Waldkraiburg – Nach drei Jahrzehnten im Waldkraiburger Stadtrat endete für Anton Kindermann ein prägender Abschnitt. Am 30. April nahm der langjährige Kommunalpolitiker Abschied von einem Amt, das er über Generationen hinweg mitgestaltet hat – und das ihm zur Herzensaufgabe geworden ist.
1996 ließ sich Anton Kindermann zum ersten Mal als Stadtrat aufstellen und schaffte es trotz eines hinteren Listenplatzes auf Anhieb in das Gremium. „Zwei Perioden konnte ich mir vorstellen. Dass es dann 30 Jahre geworden sind, war für mich damals nicht vorstellbar. Mir hat die Arbeit immer Spaß gemacht.“ Länger im Amt waren nur sein Fraktionskollege Anton Sterr und Gustl Schenk (UWG, beide 48 Jahre).
Mit knapp 74 Jahren ist für Kindermann jetzt Schluss. „Vielleicht hätte ich schon früher kandidiert, aber mein Vater gehörte dem Stadtrat an. Als Vater und Sohn – das wollte ich nicht.“ Nach der Kommunalwahl 2020 trat Anton Kindermann in die Fußstapfen seines Vaters: Er wurde zum Zweiten Bürgermeister gewählt. Sein Vater war von 1978 bis 1996 Stellvertreter der Bürgermeister Josef Kriegisch und Jochen Fischer.
Sechs Jahre lang
Zweiter Bürgermeister
Als Zweiter Bürgermeister war Kindermann zunächst durch die Corona-Pandemie weniger gefordert, zuletzt aber umso stärker. „Voriges Jahr war ich allein bei 120 Geburtstagsbesuchen“, hat er zusammengerechnet. In den vergangenen Wochen kamen zusätzliche Aufgaben hinzu: Er übernahm die Amtsgeschäfte des scheidenden Bürgermeisters Robert Pötzsch. Eine seiner letzten Aufgaben wird es sein, in der letzten Sitzung des aktuellen Stadtrats Pötzsch zu verabschieden.
Am 30. April endete für Kindermann selbst das Kapitel Stadtrat – nach 30 Jahren, in denen er an kleineren und größeren Entscheidungen beteiligt war und wichtige Weichen gestellt hat. „Die Geothermie und die Stromübernahme waren Entscheidungen, bei denen ich maßgeblich an der Zukunft der Stadt mitgewirkt habe“, sagt er. Einrichtungen wie das Waldbad oder die Eishalle wären sonst möglicherweise nicht finanzierbar gewesen.
Mit gemischten Gefühlen blickt er hingegen auf den Bau des großen Saals im Haus der Kultur zurück. „Eine solche Versammlungsstätte gab es damals nicht, und das Kulturleben hat damit richtig an Fahrt aufgenommen.
Doch langfristig war die Entscheidung vielleicht nicht durchdacht.“ Der Unterhalt koste viel Geld, Vereine und Schulen der Stadt könnten sich die hohen Saalmieten teilweise nicht leisten. Daher sei es umso wichtiger, das Kulturleben wieder stärker zu beleben und mehr Veranstaltungen ins Haus zu holen. Die Kultur ist aber nicht Waldkraiburgs einzige Herausforderung. „Die Stadt muss den Rotstift ansetzen. Dabei ist es wichtig, die Bevölkerung mitzunehmen und ein Verständnis für die Entscheidungen zu schaffen.“ Die Liszt-Mittelschule habe oberste Priorität, hinzu kämen kleinere Schulerweiterungen wie an der Graslitzer-Schule. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Einerseits werde in seinem Kalender künftig wieder mehr Platz sein. „Ich habe mich im Stadtrat, aber auch in der katholischen Kirche eingebracht. Jetzt ist es an der Zeit, sich aus den öffentlichen Ämtern zurückzuziehen.“ In der Kirche wolle er aber weiterhin aushelfen, wenn Unterstützung gebraucht werde.
Das weinende Auge bleibe, weil er die Entwicklung der Stadt gerne noch aktiv mitgestaltet hätte. „Jetzt bin ich noch mitten drin und gut informiert. Künftig werde ich vieles nur noch aus der Zeitung erfahren.“ Bereits vor einiger Zeit hat er sich bewusst für seinen Rückzug aus dem Stadtrat entschieden – zu einer Zeit, in der die aktuellen Probleme in diesem Ausmaß nicht absehbar waren. „Ich hatte gehofft, dass manches noch erledigt werden kann.“
Irgendwann muss man den
Jüngeren Platz machen
An seiner Entscheidung hat das aber nichts mehr geändert. „Irgendwann ist es an der Zeit, den Jüngeren Platz zu machen und ihnen nicht den politischen Weg zu verbauen.“
Für den neuen Stadtrat bleiben viele Aufgaben. „Die Herausforderungen sind schwierig genug, der neue Stadtrat muss sich schnell finden und kluge Entscheidungen treffen.“