Der eine CSUler, der andere UWGler

von Redaktion

Jahrzehntelang haben die Brüder Egbert (CSU) und Dr. Klaus Windhager (UWG) die Politik in Neumarkt-St. Veit mitgeprägt. Obwohl sie nicht immer einer Meinung waren, beenden die beiden Kommunalpolitiker nun gemeinsam ihre langjährige Arbeit im Stadtrat.

Neumarkt-St. Veit – Ob CSU oder UWG – auf welcher Liste auch immer der Name Windhager stand, stets konnte man sich sicher sein, dass da ein potenzieller Stimmenkönig Platz genommen hatte. Tatsächlich waren Egbert Windhager (72) für die CSU und Dr. Klaus Windhager (76) für die UWG die Stadtratskandidaten, die seit 1984 mit die meisten Stimmen bei Kommunalwahlen für sich verbucht hatten. Doch in den Stadtrat durfte in den Anfangsjahren stets jeweils nur einer der beiden. Der Grund: Bis 2007 durften in Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnern Ehegatten, Eltern und Kinder sowie Geschwister nicht gleichzeitig dem Gemeinderat angehören. Diese Vorschrift wurde erst vor den Kommunalwahlen 2008 gestrichen.

Der Zahnarzt war
zuerst im Stadtrat

In den kommunalpolitischen Anfangsjahren von Dr. Klaus Windhager hatte das noch keine Rolle gespielt. Der Neumarkter Zahnarzt hatte 1984 zum ersten Mal für den Stadtrat kandidiert und gehörte dem Gremium zwei Legislaturperioden lang, bis 1996, an. Dann kandidierte plötzlich auch sein Bruder Egbert. 1996 ließ sich der Bäckermeister als Kandidat für die CSU aufstellen und fuhr auf Anhieb sogar ein besseres Ergebnis als sein Bruder Klaus ein.

Die Folge: Klaus musste draußen bleiben, stattdessen durfte Bruder Egbert im Stadtrat diskutieren und abstimmen.

2002 drehte sich der Wind dann wieder. Klaus hatte mehr Stimmen als Egbert und durfte an seiner Stelle in den Stadtrat. Erst 2008 wurde der tatsächliche Wählerwille respektiert, als die Geschwisterregelung gekippt wurde: Jetzt durften beide ran. „Wobei eines noch erwähnt werden muss: Im Kreistag waren wir Windhagers zeitweilig sogar zu dritt vertreten“, verrät Egbert. Von 1990 bis 1996 war nämlich auch noch der Bruder Hans kommunalpolitisch aktiv. „Und der war bei den Grünen!“, ergänzt Klaus.

Wie die beiden Stadtratsmitglieder überhaupt zur Politik gekommen sind? „Mich hat der Ottmar Döring zur CSU gebracht. Das ist jetzt 50 Jahre her“, sagt Egbert, der viele Jahre davon selbst Ortsvorsitzender war. Ortsvorsitzender – das war auch sein Bruder Klaus, und zwar bei der UWG. Warum sich der 76-Jährige nicht auch der CSU angeschlossen hat? „Ich wollte immer sachpolitisch arbeiten und parteilos.“

Inspiriert habe ihn der ehemalige und inzwischen leider verstorbene Stadtratskollege Emil Steinbach. „Ein schräger Vogel, das meine ich aber ausschließlich im positiven Sinne, der wahnsinnig viel für Neumarkt-St. Veit getan hat“.

Noch heute zollt Dr. Klaus Windhager Steinbach großen Respekt bezüglich seiner Verdienste. Im gleichen Zug sagt der Zahnarzt aber, dass er mit den Freien Wählern im Landtag keine allzu großen Berührungspunkte habe. „Aiwanger – das ist mir zu viel Parteipolitik.“

Trotz verschiedener politischer Couleur: So richtig in die Haare gekriegt haben sich die Windhager-Brüder in all ihren Jahrzehnten im Stadtrat nicht. Meinungsverschiedenheiten ja, „aber im privaten Umfeld war Politik eigentlich tabu“, sagt Klaus.

Nachtragend bei der Wahl des Sportreferenten

Kurzes Schweigen, dann bricht es plötzlich aus Egbert heraus: „Als es vor 18 Jahren um die Vergabe des Postens des Sportreferenten ging, hast du gegen mich gestimmt. Das hat mir g‘scheit gestunken. Die Carmen Ziegler ist es dann geworden.“ Und Klaus Windhager kontert: „Die 100 Tage Schonfrist, die ihr von der CSU nach der Wahl von Erwin Baumgartner als Bürgermeister gegeben habt, das war auch nicht die feine Art.“

Das war es dann auch schon mit dem Disput. Denn beide sind sich einig: In all den Jahren, in denen sie mitwirken durften, sei einiges bewegt worden in Neumarkt-St. Veit. Klaus war mit dabei, als wegweisende Entscheidungen zum Umbau des Herzoglichen Kastens unmittelbar nach seiner Wahl, zum Kauf des Bahnhofes und zum Umbau des Rathauses im Schloss Adlstein getroffen wurden. „Umgehungsstraße, Unterführung, Hörberinger Spange – unter Erwin Baumgartner ist einiges passiert“, blickt Klaus auch auf die vergangenen 24 Jahre zufrieden zurück. Nach der Wahl 2008, als Egbert mit dazu kam, sei auch die Umgehungsstraße gebaut worden. Viel Geld wurde in die Breitbandversorgung und in den Bau von Kanal und Wasserversorgung gesteckt. „Das Wichtigste dabei: Wegweisenden Entscheidungen lagen immer einstimmige Beschlüsse zugrunde!“, betont Egbert, der seit 2020 sogar Zweiter Bürgermeister von Neumarkt-St. Veit sein durfte. „Das war mir eine riesengroße Ehre.“

Beide haben die Diskussionen um die Stadtplatzsanierung miterlebt, ob nun mehr Bäume oder weniger auf den Stadtplatz sollten. Heute sagen beide übereinstimmend, dass ihnen mehr Bäume lieber wären. „Aber das kann man jetzt auch nicht mehr ändern“, so Egbert, der auch bedauert, dass für die sogenannte „Alte Schmiede“ immer noch keine Nutzung gefunden wurde.

Selbst der Papst würde
bei einer Sache scheitern

Ein Radweg nach Hörbering? „Vielleicht schafft es der neue Bürgermeister ja, diesen Traum zu verwirklichen“, hofft Klaus. Doch er bleibt skeptisch, nachdem schon vor Jahren einer der Grundstückseigentümer dies kategorisch mit den Worten ausgeschlossen hatte: „Selbst wenn der Papst höchstpersönlich verhandeln würde.“ Wenn die beiden nun in die Zukunft blicken, ohne politische Ämter, dann tun sie das mit Genugtuung. Vor allem, wenn sie sehen, dass die Kräfteverhältnisse zwischen UWG (acht Sitze) und CSU (neun Sitze) einigermaßen ausgewogen sind. Doch noch mehr freut es beide, dass mehr Frauen-Power Einzug ins Stadtratsgremium gehalten hat. Die Hälfte der Sitze im Schloss Adlstein ging an die Damen.

Enkel, Latein, Jagen
und Taxifahren

Und wie sieht das Leben nach der Politik aus? Ganz oben stehen natürlich die Enkelkinder. Bei Egbert sind es drei, bei Klaus fünf. „Da spiele ich gerne den Taxifahrer oder lerne mit ihnen Italienisch oder Latein.“ Einmal in der Woche praktiziert Klaus immer noch als Zahnarzt, Egbert hilft seinem Sohn Markus in der Backstube. „Aber um 3 Uhr früh steh‘ ich schon lange nicht mehr auf“, ergänzt er. Da geht der Egbert lieber auf die Jagd.

Was beide immer schon verbunden hat: das Radfahren. Viele Jahre unternahmen sie gemeinsam Radfernfahrten mit „Frisch auf“.

Das Drehen am politischen Rad überlassen sie nun aber anderen. Und da sagen beide übereinstimmend: „Da haben wir ein gutes Gefühl.“

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