Wohnungsnot in Waldkraiburg

von Redaktion

Die Mieter in der Waldkraiburger Graslitzer Straße 60 bis 72 müssen ihre Wohnungen verlassen, da ein Investor die Gebäude sanieren will. Für die Betroffenen stellt sich die drängende Frage, wo sie unterkommen sollen, denn der geförderte Wohnraum in der Stadt ist knapp.

Waldkraiburg – Nachdem rund 140 Personen aus ihren Wohnungen in der Graslitzer Straße 60 bis 72 in Waldkraiburg gekündigt worden sind, drängt sich nicht nur bei den Betroffenen die Frage auf, ob es genügend günstige Wohnungen in der Stadt gibt. Auch in den sozialen Medien fragen sich Leser der Waldkraiburger Nachrichten und von Innsalzach24.de, wie es mit den Bewohnern weitergeht.

Leser auf Facebook
zeigen sich solidarisch

Einer schreibt auf Facebook: „Wie sollen diese 80 Wohneinheiten bitte gleichwertigen Wohnraum in Waldkraiburg finden?“ und ist empört darüber, dass der neue Besitzer den Menschen und Familien „ein Ultimatum“ bis Ende des Jahres setze.

Eine andere schreibt: „So kurzfristige Kündigungen ohne Idee, wo die Leute derweil unterkommen sollen.“ Sie befürchtet, dass die Wohnungen nach der Sanierung zu teuer für die jetzigen Bewohner werden könnten.

Andere wiederum verteidigen die Kündigung. „Seht es mal so: Jemand schafft hier Wohnraum, bemüht sich, die Immobilien auf dem neuesten Stand zu halten, und saniert“, schreibt einer und sieht das Problem generell darin, dass „es Sozialwohnungen überhaupt braucht, weil Rente und Einkommen nicht reichen“.

Wieder andere meinen, die Sanierung sei ein regulärer Kündigungsgrund. Jedoch sei es eine „schwierige Sache bei dem angespannten Wohnungsmarkt“, schreibt einer.

Alexander Kovin, Geschäftsführer von Real Estate Kovin und Eigentümer der Wohnungen in der Graslitzer Straße, erklärt auf Anfrage, die Stadt Waldkraiburg habe ihm mitgeteilt, es gebe genügend Sozialwohnungen. „Das Angebot soll auch in Zukunft noch erweitert werden, entsprechende Planungsvorbereitungen laufen derzeit“, erklärte die Stadtverwaltung gegenüber unserer Zeitung. Damit könnte das städtische Angebot auf „circa 1000 Wohnungen“ aufgestockt werden, heißt es.

Doch einfach in andere geförderte Wohnungen umziehen, das können die Betroffenen nicht. Auf Anfrage bei der Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg (WSGW) und der Stadtbau Waldkraiburg zeigt sich ein differenziertes Bild.

Werner Meisenecker, Geschäftsführer der WSGW, sagt zwar: „Die Stadt Waldkraiburg hat aufgrund des Vorhandenseins von zwei sozial orientierten Wohnungsunternehmen im Vergleich zu anderen Kommunen überdurchschnittlich viele ‚Sozialwohnungen‘, jedoch werden die klassischen Sozialwohnungen aus den 60er-, 70er- und 80er- Jahren in den kommenden Jahren weiterhin abnehmen.“

Der Freistaat Bayern unterstütze zwar mit der einkommensorientierten Förderung den Neubau von Wohnungen. „Dies ist jedoch abhängig von den Fördermitteln“, sagt Meisenecker. Der Wohnungswerber müsse hierfür sein Einkommen bei der Stadt beziehungsweise dem Landratsamt nachweisen und werde dann in die jeweilige Einkommensstufe eingeteilt, erklärt er.

„Frei finanzierte Wohnungen sind derzeit durch die WSGW nicht finanzierbar, da es hierfür einer Miete von über 20 Euro pro Quadratmeter bedarf. In der Konsequenz fehlen für die Zukunft bezahlbare, energetisch moderne Wohnungen, die nur durch Förderung neu gebaut werden können“, sagt Meisenecker. Derzeit besitzt die WSGW laut eigenen Angaben rund 1.200 Wohnungen in Waldkraiburg und Altötting.

Auch Martin Reitmeyer, Geschäftsführer der Stadtbau Waldkraiburg, dämpft die Hoffnung auf schnell verfügbare Sozialwohnungen. „Wir sind momentan voll belegt“, erklärt er. Bewohner der Graslitzer Straße 60 bis 72 hätten sich schon bei der Stadtbau gemeldet. Die Kontaktdaten seien zwar aufgenommen worden, falls eine Wohnung frei würde.

Derzeit saniere die Stadtbau zwar rund 30 Wohnungen am Münchner Platz/ Ecke Erzgebirgstraße. Diese würden aber erst im Frühjahr 2027 frei. Auch hier handle es sich um einkommensorientierte Wohnungen, für die erst eine Bescheinigung notwendig sei, erklärt Martin Reitmeyer. Die Stadtbau verfügt laut eigenen Angaben derzeit über rund 1.030 Wohnungen in Waldkraiburg.

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