Ein seltener Gast im Stadtrat

von Redaktion

Der ehemalige CSU-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Nadvornik in sechs Jahren nur sechsmal anwesend

Waldkraiburg – Nach dem Verlust des Chefsessels im Waldkraiburger Rathaus galt Wolfgang Nadvornik als Hoffnungsträger der CSU für die Kommunalwahl 2020. Die Partei wünschte sich einen „Wadlbeißer“, der die Stadt wieder voranbringt.

Doch Anspruch und Realität klafften im Stadtrat deutlich auseinander: Als Bürgermeister-Kandidat war Nadvornik zwar klar gescheitert, sein Mandat für den Stadtrat nahm er jedoch an. In den folgenden Jahren blieb sein Sitz aber überwiegend leer – in sechs Jahren war er nur sechsmal bei Sitzungen anwesend. Zuletzt erschien er im Juli 2022.

Bereits die konstituierende Sitzung im Mai 2020 hatte er verpasst, weshalb er erst einen Monat später als Stadtrat vereidigt wurde. Es blieb die einzige Sitzung, an der er 2020 teilnahm. Auch in den Ausschüssen, in denen er Sitz und Stimme hatte, war er nicht präsent.

Die geringe Präsenz blieb nicht ohne Reaktion: In den Stadtratsfraktionen, aber auch in der Öffentlichkeit wurde sein Verhalten zunehmend kritisch gesehen. Der damalige CSU-Fraktionsvorsitzende Anton Sterr äußerte sich enttäuscht und sprach von einem Verhalten, das nicht den Erwartungen an ein Stadtratsmandat entspreche. Im Dezember 2020 verhängte der Stadtrat ein Ordnungsgeld. Bis dahin hatte Nadvornik bei neun Sitzungen gefehlt, davon dreimal unentschuldigt.

Die Kritik wies Wolfgang Nadvornik damals zurück. Seine berufliche Tätigkeit als Sportmoderator und Tennistrainer lasse ihm nur begrenzt Zeit für kommunalpolitische Aufgaben. Er sei zeitlich stark eingebunden und häufig unterwegs. Zudem sprach er von „Erbsenzählerei“ in der öffentlichen Debatte und betonte, sein Mandat weiterhin ernst zu nehmen.

Rücktrittsforderungen kam er nicht nach, und nach der Gemeindeordnung kann ein Mandat auch nicht ohne Weiteres entzogen werden. UWG-Fraktionsvorsitzender Frieder Vielsack hatte damals die grundsätzliche Frage aufgeworfen: „Gesetzt den Fall, ein Stadtrat entschuldigt sich sechs Jahre lang. Geht das?“ Bürgermeister Robert Pötzsch antwortete darauf: Theoretisch ja.

Genau das trat in der Folge ein: Nadvornik blieb während der gesamten Legislaturperiode Stadtrat. An den ersten drei Sitzungen im Jahr 2021 nahm er teil, fehlte dann aber wieder bis zur Sitzung im Dezember 2021. Ein letztes Mal erschien er im Juli 2022, als unter anderem über den Abriss des Waldbads diskutiert wurde. Seitdem fehlte er bei jeder weiteren Sitzung, war aber immer entschuldigt. Für die Tätigkeit als ehrenamtlicher Stadtrat gibt es eine monatliche Entschädigung in Höhe von 150 Euro. Auch Wolfgang Nadvornik hat nach Angaben der Stadt Waldkraiburg diese Pauschale bekommen – seit Beginn der Legislaturperiode sind das 10.800 Euro.

Die Stadt weist auf Nachfrage darauf hin, dass die Aufwandsentschädigung bezahlt wird – unabhängig davon, wie viel ein Stadtrat leistet. „Es wird aktuell rechtlich geprüft, damit so etwas künftig nicht mehr möglich sein wird“, erklärt die Stadt. Dazu laufen die Abstimmungen mit den Fraktionen. Die OVB-Heimatzeitungen und innsalzach24.de versuchten, Wolfgang Nadvornik telefonisch und per E-Mail für eine Stellungnahme zu erreichen. Bis Redaktionsschluss blieb eine Antwort allerdings aus. Raphaela Lohmann

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