Mühldorf – Wie bereits ausführlich berichtet, soll in Mühldorf-Nord ein „Zentrum für Mobilität“ entstehen. Auf dem Grundstück neben dem Autohaus an der Bürgermeister-Hess-Straße soll ein mehrgeschossiges, 18,5 Meter hohes Gebäude entstehen. Als Nutzungszweck wird unter anderem ein Autohaus aufgeführt. Die weiteren Stockwerke sollen „einem Mobilitätskonzept entsprechen“. Dafür sind etwa ein Fahrrad- und Motorradhandel, ein Reisebüro oder ein Boardinghouse angedacht.
Der Aufstellung des nötigen Bebauungsplanes wurde Ende Oktober 2025 vom Stadtrat mit 21 Ja- und sechs Nein-Stimmen zugestimmt. Von Mitte Dezember 2025 bis Ende Januar 2026 konnten Bürger, Behörden und Organisationen zu diesen Plänen Stellung beziehen. Das Ergebnis dieser sogenannten „frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit“ wurde dem Bauausschuss vorgelegt. Wie Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner mitteilte, gingen bei der Stadt von Bürgerseite keinerlei Einwände ein.
Allerdings macht sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege Sorgen um eine kleine Kapelle in nächster Nachbarschaft des geplanten Gebäudes. Diese Hofkapelle ist als Baudenkmal im bayerischen Denkmal-Atlas gelistet und wird dort als „neugotischer Massivbau mit Satteldach und Treppengiebel, zweite Hälfte 19. Jahrhundert, mit Ausstattung“ beschrieben.
„Im Rahmen konkreter Baumaßnahmen ist sicherzustellen, dass keine Schäden an diesem Baudenkmal entstehen“, mahnt das Denkmalamt in seiner Stellungnahme zu dem Bauvorhaben an. „Im Hinblick auf mögliche Erschütterungen bei Bauarbeiten wird ein Beweissicherungsverfahren empfohlen. Sollten Schäden an der Kapelle auftreten, sind die Denkmalschutzbehörden umgehend zu informieren.“ Diesen Hinweis wird die Stadt in den Bebauungsplan mitaufnehmen.
Auch die Regierung von Oberbayern hat ein Haar in der Suppe gefunden. Ihr fehlt es an einem konkreten Nutzungskonzept für das geplante Vorhaben. Bisher gehe aus den Unterlagen nicht hervor, „inwieweit die beabsichtigten Nutzungen dem Thema Mobilität Rechnung tragen“.
Eine lange Liste zum Innenstadtbedarf zählender Sortimente ist in dieser Ecke der Stadt bereits ausgeschlossen, darunter Drogeriewaren, Bekleidung, Spielwaren und Bürobedarf. Das macht die Stadt Mühldorf, um die Geschäfte und die Attraktivität der Innenstadt zu stärken. So wie bei dem leer stehenden Möbelhaus an der Rheinstraße, in dem sich kein Modehaus niederlassen darf.
Die Regierung will, dass diese Liste der unzulässigen innenstadtrelevanten Waren noch ergänzt wird um Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Glas, Porzellan, Keramik, Geschenkartikel, Haushaltswaren, Lederwaren, Schuhe, Elektroartikel, Haushaltstechnik, Computer und Zubehör. Die Stadt hat signalisiert, Nutzung und Sortiment noch genauer festzulegen.
Nach den Vorstellungen des Bund Naturschutz sollen die geplanten Eingrünungen von zwei auf zweieinhalb Meter verbreitert werden. Für die Außenbeleuchtung im Geltungsbereich sind ausschließlich insektenfreundliche Leuchtmittel ohne Ultraviolettanteil oder Infrarotstrahlung ohne Streuwirkung und mit vollständig gekapseltem Lampengehäuse bis maximal 2.700 Kelvin zulässig.
Dieser Kelvin-Begrenzung pflichtete auch Gottfried Kirmeier (SPD) bei, damit diese Beleuchtung möglichst wenig Insekten anzieht. „Ich bin der Sprecher der Insekten“, erklärte er scherzhaft. „Ich summe zwar nicht, aber dazu brumm ich ab und zu.“
Zur Erschließung des Grundstückes ist laut Verwaltung die Herstellung einer Zufahrtsstraße und eines Gehwegs erforderlich. Dafür und für die Anpassung des Anschlusses an die Leisederstraße werde eine Planung der Verkehrsanlagen benötigt. Laut Rathaus wäre dies über einen Erschließungsvertrag zwischen Stadt und Vorhabensträger möglich. In der Beratung über den Bebauungsplan äußerte Adolf Spirkl (UM) seine Bedenken gegen die Höhe des geplanten Gebäudes. „Dieses Gebäude ist mit seinen 18,5 Metern ein Riesenbunker zwischen der Kapelle und dem Autohaus“, stellte er fest. „Ich finde das absolut zu hoch!“ Er war es auch, der als Einziger gegen den Beschlussvorschlag der Verwaltung stimmte.
Mit zehn Ja-Stimmen gegen einmal Nein ging die Empfehlung an den Stadtrat, den vom Bauausschuss vorbehandelten Punkten zuzustimmen. Mit einer Gegenstimme folgten die Stadträte dieser Empfehlung in ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich.