Ein Wendehals im heimischen Garten

von Redaktion

Mühldorfer Hobbyornithologin entdeckt extrem scheuen Vogel in ihrem Garten – Noch nie einen Wendehals gesehen

Mühldorf – Es war nur ein zufälliger Blick aus dem Fenster in den Garten, und die Mühldorferin Petra Berger war wie elektrisiert. „Ich hatte den Gesang einer Mönchsgrasmücke gehört und wollte nachschauen“, berichtet sie. Aber statt den von ihr erwarteten kleinen Vogel mit der großen Stimme zu sehen, entdeckte sie ein vollkommen anderes Exemplar. „Im Apfelbaum saß ein Wendehals“, erzählt sie.

„Mich hat’s gerissen. Ich habe sofort erkannt, was das für ein Vogel ist. Ich hatte Gänsehaut!“ Berger ist Hobbyornithologin, also Vogelkundlerin, Mitglied beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) Mühldorf, und kennt sich in der Vogelwelt bestens aus. Sie schnappte sich flugs ihr Handy und schoss ein paar Fotos, um ihre Sichtung festzuhalten und zu beweisen. „Ein Wendehals ist ein sehr seltener und extrem scheuer Vogel“, weiß Berger. „Er kommt gerade aus seinem Winterquartier in Afrika zu uns nach Europa zurück, es ist Hauptdurchzugszeit.“ Dieser Vogel ist fast nicht zu entdecken, wenn er in einem Baum sitzt. Denn mit seinem braun gefleckten Gefieder „verwächst“ er optisch beinahe mit der Baumrinde.

Nicht aber an diesem Morgen in diesem Garten in Mühldorf-Süd. Denn hier hatte sich der Durchreisende einen Rastplatz zwischen den weiß-rosa Blüten eines Apfelbaums ausgesucht. Berger: „Ich dachte: Wow, das gibt’s nicht! In meinem ganzen Leben habe ich noch keinen Wendehals gesehen.“ Sie erzählt, dass der Wendehals zur Familie der Spechte gehört, unter ihnen der einzige Zugvogel, und mit seiner langen Zunge ein „Ameisenspezialist“ ist. Am liebsten haust er in Streuobstwiesen und buschreichem Gelände.

Laut NABU baut der Wendehals im Gegensatz zu anderen Spechten mit seinem kurzen Schnabel keine Höhlen in Bäumen. Er steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten Deutschlands, denn sein Lebensraum und mit ihm seine Hauptnahrung, die Ameisen, werden immer knapper.

Petra Berger weiß natürlich auch, wie der Wendehals zu seinem Namen gekommen ist: „Er kann seinen Kopf um mehr als 180 Grad drehen. Bei Gefahr fängt er an zu schlängeln, windet sich wie eine Schlange und zischt, um den Angreifer in die Flucht zu schlagen.“ Im Internet sind Videos von diesem eigentümlichen Verhalten zu finden. Diese Sichtung ist für die Vogelfreundin „was echt Besonderes“. Sie hat die Fotos in ihrem Messenger-Status gepostet und Reaktionen bekommen. „Andere Ornithologen haben mir schon gratuliert“, lacht die Mühldorferin.

Sie kann ihren Mitmenschen nur raten, auch aufmerksamer zu sein und nach Vögeln und anderen Tieren Ausschau zu halten. Für sie sind diese Beobachtungen in der Natur eine große Bereicherung ihres Alltags. Die Bezeichnung „Wendehals“ kennen viele wahrscheinlich noch aus der Zeit der Wiedervereinigung Deutschlands. So nennt man seither vor allem Politiker, die ihre politischen Ansichten schnell anpassen, je nach Lage und Stimmung im Land. Anderen ist sicher auch noch Gottlieb Wendehals als Name eines Sängers ein Begriff.

Unter diesem Pseudonym hatte Werner Böhm († 2020) seinen größten Erfolg mit der „Polonäse Blankenese“. Christa Latta

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