70 Jahre Neumarkt-St.Veit

von Redaktion

Bürgermeister setzt symbolisch den Schlussstein und überrascht seinen Nachfolger

Christian Göttlinger von der Verkehrs- und Werbegemeinschaft dankte Baumgartner für die gute Zusammenarbeit.

Neumarkt-St. Veit – Viermal Klopfen, dazu ein Sicherheitsschlag: Damit saß der symbolisch letzte Stein, der den Schlussstrich unter die Stadtplatzsanierung setzte. Im Rahmen der 70-Jahr-Feier seit der Stadterhebung setzte Bürgermeister Erwin Baumgartner diesen Schlusspunkt – zugleich seine letzte Amtshandlung vor großem Publikum. Denn nach dem offiziellen Teil hielt bereits sein Nachfolger das „Zepter“ in der Hand.

Erstes Mal Anzapfen
für den Neuen im Amt

Oder besser gesagt den Schlegel: „Ich hatte nie die Gelegenheit, für das Volksfest zu üben. Diese Chance soll nun mein Nachfolger erhalten“, kündigte Baumgartner an und übergab den Schlegel zum Freibieranstich an den überraschten designierten Nachfolger Stefan Streck (CSU). Trotz der spontanen Situation bestand Streck seine Feuertaufe souverän: Mit zwei Schlägen war das Fass angezapft. Baumgartner reichte anschließend die Biergläser an die prominenten Gäste und Bürger, die zum Festakt am Benno-Hubensteiner-Platz gekommen waren.

Das Jubiläum fiel passend auf das Ende von Baumgartners Amtszeit und den Abschluss der Stadtplatzneugestaltung. Da die Stadterhebung einst im Herzoglichen Kasten stattfand, wo damals noch ein Kino untergebracht war, gestaltete Baumgartner seine Rede bildhaft in mehreren „Akten“.

Erste Ideen
keimten 2012 auf

Er erinnerte daran, dass erste Ideen zur Sanierung bereits 2012 mit der Freigabe der Umgehungsstraße aufgekommen waren. Der damalige Staatssekretär Andreas Scheuer habe ihn in seiner Festrede beinahe dazu gedrängt: Nach Umgehungsstraßen folgten erfahrungsgemäß Förderanträge für Ortskernsanierungen.

Bereits 2013 fanden erste Besichtigungen statt. Die Planung nahm Fahrt auf, doch auch der Widerstand wuchs. Hauptkritikpunkt waren die zu erwartenden Kosten für Anlieger durch Straßenausbaubeiträge. Dieses Argument erledigte sich später, da diese Beiträge abgeschafft wurden.

Diskussionen gab es zudem über den Umfang der Maßnahme. Letztlich entschied sich der Stadtrat für die große Lösung, auch wegen notwendiger Arbeiten an Kanal- und Wasserleitungen. Kontrovers verliefen Debatten über Pflasterfarbe und Material. „Es folgten dann spannende und anstrengende Tage, Wochen und Monate“, berichtete Baumgartner, „unter anderem mit einem Bürgerentscheid, der allerdings von den Neumarktern nicht mitgegangen worden ist.“ Baubeginn war am 29. März 2021 mit der Sanierung von Wasser- und Kanalleitungen, im Juli 2022 folgten die Oberbauarbeiten.

Schlechte Bodenverhältnisse, Einschränkungen beim Verkehr und bei Geschäftszugängen belasteten viele Anwohner und Geschäftsleute. Nach dem Abzug der Baufirma 2023 wurden Restarbeiten erledigt, kleinere Zuwegungen übernahm der Bauhof. Den Abschluss bildete die Sanierung der Baumburggasse.

Den letzten Stein setzte Baumgartner nahe dem „Steinbach-Bankerl“ – als Erinnerung an den im Januar 2025 verstorbenen, langjährig engagierten Stadtrat Emil Steinbach.

Pfarrer Franz Eisenmann spendete den Segen. Landrat Max Heimerl betonte die Bedeutung der Stadterhebung vor 70 Jahren. Befürchtete Steuererhöhungen seien ausgeblieben, dennoch habe es Diskussionen über den Nutzen gegeben. Schon damals habe Landrat Albert Weggartner die Stadterhebung empfohlen, da Neumarkt ein „städtisches Gepräge“ aufweise.

Heimerl bezeichnete die Entscheidung rückblickend als richtig: Neumarkt-St. Veit habe im Norden des Landkreises eine besondere Rolle, geprägt auch durch seine Verkehrsanbindung. Einrichtungen wie Amtsgericht, Krankenhaus und Polizeistation hätten dies unterstrichen. Heute sei die Stadt wichtig für Nahversorgung, medizinische Versorgung und Kultur.

Als „Patenstadt“ war Mühldorf bereits vor 70 Jahren beteiligt. Bürgermeister Michael Hetzl (UM) freute sich, auch beim Jubiläum sprechen zu dürfen. Damals habe Mühldorf zur Stadterhebung Ruhebänke und Abfalleimer geschenkt. Beide Städte verbinde ihre Geschichte. Unterschiede gebe es allerdings beim Alter: Mühldorf wurde bereits 1269 erstmals als Stadt erwähnt, Neumarkt einige Jahrzehnte später – erhielt aber schon 1366 das Marktrecht.

Parallelen sah Hetzl in der Bevölkerungsentwicklung und bei der Stadtplatzsanierung: „Über Geschmack lässt sich immer streiten. Aber der Stadtplatz ist sehr gelungen und passt zu einer modernen, historisch geprägten Stadt.“ Er hoffe, dass die Verbundenheit beider Städte bestehen bleibe.

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer (CSU) sprach von zwei Höhepunkten zum Ende von Baumgartners Amtszeit. Die Sanierung sei nicht immer konfliktfrei gewesen, doch solche Projekte brächten oft erst im Nachhinein breite Zustimmung. Er dankte dem Stadtrat für mutige Entscheidungen: „Das Ergebnis kann sich sehen lassen.“

Mayer betonte zudem die Bedeutung öffentlicher Fördermittel. Bund und Länder investierten jährlich Hunderte Millionen Euro in die Städtebauförderung. Jeder eingesetzte Euro löse ein Vielfaches an privaten Investitionen aus – eine starke Hebelwirkung.

Geschichtsunterricht im Herzoglichen Kasten

Wie es zur Stadterhebung kam, das durften anschließend viele Gäste im Herzoglichen Kasten erfahren. Der Geschichtskoordinator des Landkreises Mühldorf, Daniel Baumgartner, und Filmwissenschaftlerin Selina Ehm haben das Rad der Geschichte zurückgedreht. Sie haben einiges Wissenswertes zur Stadterhebung und der Geschichte des Neumarkter Kinos ans Tageslicht gefördert, das sie in einem Vortrag gerne mit der Öffentlichkeit teilten.

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