Stefan Strecks erster Tag

von Redaktion

26-Jähriger übernimmt das Bürgermeisteramt in Neumarkt-St. Veit

Neumarkt-St. Veit – Punkt 8 Uhr stand Stefan Streck am Montag vor der Rathaustür. „Aber ich durfte nicht sofort rein!“, verrät er am späten Vormittag. Nicht etwa, weil er noch keinen Schlüssel für die Rathaustür hatte. Die Mitarbeiter im Schloss Adlstein hatten eine Überraschung für ihren neuen Bürgermeister vorbereitet: einen symbolischen Brezenschlüssel, dazu eine Kaffeetasse von den Assistentinnen im Vorzimmer des Bürgermeisters. Und das sollte gut vorbereitet sein. „Ein Empfang, über den ich mich sehr gefreut habe“, sagt Neumarkt-St. Veits neues Stadtoberhaupt beim Pressetermin mit den OVB-Heimatzeitungen wenige Stunden später.

Platz genommen im
Erkerzimmer des Rathauses

Denn nach dem Begrüßungszeremoniell hat der 26-Jährige im Büro Platz genommen, das bis zum 30. April noch Erwin Baumgartner gehört hatte. Jetzt, mit Beginn der neuen Legislaturperiode, sitzt Stefan Streck am Schreibtisch des Erkerzimmers und beantwortet bereits die ersten E-Mails an seinem ersten Tag. „Immerhin 80 Stück“, verrät er. Auch Briefe seien schon angekommen. Etwa vom neuen Bürgermeisterkollegen aus Gerzen, der ihn zum Volksfest eingeladen hatte, das wiederum am kommenden Donnerstag beginnt. Donnerstag allerdings dürfte schwierig werden. Denn an diesem Tag kommt das neugewählte Stadtratsgremium von Neumarkt-St. Veit zum ersten Mal zusammen, trifft sich zur konstituierenden Sitzung im Sitzungssaal des Schlosses. Die Geschäftsordnung steht auf der Tagesordnung, und die Benennung von Referenten und den Stellvertretern Strecks. Die Hausaufgaben dazu sind bereits in den Wochen nach der Kommunalwahl gemacht worden, verrät der neue Rathauschef. Man habe eine Woche nach der Wahl bereits Gespräche geführt, offen verhandelt, insgesamt sei alles ziemlich harmonisch gelaufen, berichtet Streck von den vergangenen Wochen. „Ich denke nicht, dass es bei der Stadtratssitzung zu Kampfabstimmungen kommen wird!“ Aktuell seien noch Anträge ins Rathaus geflattert zur Änderung der Geschäftsordnung, die für die Sitzung am Donnerstag eingearbeitet und dann ebenfalls zur Abstimmung gestellt werden sollen. Auch eine Einladung zum Maibaumfest des Kindergartens hat er bereits vorliegen – und auch zu seinem ersten Geburtstagsbesuch. Ein 80. Geburtstag am Dienstag steht bereits in seinem Terminkalender.

Er ist also voll drin in seinem neuen Job, sagt Streck, dessen erster Auftritt als Bürgermeister bereits am vergangenen Freitag stattgefunden hatte. Selbstverständlich sei er beim Maibaumaufstellen vom Trachtenverein mit dabei gewesen, sagt Streck, der den Kontakt mit den Menschen als eine der wichtigsten Aufgaben des Bürgermeisters in den ersten Wochen seiner Tätigkeit sieht. „Und Transparenz“, betont er. Dass Beschlüsse aus den öffentlichen Stadtratssitzungen auf der Internetseite der Stadt künftig veröffentlicht werden sollen, das sei eine der Maßnahmen, die er sofort umsetzen möchte. Die von Baumgartner zurückgelassenen Wandnägel mit Bildern zu behängen, dies habe hingegen nicht die höchste Priorität. Denn Streck hat auch noch an der Rede für den 8. Mai zu feilen. Traditionell findet an diesem Tag, der das offizielle Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa durch die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht markiert, ein Gedenktag am KZ-Friedhof für alle Opfer des Krieges statt. Für Streck ist es nach der Stadtratssitzung am Donnerstag der erste offizielle Auftritt außerhalb des Rathauses. „Das mache ich persönlich, werde ich selbst aufsetzen. Aber die Damen im Vorzimmer unterstützen mich dabei“, sagt Streck. Nachdem am Montag erst mal die wichtigsten Schlüssel übergeben wurden, Passwörter verteilt und auch das Diensthandy ausgehändigt wurde, ging es für Streck gleich weiter mit einer Reihe von Gesprächen. „Um 11 Uhr ist die Abteilungsleiterbesprechung angesetzt“, berichtet er. Eine Gesprächsrunde, die er regelmäßig abhalten möchte, um stets auf dem aktuellen Stand der Dinge zu sein. Nachmittags dann Termin an der Kläranlage, zusammen mit dem Bauamt, um Informationen über den Status quo der Erweiterungsmaßnahme aus erster Hand zu erhalten. Streck kommt nicht unvorbereitet ins Rathaus. Er hat Seminare besucht, über die Grundlagen des Kommunal- und Haushaltsrechts. Und er wird in den nächsten Tagen die Einrichtungen der Stadt besuchen, um sich vorzustellen und auch einen Überblick etwa über Kindergarten, Schule und Bauhof zu verschaffen und die Beschäftigten kennenzulernen.

Viel Arbeit also für den politischen Neuling, der sich aber mit Leidenschaft den Aufgaben stellen will, wie er selbst sagt. Und da gibt es einige. Der Neubau des Feuerwehrhauses in Teising sei eine Maßnahme, bei der es gelte, viele Meinungen unter einen Hut zu bringen, um am Ende eine gute Lösung für alle zu erreichen.

Und auch das bislang ungelöste Problem des Radwegs nach Hörbering hat ihm sein Vorgänger vererbt. In 24 Jahren war es nicht möglich, eine sichere und vor allem durchgängige Verbindung von Neumarkt nach Hörbering herzustellen. Aber noch unter Baumgartner hat sich nun eine Alternative aufgetan: Die Route nördlicher der Staatsstraße im Zuge der Nutzung der stillgelegten Bahngleise nach Marklkofen, diese Trasse soll zu einem Radweg umgebaut werden. „Die Tür steht ganz weit offen. Diese Chance müssen wir nutzen, um eine vernünftige Lösung zu finden. Ich bin da guter Dinge!“, sagt dazu Streck ziemlich zuversichtlich.

Eine gelegentliche Auszeit
in der freien Natur

Dass mit Beginn seiner Arbeit im Rathaus andere Sachen hinten angestellt werden müssen, ist ihm klar. Die Jagd zum Beispiel, eine seiner Leidenschaften, die er mit seinem Schwiegervater teilt, muss wohl zurückstecken. „Aber natürlich werde ich mir gelegentlich eine Auszeit nehmen, um den Kopf frei zu bekommen. Und das klappt am besten in der freien Natur!“

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