Abschied aus dem Rathaus

von Redaktion

Bürgermeister Michael Hetzl gibt seinen Rathausschlüssel zurück

Mühldorf – Am heutigen Donnerstag ist für Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl sein letzter Arbeitstag. Mit dem Ende der abendlichen Stadtratssitzung endet nach sechs Jahren seine Amtszeit, wird er wieder ein Privatmann. Zeit für ein letztes Interview: Wie hat sich Mühldorf verändert? Wie hat er sich verändert? Was hat er vor und was gibt er seiner Nachfolgerin mit auf den Weg?

Herr Hetzl, wie geht

es Ihnen jetzt?

Nach etwas Urlaub und mit einem gewissen Abstand freue ich mich auf mein neues Leben. Es ist, wie es ist. Ich freue mich auch, dass ich wieder ein Privatleben habe. Vor ein paar Wochen war ich erstmals seit Monaten an einem Samstag wieder beim Einkaufen im Supermarkt. Die Zeit dafür zu haben und nicht sieben Tage die Woche verplant zu sein, darauf freue ich mich.

Was machen Sie

jetzt beruflich?

Das weiß ich noch nicht, auch weil hier im Rathaus noch zu viel los war. Ich wollte das Amt mit Anstand und Würde zu Ende bringen und habe deswegen auch so viele Termine wie möglich wahrgenommen. Ich werde mich erst ab nächster Woche damit beschäftigen, wie und mit was es weitergeht. Ich habe Angebote, in der Politik zu bleiben oder in die Wirtschaft zu gehen.

Werden Sie Ihre Stadtrats- und Kreistagsmandate wahrnehmen?

Ich nehme alle Mandate an. Ich habe von den Bürgern ein großes Vertrauen bekommen und habe ja immer noch eins der besten Ergebnisse von allen Kandidaten. Im Kreistag darf ich mich neuer Fraktionssprecher der UWG-Fraktion nennen. In Mühldorf wird meine Position im Stadtrat etwas zurückgenommen sein.

Wann wurde Ihnen so richtig bewusst: Ich bin

Bürgermeister?

Das ist ganz schwierig zu sagen. Mühldorf ist mein Heimatort, ich bin hier aufgewachsen. Es war für mich eine Ehre, den Schlüssel für das Rathaus zu haben und in den Fletz rein- und rausgehen zu dürfen. Ein Schlüsselerlebnis war sicher, nach zwei Jahren Corona mal wieder ein Volksfest eröffnen zu dürfen. Diese Freude der Menschen werde ich nie vergessen.

Gibt es etwas, worauf Sie besonders stolz sind?

Ich meine, dass ich viel bewegt und auch viel verändert habe. Was mir mit am meisten Freude gemacht hat, war die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Da haben wir wieder ein Arbeitsklima geschaffen, in dem sich alle Mitarbeiter entwickeln können. Besonders stolz bin ich darauf, die Städtepartnerschaft mit Salzburg unter Dach und Fach gebracht zu haben. Wir haben auch viele tolle Firmen nach Mühldorf geholt und die Erweiterungen bei ODU gemacht. Außerdem haben wir am Stadtplatz fast keinen Leerstand.

Ich freue mich als bleibendes Projekt meiner Amtszeit über die Mittelinsel am Stadtplatz mit Bäumen und Grün. Dabei sind wir einen anderen Weg gegangen als andere Städte. Insgesamt gibt es sehr viel, worauf ich stolz bin. Ich hätte gerne noch das eine oder andere mehr gebaut, vielleicht bin ich da auch zu ungeduldig und ambitioniert.

Gibt es auch

Enttäuschungen?

Enttäuschungen gehören leider dazu, weil Politik kein ehrliches Geschäft ist. Es gab zum Beispiel Abmachungen für das Sümö-Gelände, an die man sich dann nicht mehr gebunden fühlte. Wir könnten in manchen Punkten weiter sein. Aber es war nicht jeder bereit, die von mir eingeforderte Schnelligkeit auch mitzugehen.

Gibt es Erlebnisse, die Sie besonders berührt haben?

Es hat mich immer sehr gefreut, mit unseren Vereinen zusammenzuarbeiten. Es gab sehr viele tolle Begegnungen. Da sind auch Freundschaften entstanden und ich bleibe auch gewissen Vereinen erhalten. Ich werde ja jetzt nicht verschwinden, ich ziehe nicht weg aus Mühldorf. Mich freut, dass meine Frau das Rettungsboot für die Feuerwehr Mühldorf taufen durfte, das heute noch Conny heißt. Das war ein schöner Moment.

Wie hat sich Mühldorf in den sechs Jahren

verändert?

Grundsätzlich zum Positiven. Aber man merkt auch, dass die Corona-Zeit etwas mit den Leuten gemacht hat. Der Umgang miteinander ist allgemein rauer geworden, das merkt man auch in Mühldorf. Wegen dieser Grundunzufriedenheit sehen wir leider oft nicht, auf welchem Level wir in Mühldorf stehen.

Insgesamt haben wir uns sehr positiv entwickelt. Wir haben sehr viel vorangebracht und wichtige Weichen gestellt. Jetzt liegt‘s an jemand anderem, das in den kommenden Jahren entweder zu vollenden oder nicht. Die Großprojekte liegen jedenfalls auf dem Silbertablett da: vom bezahlbaren Wohnraum bis zum Hallenbad.

Wie verändert der

Zuzug Mühldorf?

Der verändert Mühldorf natürlich. Das traditionelle Mühldorf mit vielen Vereinen gibt es noch. Aber man merkt schon, dass die Vereine nicht mehr die Gesamtbevölkerung widerspiegeln, weil nicht mehr jeder neue Mühldorfer in einem Verein aktiv ist. Wie erreiche ich diese Menschen? Das ist eine Herausforderung und nicht ganz einfach.

Wie haben Sie

sich verändert?

Ich bin in dem Amt gereift und gewachsen. Also noch deutlich straighter, zackiger und schneller geworden, als ich es immer schon war. Das liegt an der Prägung durch die Aufgabe, weil im Rathaus so viele Entscheidungen gleichzeitig anstehen. Als Mühldorfer Bürgermeister führt man ja quasi ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitern und fast 100 Millionen Umsatz.

Was nehmen Sie

für sich mit?

Ich habe das Amt sehr gerne gemacht. Es war mir eine große Ehre. Der Erste Bürgermeister der eigenen Heimatstadt gewesen zu sein, ist etwas Besonderes. Ich nehme sehr viel Positives mit und habe zu den Abteilungsleitern gesagt: Ich bin als junger Bürgermeister gekommen und gehe als Freund. Wir haben ein sehr inniges Verhältnis entwickelt. Das macht es auch so schwer, gehen zu müssen. Es war aber auch immer klar: Das ist ein Job auf Zeit, den ich nicht ewig machen werde.

Haben Sie einen Ratschlag für Ihre Nachfolgerin?

Nein, es gehört sich auch nicht, solche Ratschläge zu erteilen. Wichtig ist, dass sich alle in der Familie darauf einstellen, dass sich am Ende des Tages alles um dieses Amt dreht. Man ist davon vereinnahmt. Da muss jeder seine Rolle finden, nicht nur die gewählte Person, sondern auch die Familie – und das ist nicht ganz einfach.

In Amerika gibt es die Tradition, dass der scheidende Präsident seinem Nachfolger einen Brief hinterlässt. Machen Sie das auch?

Das gab es bislang in Mühldorf nicht, aber vielleicht mache ich das tatsächlich. Ich hatte ja auch schon mehrere Gespräche mit Frau Hungerhuber und habe ihr auch angeboten, sie soll sich melden, wenn sie Fragen hat.

Wissen Sie schon, wie Ihr letzter Arbeitstag abläuft?

Das lasse ich auf mich zukommen. Vom Rathaus geht es um 17 Uhr in den Stadtrat. Nach der Sitzung bekommt unser Hauptamtsleiter Springer dann meine Schlüssel zum Rathaus zurück. Das war‘s dann für mich.Jörg Eschenfelder

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