„Zerbrochaner Kruag“ begeistert das Publikum

von Redaktion

Großer Applaus für einen gelesenen Heinrich von Kleist in der Sammlung Peter Schmidt

Waldkraiburg – Wer kennt es nicht, das bekannte Lustspiel Heinrich von Kleists, 1806 entstanden und 1808 unter Goethes Leitung in Weimar uraufgeführt: der zerbrochene Krug. Bis heute gilt es als eine der besten deutschsprachigen Komödien. Doch was das Publikum im Peter-Schmidt-Museum zu sehen bekam, kann damit ohne Weiteres Schritt halten.

Von Dr. Hans Küsters, bekannt durch seine Opern auf Bairisch, und seinem Wasserburger Nachbarn Max Dietrich, Nonsens- und Liedertexter, stammt der „Zerbrochane Kruag“ und beide sprachen mit Bravour die Texte zu den 13 Buidln, unterstützt von der großartigen Leserin Brigitte Oberkandler, die alle Frauenrollen, von Mutter Marthe über Brigitte bis Eva, nuancenreich vorstellte. Dazu hatte mit den Griesstätter Musikantinnen und Monika Fackeldey an der Ziach ein renommiertes Trio die musikalische Gestaltung übernommen. Nach seinem schwungvollen Walzer „Lust und Leben“ führte Museumsleiter Andreas Seifinger ins Stück ein: „Wir werden gleich im beschaulichen Schneizlreit sein und in humorvoller bayerischer Mundart Kunst im Trialog erleben, denn uns umgeben ja in diesem Museum zu jedem der 13 Bilder typische ländliche Malereien wie die ‚Bayerische Hochzeit‘ gleich neben der Bühne.“

Und schon tauchte, durch die beiden Leser recht anschaulich beschrieben, „da oaschichtige“ Dorfrichter Adam mit Glatze und Klumpfuß auf, trotz allem stets hinter jungen Frauen her. Der Song „Meim Vater sei oanzige Freid“ führte in das erste Buidl ein: Der Gerichtsrat Walter wird angekündigt, vor dem sich Adam wegen drohender Revision und Kassenprüfung drücken will – dazu wieder ein treffendes Lied: „Warst ned aufigstign, warst ned oba-gfalln und als Dorfrichter sollst was hermacha“. Doch obwohl der dem Herrn Rat Leberkas anbietet und mit nackertem Kopf nicht richten will, lässt Walter nicht locker. Das Unheil naht in Form eines musikalischen Trauermarschs: Die fesche Eva hat Angst um ihren Verlobten Benedikt, der in einer Liebesnacht einen Krug zerbrochen haben soll, der ihrer Mutter Marthe gehört. Das ist für Adam ein gefundenes Fressen. Ein heilloses Durcheinander folgt, denn einer schiebt die Schuld auf den anderen.

Immer wieder versucht Ada, Richter Walter abzulenken mit dem Ergebnis: „Alle stehn ma jetzt am Schlauch – und a Pause brauch‘ ma auch!“ Sie wurde von vielen Besuchern genützt, um sich im Museum besonders die ländlichen Bilder anzuschauen.

Mit dem Lied „Trink ma no a Flascherl“ ging es ins zehnte Buidl: Adam jammert über seinen lädierten Kopf, doch ein Verdacht kommt auf: „Dieser Abdruck lasst koan Zweife: De Spur is sicherlich vom Deife!“

Kunterbunt wird es, als Bene zum Militär soll und Adam meint: „Der kimmt gwies net an die Front, weil mei Dokument ihn schont!“ Und als Eva fragt: „Und was dean S‘ denn dann vo mia verlanga?“ der Dorfrichter antwortet: „Oa Nacht mit dir dad mia scho glanga!“ Als festgestellt wird, dass eine Befreiung vom Militär nicht notwendig sei, Bene den Krug zerdepperte, als er ihn nachts dem Richter auf den Kopf schlug, ist Adams Zeit als Dorfrichter endgültig abgelaufen.

Schreiber Licht erhält den Posten und Benedikt kann sein „liabs Everl“ endlich in die Arme schließen. Selbst auf die Frage, was Heinrich von Kleist uns mit seiner Komödie sagen wollte, gibt der bayerische Kruag eine treffende Antwort: „Gschäfter mit Amigos: Na! Wir habn an guatn Grund zum Feiern. Des gibts rundum, bloß net in Bayern“.

Und dies betonte das begeisterte Publikum mit nicht enden wollendem Beifall, bis die Musikantinnen mit dem „Fensterkreiz- Marsch“ ein endgültiges Ende setzen mussten. fis

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