Kitzrettung vor der Mahd

von Redaktion

Die Grasernte im Landkreis Mühldorf ist in vollem Gange. Bei einem Treffen im Landratsamt haben sich Jäger und Landwirte über neue Techniken und rechtliche Änderungen bei der Kitzrettung ausgetauscht.

Mühldorf – Im Landkreis Mühldorf hat die Mäh-Saison begonnen. Deshalb kamen im Landratsamt jetzt Vertreter von Mühldorfer Jägern und der Hegegemeinschaft sowie vom Bauernverband mit Landrat Max Heimerl zusammen, um Wichtiges zu besprechen. Das Bayerische Jagdgesetz hat sich geändert und es gibt technische Neuerungen für die Kitzrettung.

Hunde an die
Leine nehmen

Aktuell blühen nicht nur Wälder und Wiesen, auch die Tierwelt bekommt gerade ihren Nachwuchs. Brut- und Setzzeit im ganzen Land, egal ob Hase, Wildschwein oder Reh, Kiebitz oder Fasan. Die Kulturlandschaft wird zur Kinderstube und die Menschen sind gehalten, achtsam und mit Respekt damit umzugehen. Insbesondere von den Hundehaltern wünscht sich Sascha Schnürer, Kreisvorsitzender der Mühldorfer Jäger, dass sie derzeit ihre Tiere bei Spaziergängen an der Leine lassen.

Landrat Max Heimerl lobte die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern bei der Wildtierrettung und bei der Jagd: „Das war nicht immer so und ist heute wirklich ein Aushängeschild für die Region. Seit Jahren wird hier gut zusammengearbeitet. Was unter anderem mit zahlreichen Projekten – wie im Mühldorfer Netz die Anschaffung der Wildtierscheuchen, im Landschaftspflegeverband rund um den Kiebitz oder die Zwischenfrucht-Aktion mit der Zeidler-Stiftung – vorangebracht wurde, ist aller Ehren wert.“

Tatsächlich habe gerade die Kitzrettung eine lange Tradition in Mühldorf, so Schnürer: „Was vor 40 oder 50 Jahren mit Menschenketten und Müllsäcken auf Stecken bewirkt wurde, leisten heute Drohnen und elektronische Wildscheuchen.“ Dies sei die Antwort auf Maschinen mit höherer Flächenleistung und deutlich engere Zeitfenster für Ernte und Kitzsuche. „Zumeist ist der geschickte Einsatz mehrerer Maßnahmen der Schlüssel für den Erfolg. Deshalb brauchen wir auch eine enge Vernetzung zwischen Landwirt und Jäger, damit die Maßnahmen gut geplant und koordiniert werden können“, ergänzte Niederschweiberer.

Drohnen mit modernster
KI ausgestattet

Drohnen seien sehr effektive Hilfsmittel. „In den neuesten Modellen wird modernste künstliche Intelligenz eingesetzt, die die Bilder auswertet und den Unterschied zwischen Maulwurfshügel und Hase oder Kitz aus über 40 oder 50 Meter Entfernung erkennt“, berichtete Schnürer von der jüngsten Jagdmesse. Elektronische Scheuchen bleiben für ihn aber die wichtigste Maßnahme: „Jedes Kitz, das sich durch die elektronischen Scheuchen vertreiben lässt, muss nicht händisch gefangen und herausgetragen werden. Das ist die natürlichste und aufwandsärmste Art, wie man eine Wiese kitzfrei bekommt, um tierschutzgerecht zu ernten.“

Manche Jäger und Kitzretter berichteten jedoch, dass direkt neben den Scheuchen noch Kitze aufgefunden wurden. Dies sei angeblich ein Zeichen dafür, dass die Maßnahme nicht funktioniere. Schnürer ist allerdings der Meinung, dass es genau andersherum sei. Die Ursache sei mangelnde Erfahrung: „Das zeigt, dass eben falsch aufgesteckt wurde. Wird die Scheuche zu nah am Waldrand gesteckt, wird das Muttertier daran gehindert, überhaupt auszutreten und das Kitz zu holen.“

Er ist sich sicher: „Weniger Scheuchen, weit weg vom Waldrand und ergänzt mit Geruchsvergrämung, etwa durch einen Wunderbaum, dazu Kontrollflüge mit der Drohne und der Piepser am Traktor.“ Es benötige mehrere Maßnahmen in Kombination: „Dann hat man Flächenleistung und ein optimales Ergebnis – auch wenn wir es final nie ausschließen können, dass nicht doch mal etwas übersehen wird.“

Niederschweiberer betonte, dass kein Landwirt gerne einem Tier Schaden zufüge, und erinnerte daran, welch hoher emotionaler und psychischer Druck auf den Landwirten laste: „Einerseits brauchen wir in engen Fenstern hochwertiges Futter, andererseits musst du über Stunden hinweg hoch konzentriert arbeiten und aufpassen, dass nichts passiert.“ Die Landwirte seien allen Jägern, aber auch den vielen Ehrenamtlichen, die sich in Kitzrettervereinen engagieren, sehr dankbar: „Nur gemeinsam geht’s!“

Mehr Rechtssicherheit
bei der Kitzsuche

Der Landtagsabgeordnete Schnürer berichtete aus dem Landtag, dass die Kitzsuche gesetzlich neu geregelt wurde. Die Suche nach Kitzen durch Ehrenamtliche oder den Landwirt, das Einfangen oder die Nottötung eines schwer verletzten Kitzes durch den fachkundigen Landwirt sei demnach keine Wilderei. Diese Maßnahmen dürfen ohne Beteiligung des Jägers nur durchgeführt werden, wenn er nicht erreicht oder ermittelt werden konnte. Der Jäger ist aber im Nachgang zu informieren. Diese Klarstellung gibt vielerorts mehr Rechtssicherheit und ist am 1. April in Kraft getreten.

„Bitte seid euch eurer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung bewusst“, appellierte Landrat Heimerl in diesem Zusammenhang an die Piloten der Suchdrohnen. „Wir haben derzeit eine andere Wahrnehmung der Sicherheit. Drohnen werden anderswo auch zur Spionage oder sogar als Kampfmittel eingesetzt. Stimmt euch bitte bei etwaigen kritischen Flächen, zum Beispiel neben Industriebetrieben, im Vorfeld gut ab, damit wir hier einen reibungslosen Ablauf gewährleisten können.“

Bürgersprechstunde
zur Kitzrettung

Am heutigen Montag um 20 Uhr veranstaltet Sascha Schnürer beim Kreuzerwirt in Mettenheim zum Thema Jagdrechtsnovellierung und Kitzrettung eine offene Bürgersprechstunde. Gelegenheit für Landwirte, Jäger, ehrenamtliche Kitzretter und Betroffene von kritischen Infrastrukturen, sich auszutauschen.re

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