Neumarkt-St. Veit – Stehende Ovationen, lang anhaltender Applaus, bei dem ein oder anderen Stadtrat auch Tränen, die man sich aus dem Gesicht wischen musste. Und eine freundschaftliche Umarmung der beiden Bürgermeister. Nach 24 Jahren im Amt war es die letzte Stadtratssitzung, die Erwin Baumgartner geleitet hat. Um 18.44 Uhr war alles vorbei. Zumindest der öffentliche Teil. Eine Ära geht damit zu Ende.
Bewegende Worte vom Zweiten Bürgermeister
Zweiter Bürgermeister Egbert Windhager sprach von einem besonderen Tag. Ein bisschen feierlich, ein bisschen wehmütig und auch ein bisschen ungläubig. „Denn wir verabschieden heute jemanden, der so fest mit Neumarkt-St. Veit verbunden ist, dass man sich die Stadt ohne ihn kaum vorstellen kann“, so Windhager.
Im Rückblick auf Baumgartners Amtszeit nannte Windhager ein Wort: Verlässlichkeit. „Ruhig, besonnen und mit einem klaren Blick auf das Machbare. Nicht laut, nicht spektakulär.“ Baumgartner habe Spuren hinterlassen, auch schon als Standesbeamter. „Für viele warst du derjenige, der einen der wichtigsten Momente ihres Lebens begleitet hat.“
Von der Umgehungsstraße bis zum Kulturbahnhof
Politisch gesehen kam Windhager auf die Großprojekte zu sprechen: Umgehungsstraße, Eisenbahnunterführung, Gruberspange: „Heute selbstverständlich, früher dringend nötig.“ Der Bahnhof sei zum Kulturbahnhof geworden. Neue Baugebiete von der Alten Teisinger Straße bis zum Galgenberg hätten Neumarkt-St. Veit fit gemacht für die Zukunft.
Und auch auf die weniger sichtbaren Infrastrukturprojekte kam Windhager zu sprechen, wie die Sanierung der Kläranlage. „Mit Projekten wie dem Kindergarten ,Rottalzwerge’ und dem neuen Hort hat unsere Stadt Maßstäbe gesetzt.“
Gemeinsame
Entscheidungen am Ende
All das gelinge nicht allein, doch Baumgartner habe immer betont, wie wichtig der Stadtrat ist. „Es wurde diskutiert, gerungen und auch mal gestritten. Aber am Ende standen gemeinsame Entscheidungen!“ Allerdings: „Gegen CSU und SPD warst Du manchmal wie ein Bollwerk. Nicht immer bequem – aber immer ehrlich!“ Wenn Baumgartner von einer Sache überzeugt gewesen sei, sei er immer seinen Weg gegangen. „Da hätte selbst eine Dampfwalze wenig ausrichten können – und die hast du bekanntlich lieber für den Straßenbau eingesetzt.“
Nervenaufreibende Stadtplatzneugestaltung
Die kommunale Partnerschaft mit Caneva sei für Baumgartner kein bloßer formeller Akt gewesen, „du hast die Verbindung gelebt.“ Und dann die Stadtplatzsanierung, „ein Projekt, das dich Nerven gekostet hat.“ Beschwerden, Diskussionen, sogar eine Dienstaufsichtsbeschwerde. „Aber du hast durchgehalten!“ Und es habe sich gelohnt: „Der Stadtplatz ist ein echtes Schmuckstück geworden.“ Baumgartner habe die Stadt geprägt. Nicht eitel. Nicht laut, sondern mit Herz, Verstand und Ausdauer. „Für deinen Ruhestand wünschen wir dir Gesundheit, Zeit für die Familie und viele ruhige Tage – vielleicht auch ein paar ohne Beschwerden, ohne Mails und ohne Diskussionen über Pflastersteine!“
Baumgartner war sichtlich ergriffen von Windhagers Laudatio, der ihm im Anschluss zum Dank eine Torte mit dem Neumarkter Stadtwappen überreichte.
Er nutzte die Möglichkeit, auf 24 Jahre zurückzublicken, in denen unzählige Stadtratssitzungen, Sitzungen des Finanz- und Verwaltungsausschusses sowie des Bau- und Umweltausschusses stattgefunden hätten. „Diese Wahlperiode war geprägt von Corona, von der Sanierung des Stadtplatzes, auch von anderen großen Baustellen und seit einigen Jahren auch von den Kriegen in der Welt, die uns das Arbeiten nicht immer ganz leicht und die Preise immer schwerer gemacht haben.“
Er dankte zahlreichen Wegbegleitern – dem Stadtrat zum Wohle unserer Heimat, den Mitarbeitern im Rathaus, im Bauhof und allen Einrichtungen der Stadt. Und er betonte: „Ein Bürgermeister kann nur so gut sein, wie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“
Gratulation an die Neuen und eine glückliche Hand
Sein besonderer Dank gilt auch Pfarrer Franz Eisenmann für die vielen guten Gespräche und Verhandlungen zwischen Pfarrei und Kommune. Abschließend gratulierte er allen neuen Mitgliedern des Stadtrates zu ihrer Wahl in die Bürgervertretung. Dem neuen Bürgermeister Stefan Streck wünschte er eine glückliche Hand und ein erfolgreiches Wirken für die Kommune.
Auf gute Ratschläge oder Weisheiten verzichtete er. „Nur ein Satz, den sie bitte nie vergessen dürfen: Sie sind gewähltes Stadtratsmitglied für die Stadt Neumarkt-St. Veit und für die Mitbürger unserer Heimat.“