Mühldorf – Die Rede ist von wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen sich einige Altmühldorfer beim „Tauschhuber“ (heute Jettenbacher Hof) anno dazumal versammelt hatten, um die Schützengesellschaft „Frohsinn“ zu gründen. 1921 war das, wie der heutige Schützenmeister der SG, Andreas Frauendienst, ergänzt: 105 Jahre ist das also her. Das ist zwar keine übliche Zahl für ein Jubiläum, doch der Altmühldorfer Verein feiert trotzdem. Der Grund: „2021 war das nicht möglich wegen Corona!“, begründet Frauendienst.
Man wollte die
Menschen aufheitern
Der Name „Frohsinn“ sei in den 1920er-Jahren deshalb gewählt worden, um die Menschen aufzuheitern, erklärt Frauendienst. „Die Prinzipien haben sich bis heute nicht geändert. Neben dem Schießsport wird auch heute noch die Geselligkeit hochgehalten!“
Schon in den Anfangsjahren hatte die Vereinigung einen steilen Aufschwung erlebt. „So wurde als Anerkennung schon 1929 die SG Frohsinn mit der Durchführung des Gauschießens beauftragt“, weiß Frauendienst nach einem Blick in die Chronik. Für die Schützen sei dies eine große Ehre gewesen. Die Kriegswirren setzten den Bemühungen vorerst ein Ende, am 2. September 1951 wurde der Verein wiedergegründet.
Um ihrem Sport nachzugehen, war einiges an Einfallsreichtum nötig. Denn bis 1967 wurde quer durch die Gaststätte beim „Tauschhuber“ geschossen. Dazu seien extra Schnüre gespannt worden, um die Zielscheiben zu platzieren.
Erst 1967 wurde der Schießstand im Kellergewölbe des Wirtshauses errichtet, der bis heute in Betrieb ist. Frauendienst verhehlt nicht: „Der muss dringend erneuert werden!“ Gespräche, wie eine zukünftige Schießstätte aussehen könnte, unter anderem auch mit der Stadt Mühldorf, würden bereits laufen. Ein gemeinsames Haus der Altmühldorfer Vereine sei eine der Ideen, die im Raum stehen. „Aber da ist noch nichts spruchreif“, ergänzt Frauendienst. Der Bedarf sei zweifelsohne da, so der Schützenmeister. Er ist sehr stolz darauf, dass sich aktuell 19 Jugendliche regelmäßig treffen, um sich nicht nur am Schießstand zu verbessern, sondern auch das Vereinsleben mit Leben zu erfüllen. Dass dafür von Anbeginn der Gründung der Schützengesellschaft das Gasthaus „Jettenbacher Hof“ zur Verfügung steht, nötigt Frauendienst großen Dank ab. „Vor allem bei den Wirtsleuten Maria und Schorsch, die uns immer wohlgesonnen sind und uns unterstützen, wo immer es geht!“
Ziel des Vereins, das ist Frauendienst besonders wichtig, ist unter anderem, das Dorfleben in der ehemals selbstständigen Gemeinde Altmühldorf aufrechtzuerhalten. Das tun die Schützen im regelmäßigen Turnus, wenn sie den Ball der Altmühldorfer Vereine mit ausrichten. Die Geselligkeit kommt nicht zu kurz, wenn die Schützen in ihre Vereinskleidung schlüpfen, Schützenfeste, Volksfest und auch Fahnenweihen besuchen. Die eigene Fahnenweihe liegt schon einige Jahre zurück. 1996 war das, als die „Frohsinn-Schützen“ anlässlich des 75-jährigen Bestehens die 1958 angeschaffte Vereinsfahne nach ihrer Restaurierung neu geweiht haben.
Ja, und die Frohsinn-Schützen küren auch regelmäßig Könige: die besten Schützen, die diesen einen Schuss mitten ins Schwarze platzieren. Immer zum Saisonende ist das der Fall, wenn die Schützenkönige dann auch bei der End- und Königsfeier die prächtige Schützenkette überreicht bekommen.
Tatsächlich lässt sich der erste Taler darauf bis in die 1920er-Jahre zurückverfolgen. Auf einer Bildgalerie im Nebenzimmer des „Tauschhubers“ sind sämtliche Könige verewigt, vom Schwarz-Weiß-Bild bis hinein in die Neuzeit. Manche sind dabei öfter abgebildet. Wie Thomas Bumberger, der auch in diesem Jahr wieder den Königsschuss bei den aktiven Schützen gesetzt hat. Bei der Jugend gelang dies heuer Korbinian Frauendienst. Viele Schützenmeister haben die SG geprägt. In der jüngeren Vergangenheit waren dies unter anderem Erich Deggendorfer, Herbert Uhl und Josef Enzinger senior. Seit 2002 steht Andreas Frauendienst an der Spitze des Vereins, der damit im nächsten Jahr sein silbernes Vorstandsjubiläum feiern dürfte.
Unter seiner Leitung hat der Festausschuss in den vergangenen Wochen und Monaten viel Zeit und Engagement in die Planung gesteckt. Mit großem Einsatz arbeiten die Mitglieder daran, ein abwechslungsreiches und würdiges Fest auf die Beine zu stellen. Die Feierlichkeiten finden am Samstag, 2. Mai, in Altmühldorf statt und beginnen um 15.30 Uhr mit der Aufstellung zum Kirchenzug an der Turnhalle der Grundschule Altmühldorf.
Gefeiert wird in der
Altmühldorfer Turnhalle
Um 16 Uhr folgt der Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Laurentius mit der Segnung des Erinnerungsbandes. Im Anschluss zieht der Festzug zurück zur Turnhalle, wo die Gäste ein gemütliches Beisammensein mit Speis und Trank und musikalischer Unterhaltung erwartet. Auch eine Tombola mit vielen schönen Preisen – darunter ein wertvolles Ruhebankerl – ist geplant. Neben den Altmühldorfer Vereinen und Gruppierungen sind auch alle Bürger und Freunde des Vereins eingeladen, um dieses besondere Jubiläum gemeinsam zu feiern.