Schwindegg – Der Förderverein des Geschichtszentrums hat sich im Bürgerhaus zur Mitgliederversammlung getroffen. Vorsitzender Erwin Baumgartner begrüßte dabei auch Bürgermeister Roland Kamhuber, der den Versammlungsort kurz vorstellte.
Das Bürgerhaus selbst, das in der Nähe des Wahrzeichens der Gemeinde – dem Wasserschloss – liegt, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Der Bau begann 1594 und wurde 1620 vollendet. Es beherbergte ursprünglich eine Wirtschaft für die Feste der Schlossherren und hatte viele wechselnde Besitzer. Kamhubers Vorgänger konnte es schließlich der Brauerei Bachmeier abkaufen. „2012 wurde das Gebäude wieder eröffnet und bietet als Veranstaltungszentrum Platz für kulturelle Höhepunkte“, so der Bürgermeister.
Baumgartner eröffnete die Versammlung mit seinem Vereinsbericht: „Wir haben derzeit 179 Mitglieder. In unseren Vorstandssitzungen ging es fast ausschließlich um finanzielle Dinge, vor allem den Haushalt. Mein Fazit: Es läuft gut im Verein.“
Korbinian Engelmann, Leiter des Mühldorfer Geschichtszentrums – das, wie an dem Abend mehrfach betont wurde, nicht nur für die Stadt, sondern für den gesamten Landkreis zuständig ist –, berichtete von einer Reihe bedeutender Entwicklungen. So werde das Geschichtszentrum Teil des „Schatzregal Bayern“: „Bodenfunde müssen nicht mehr an das Amt für Denkmalschutz in München gemeldet werden, sondern – dezentralisiert – an die betreffende Gemeinde. Wir werden zeitnah Kontakt zu allen Gemeinden im Landkreis aufnehmen und dementsprechende Verträge schließen.“
Engelmann verkündete zudem eine besondere Neuigkeit: Die Sammlung des verstorbenen bayerischen Liedermachers Fredl Fesl komme ins Museum. Man habe sich mit seiner Witwe Monika Fesl einigen können. „Das ist ein wahrer Schatz: Instrumente, plastische Arbeiten, Zeichnungen, Manuskripte und persönliche Gegenstände wie die Schunkelhilfe für Nicht-Schunkler“, so Engelmann. Die 600 bis 700 Objekte seien inventarisiert und professionell fotografiert. Dazu kämen etwa 2.000 Fotos, auch aus dem privaten Bereich – darunter das berühmte Bild, auf dem Fesl mit seinem Bagger Birnen vom Baum pflückt. Im Jahr 2027 widmet das Museum Fesl eine Sonderausstellung.
Auch zur Ausstellung über die letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen, die 1322 zwischen Mühldorf, Erharting und Ampfing stattfand, gab es Neuigkeiten: Sie sei in Buchform gebracht worden. In Zusammenarbeit mit dem Regensburger Verlagshaus Pustet wurden 800 Exemplare aufgelegt. Die 400 Stück des Verlags seien inzwischen vergriffen. Den Streit zwischen dem bei der Schlacht siegreichen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Österreich könne man auf der Homepage des Museums auch digital abrufen.
Engelmann ergänzte, dass der Mühldorfer Ur-Elefant wieder im Museum zu sehen sein werde und über 30 Schulklassen das Haus als außerschulischen Lernort besucht hätten. Eine Fortbildung für Lehrkräfte werde demnächst angeboten. „Von Mai 2025 bis April 2026 haben wir 155 Veranstaltungen durchgeführt“, bilanzierte Engelmann.
Der Museumsleiter erinnerte außerdem an drei Ausstellungen: „Was ihr nicht seht“ habe sich mit Alltagsrassismus und Diskriminierung befasst, die Sonderausstellung „250 Jahre St. Nikolaus“ sei von Kardinal Reinhard Marx eröffnet worden, und „Erinnern mit den Augen der Kunst“ erinnere an das Kriegsende vor 80 Jahren. Als wichtigen bevorstehenden Termin nannte Engelmann den Mittwoch, 10. Juni: An diesem Tag werde der Publizist Michel Friedman am Campus sprechen.
Daniel Baumgartner, Koordinator für die Geschichtsarbeit im Landkreis, berichtete über das von Elvira Schreiner initiierte Projekt „Erinnern 45“: „2025 brachte es auf 13 Veranstaltungen, heuer waren es bereits drei. Über 900 Besucher wurden gezählt.“ Ein Ableger des Erzählcafés sei inzwischen in Mettenheim entstanden, mit dem Schwerpunkt auf dem KZ-Außenlager im Hart. Gemeinsam mit dem Kreisbildungswerk habe man einen Grundkurs in bayerischer Geschichte angeboten, der so erfolgreich gewesen sei, dass er nun wiederholt werde. Für Rechtmehring werde eine Festschrift zum 1225-jährigen Jubiläum erarbeitet, das 2028 gefeiert wird.
Beim „Tag des Offenen Denkmals“ 2025 seien im Kloster Zangberg ursprünglich drei Führungen geplant gewesen. „Letztendlich wurden in neun Führungen etwa 400 Besucher geführt – auch in das Allerheiligste, die Klausur“, so Daniel Baumgartner. Er hob zudem die historische Arbeit des vom Heimatbund Mühldorf herausgegebenen „Mühlrad“ und der vom Waldkraiburger Stadtarchivar Konrad Kern edierten „Hefte des Fördervereins des Stadtmuseums“ hervor. Baumgartner selbst hat zwei Vorträge zum Thema „Die Kommunalwahlen 1946“ in Mühldorf und Neumarkt-St. Veit gehalten. So sprach er gemeinsam mit Selina Ehm vom Geschichtszentrum im Herzoglichen Kasten über „Das Kino in Neumarkt/St. Veit und die Stadterhebung 1956“. Professor Joachim Wild referierte im Bürgerhaus über „Das KZ-Außenlager Thalham und das Schloss Schwindegg“.
Den Abschluss bildete der Kassenbericht von Ilse Preisinger-Sontag, der von den Kassenprüfern Inge Schnabel und Christian Braun als tadellos bestätigt wurde. hra