Waldkraiburg – Es begann recht turbulent auf der Bühne im Haus des Buches: In einem Streit um „seine Kiste“, einen einfachen Pappkarton, muss Herr Brosius, der Ministerialbeauftragte für Einsamkeit, schlichtend in den Personen-Wirrwarr eingreifen: Er klebt einfach jedem „sein“ Erkennungsschild auf. So wird aus Frau Valerie Berger die „Graue Maus“ und Saskia Müller wird als „Recycling-Frau“ gekennzeichnet.
Sie steht auch plötzlich im Mittelpunkt der Truppe, jammert über ihren langweiligen Ehemann, den sie mit einer ausgefüllten Mängelliste wie ein Warenpaket zurückgeben will. Skurril geht es weiter, denn als sie sich für zwei Wochen „Herzensbrecher“ Richie Rich angelt, beginnt ihr Mann Heiner, der angebliche „Langweiler“, ein flottes Tänzchen mit Frau Räter, der „Madam“. Das Wechselspiel endet vorläufig, als ihr „Alter“ Gitarre spielend von seiner „Recycling-Frau“ zurückgeholt wird.
Schon bei dieser ersten Episode amüsierte sich so mancher im Publikum über den oft hintersinnigen Humor und die Ausdruckskraft im Spiel der Darsteller, was sich auch in den nächsten Begegnungen fortsetzte. Als Theresa Schulze, die „Spiegelfrau“ mit dem defekten Zaubergerät ihrer Mutter jemanden sucht, der es reparieren könnte und auch in einer aufdringlichen Ente keinen Helfer findet, fühlt sich die harmoniesüchtige Frau regelrecht ausgeliefert: „Wir sind alle schräge Vögel, die einen Ort zum Zurückziehen brauchen. Der Job bringt oft Wut – ich muss mir einfach die Kollegen als dumme Enten vorstellen.“ Nicht viel anders scheint es Jasmina, der „Fremden“ zu gehen. Ihre Hauptsorge gilt ihren Kindern, für die sie sich mehr Teilhabe wünscht. Und dies gelingt auch: Mit weißen Flügeln scheint sie davon zu schweben und animiert so alle anderen, in ihr Lied einzustimmen: „Gehn ma näher aus uns raus, sehn ma genauer, wer mia san!“
„Ich habe mein Verhalten, meine Empfindungen bereits in zwei Szenen recht anschaulich wiedererkannt, sicher auch wegen der großartigen Umsetzung durch die hervorragende Schauspielertruppe vom Theater Zwischenton“, meinte eine Besucherin in der Pause.
So erging es sicher auch einigen anderen in den folgenden Bildern. Denn da klagt die „Unsichtbare“ Valentina Schuck, auf einem Karton stehend, dass ihr Mann sie inzwischen total ignoriere: „Ich hatte doch vor meinem Hausfrauendasein als Radiosprecherin einen angesehenen Job – und jetzt will ich nur mehr ein bisschen beachtet werden.“ Dem konnte die „Graue Maus“ Valerie Berger nur zustimmen: „30 Ehejahre habe ich hinter mir, zwei Söhne großgezogen. Ich will raus aus dieser Beziehungskiste, weil ich inzwischen sogar von den Nachbarn ignoriert werde. Und das, obwohl ich erfuhr, dass mein doch so angesehener Mann von seinem Chef dauernd abgekanzelt wird.“
Das Blatt wendet sich schließlich noch einmal sehr deutlich, als der angeblich starke Peter, der „Verborgene“, seine Homosexualität zugibt, indem er im Frauenkleid, mit wallendem Haar und High Heels auftritt. Einen Schlusspunkt setzt schließlich die „Tollpatschige“, die alles bis ins Detail vorbereitet haben muss und doch immer wieder etwas übersieht.
So versucht jeder, seine Vorteile zu zeigen, wozu das Lied vom Gesicht, das man verliert, als Konsequenz hervorragend passte: „Ene, mene, miste, komm aus deiner Kiste, ist doch nur Karton, Isolation mit Vollpension. Fallen und aufstehn, jedesmal neu. So wie du bist, ganz ohne Scheu!“ fis