Mühldorf – Seit dem 1. Mai ist Claudia Hungerhuber Bürgermeisterin von Mühldorf. Am Donnerstag, 7. Mai, wird sie um 14 Uhr im Stadtrat vereidigt. Anschließend wird sie den neuen Stadträten den Amtseid abnehmen – auch ihrem Mann Edwin Hungerhuber, der erstmals zum Stadtrat gewählt wurde.
Claudia und Edwin Hungerhuber kennen sich seit 30 Jahren und sind jetzt als Paar offiziell in der Stadtpolitik angekommen. Sie war bereits sechs Jahre Stadträtin und Kulturreferentin, jetzt ist sie die Chefin der Stadtverwaltung. Das heißt noch mehr Termine, Aufgaben und Verpflichtungen und das Recht, im Stadtrat ihrem Mann das Wort zu erteilen oder auch wieder zu entziehen.
Bereits im Wahlkampf hatte Claudia Hungerhuber das entscheidende Wort, erzählt ihr Mann. „Ich habe in der Zeit manchmal einen Post für sie entworfen, weil ich meinte, sie müsse zu Aussagen eine Stellungnahme abgeben.“ Doch manche dieser Posts habe sie nie verwendet. „Weil ich der Meinung war, das bringt nichts“, sagt Claudia Hungerhuber bestimmt. „Man muss immer mitdenken: Was kommt dann? Oder was folgt daraus?“ Entsprechend habe sie entschieden.
„Der Erfolg hat ihr recht gegeben“, gibt Edwin Hungerhuber anerkennend zu. Auch wenn sie bis jetzt nicht wissen, wie sich ihr Leben künftig gestalten wird, Claudia und Edwin Hungerhuber freuen sich auf diesen neuen Lebensabschnitt. „Wir haben immer schon viel diskutiert. Das geht schon am Frühstückstisch los“, erzählen sie. „Aber am Ende sind wir uns meistens einig.“
Ihr Leben ist seit Langem von der Kommunalpolitik geprägt. Bereits als Stadträtin und Kulturreferentin habe seine Frau sehr viel Zeit investiert, viele Termine wahrgenommen, berichtet Edwin Hungerhuber. „Das hat bis in den Urlaub gereicht. Wenn sie etwas entdeckt hat, hat sie sofort überlegt: Warum funktioniert das hier? Könnte das auch in Mühldorf funktionieren?“
Jetzt ist auch er offiziell in der Kommunalpolitik angekommen. „Ich diskutiere gerne mit“, begründet Edwin Hungerhuber seine Kandidatur und verspricht: „Ich werde ein engagierter Stadtrat sein.“ Er ist sich bewusst, dass er als Bürgermeistergatte unter besonderer Beobachtung stehen wird: „Da werde ich meine Rolle erst noch finden müssen. Aber ich werde mich sicher nicht in den Vordergrund spielen.“ Dass seine Frau jetzt den Takt des Familienlebens bestimmt, ist für Edwin Hungerhuber kein Problem: „Ein Leben besteht immer aus gemeinsamen Projekten.“ Studium, Familie, Hausbau, berufliche Stationen. „Wir haben uns dabei immer gegenseitig uneingeschränkt unterstützt. Anders ist es nicht möglich.“ Er nennt ein Beispiel: Als er Rotary-Präsident war, habe sie akzeptiert, dass er monatelang das Innschifferl-Rennen vorbereitet hat, dass es keinen Urlaub gab, dass das Material über Monate hinweg im Haus und in der Garage gelagert wurde.
Viel ändern werde sich nicht, berichten sie. Beide sind vielfältig engagiert, im Beruf, in der Partei, in Vereinen, im Pfarrgemeinderat. Da gab es immer viele Termine und Veranstaltungen. „Wir sind jetzt schon selten daheim“, sagt Claudia Hungerhuber. „Das ist unser Leben“, ergänzt Edwin Hungerhuber, „es macht uns Spaß.“ „Unsere Tochter sagt immer, sie kennt kein Ehepaar, das so viel miteinander macht wie wir“, schmunzelt Claudia Hungerhuber. Bei dem Gespräch spielen sich Claudia und Edwin Hungerhuber die Bälle zu. Sie haben sich immer im Blick: ein eingespieltes Paar, das auf der gleichen Wellenlänge ist. Sie sind zuversichtlich, dass sich das nicht ändern wird.
Trotzdem: Blauäugig sind sie nicht. „Die erste Zeit wird schwierig“, weiß Claudia Hungerhuber. Sie muss erst in ihre neue Rolle finden, vielleicht auch noch mehr Termine wahrnehmen als bisher. Das schreckt sie nicht, werde keine Belastung: „Das ist unser Selbstverständnis.“
Für Urlaube, für die Zeit als Paar und Familie werde es künftig wohl wieder eine längerfristige Planung brauchen, überlegt Claudia Hungerhuber. Schließlich ist ihr Mann als Arzt ebenfalls beruflich stark eingebunden. „Da müssen wir uns rechtzeitig darum kümmern“, mahnt sie an.
Schnell gewinnen Zuversicht und Freude auf das neue Leben wieder die Oberhand. „Wir sind da hineingewachsen“, sagt Edwin Hungerhuber. „Wir haben uns schon vor ihrer Kandidatur gefragt: Wollen wir das? Noch mehr Termine und Verpflichtungen?“ Beide sagen: „Für uns ist das nicht abschreckend.“