Mühldorf – Der Bandname mag täuschen: Blues Ain’t Colourful ist längst keine klassische Bluesband mehr. Schon in den vergangenen Jahren hat die Band mit den vier Musikern aus Mühldorf, Waldkraiburg, Burgkirchen und Oberflossing gezeigt, wobei sie sich am wohlsten fühlt: mit einem Sound, der deutlich in Richtung Rock tendiert. „Unser Bandname hat schon des Öfteren für überraschte Gesichter gesorgt. Wer uns kennt, weiß, dass wir schon lange keine Bluesband mehr sind“, sagt Sänger und Gitarrist Simon Schubert lachend, wenn er nun das neue Album „Black Wolf“ ankündigt, das am heutigen Freitag im Bistro „Arte“ in Mühldorf erstmals öffentlich vorgestellt wird. „Bereits während der Entstehung des Albums hat sich die musikalische Ausrichtung von Blues hin zu eher rockigeren Spielarten gewandelt“, verrät der 51-jährige Waldkraiburger.
Es gibt keine Schublade,
nur die Band selbst
Und in der Tat: Markante Gitarrenriffs und abwechslungsreiche Beats prägen die Songs, die sich zwischen Pop und Rock bewegen – ohne sich in eine Schublade stecken zu lassen. Das will das Quartett auch nicht. Denn Schubert betont: „Auf jeden Fall klingen wir nach uns selbst!“ Wenn Schubert vom „Wir“ spricht, dann meint er damit Schlagzeuger Klaus Bruckmeier (49) aus Burgkirchen, Bassist Max Pascoe (44) aus Oberflossing und Gitarrist Holger Brüssel (51) aus Mühldorf. Nach ihrem Debüt „Signs of Life“ (2013) und dem zweiten Album „All or Nothing“ (2016) zeigen sich diese Vier heute deutlich weiterentwickelt. Während die frühen Songs noch stark von Einzelideen geprägt waren, entstehen neue Stücke zunehmend im Kollektiv. „Die Texte für die meisten Songs kommen von unserem Sänger, der in seinem Heimstudio zu unseren Songideen Texte und Melodie ausarbeitet“, sagt Brüssel. Und in der Tat: Die gemeinsame Arbeitsweise prägt den Sound des aktuellen Albums maßgeblich. Dass der Sound auch nahezu perfekt abgemischt ist, liegt an Matthias Schröder alias „Mattze“, der Mixing und Mastering übernommen und seine Expertise für den professionellen Feinschliff in die Waagschale geworfen hat.
„Die Texte des Albums sind nahbar und emotional. Viele entstehen in intensiven Lebensphasen und greifen persönliche Erlebnisse, Gedanken und Gefühle auf. Diese Authentizität ist zentral für den Stil unserer Band.“ Gedanken und Gefühle, die auch in Gesprächen entstehen.
Und hier schlägt Schubert den Bogen zum Titel des Albums: „Black Wolf“. Der gleichnamige Song beinhaltet strömenden Regen, tiefste Abgründe, dunkelste Geheimnisse. Alles sehr düster. Der Sound hingegen erinnert an Eric Clapton oder Joe Bonamassa. „Tatsächlich kam die musikalische Idee von Gitarrist Holger Brüssel“, verrät Schubert, „der das Riff mit in die Bandprobe brachte.“
Der Text hingegen sei nach einem Gespräch mit einer Freundin entstanden, in welchem sich alles um den inneren „Black Wolf“ gedreht habe: „Der Teil in uns, den wir heraufbeschwören müssen, wenn wir uns im Leben behaupten müssen, sinnbildlich die Zähne fletschen und sagen: bis hierher und nicht weiter.“ Auch gesellschaftliche Themen finden ihren Weg in die Musik. Obwohl sich die Band nicht als politisch versteht, verarbeitet sie Eindrücke aus dem Weltgeschehen – nicht belehrend, sondern emotional und reflektiert. „Dabei wollen wir nicht zynisch sein, sondern möchten mit unseren Texten unsere Betroffenheit bezüglich der menschlichen Krisen auf dieser Welt zum Ausdruck bringen“, bringt es Schubert auf den Punkt.
Es gibt auch Coversongs
bei der Release-Party
Bei der Release-Party am Freitag ab 20 Uhr (Eintritt frei) präsentiert die Band alle neun Songs des Albums live. Ergänzt wird das Set durch ausgewählte Coverstücke – tanzbar und energiegeladen. Ein Fazit kann man nach einer Hörprobe schon jetzt ziehen: Mit ihrem neuen Album beweisen Blues Ain’t Colourful ihre künstlerische Reife. Persönliche Themen, kollektive Kreativität und ein moderner Sound verschmelzen zu einem authentischen Gesamtwerk, das primär eines zeigt: Die Band ist bei sich selbst angekommen.