an. Bei der letzten Kommunalwahl ließ sich der Familienvater aber weder für die Stadtrats- noch für die Kreistagsliste aufstellen. Seiner Ansicht nach sollte jeder selbst erkennen, wann Schluss ist. „Besser als vom Bürger abgewählt zu werden“, fügt der Waldkraiburger noch hinzu.
Weil er auf fast fünf Jahrzehnte Stadtratsarbeit zurückblickt, könnte der CSU-Mann Tag und Nacht von Projekten, Anträgen, endlosen Sitzungen, Haushaltsplänen, Investitionen und Entscheidungen berichten. Zwei Projekte bezeichnet Sterr in seinen Amtsperioden jedoch als besonders herausragend: „Das war einmal die Stromübernahme im Jahre 1998, die uns zwar 20 Millionen Euro kostete, aber durch deren Gewinne die Finanzierung der Sportstätten wie Waldbad, Eishalle und Jahnstadion erst möglich wurde. Zum anderen ist es die Geothermie, die durch Bohrungen im Jahr 2010 und 2011 ihren Anfang nahm.“ Heute könnten bereits rund 30 Prozent der Haushalte mit dieser CO2-freien Wärmequelle versorgt werden, bis 2045 soll das ganze Stadtgebiet von der Geothermie profitieren.
Der eingefleischte CSUler gibt zu, stets gerne Stadtrat gewesen zu sein, denn nur so könne man die Geschicke seiner Heimat mitbestimmen und entscheiden. Das Handtuch zu werfen, kam ihm in den 48 Jahren nie in den Sinn, wenngleich auch nicht immer alles glatt lief. Gerade mit dem mittlerweile verstorbenen Stadtratskollegen Günther Heubl von der SPD habe er den einen oder anderen Kampf ausgefochten. „Aber“, so hebt Sterr hervor, „bei Sachthemen können sogar aus politischen Gegnern Partner werden.“ Dies erlebte er mit Heubl, als sie gemeinsam für den Erhalt des Haager Krankenhauses eintraten.
Wer seine kommunalpolitischen Mandate ernst nehme, müsse relativ viel Freizeit opfern, das weiß der 73-Jährige aus Erfahrung und sagt: „Zwischen zehn und 15 Wochenstunden sind keine Seltenheit, denn die Vorbereitung auf Sitzungen und Ausschüsse sowie das Einarbeiten in komplexe Themen gehören zum Geschäft.“ In der Regel einmal pro Monat, immer dienstags, treffen sich die Stadträte zu ihren Sitzungen.
Sterr glaubt, die Sitzungen künftig nicht zu vermissen, er freue sich vielmehr auf ein freies Leben. Und ein Hobby hat er auch schon. „Ich widme mich mit Begeisterung der Ahnenforschung“, verrät der scheidende Kommunalpolitiker. Außerdem würden er und seine Frau Irene gerne in die Therme nach Bad Birnbach fahren. „Ein bisschen Wellness schadet nicht“, meint Sterr augenzwinkernd und lässt wissen, Edelfan des FC Bayern zu sein.
Die OVB-Heimatzeitungen wollten zum Schluss des Interviews vom „politischen Urgestein“, wie Sterr häufig genannt wurde, noch erfahren, wie die Bürger Waldkraiburgs ihn in seiner Eigenschaft als Stadtrat in Erinnerung behalten sollen. Da grübelte der sonstige Schnelldenker glatt ein wenig: „Als einen hundertprozentig engagierten Kommunalpolitiker mit Zukunftsvisionen für die Stadt.“