Waldkraiburg – 326 Sitzungen, sechs Kilo mehr Gewicht und zugleich weniger Haare, dafür aber mehr graue: Mit einer Mischung aus persönlichen, teils humorvollen Bemerkungen hat Bürgermeister Robert Pötzsch zum Ende seiner Amtszeit im Stadtrat Bilanz gezogen – und dafür Applaus von allen Seiten. Es war sein letzter Wortbeitrag. „Mein Vertrag wurde nicht verlängert“, sagte er. Das Ende seiner Amtszeit hätte er sich anders vorgestellt und sei für ihn ein Einschnitt gewesen.
Viele Krisen und
doch auch viel Positives
Pötzsch erinnerte an zentrale Entscheidungen während seiner zwölfjährigen Amtszeit: die erste Flüchtlingswelle, das Bürgerbegehren zum Waldbad, der erste städtische Kindergarten sowie der weitere Ausbau der Geothermie. Damit seien wichtige Meilensteine gesetzt worden.
Viele Krisen hätten seine Zeit als Bürgermeister begleitet. Trotzdem sei es ihm wichtig, bei allen Rückblicken „das Positive hervorzuheben“. Vor allem betonte Pötzsch die Zusammenarbeit im Stadtrat. Trotz „heißer Diskussionen“ sei es gelungen, stets sachorientiert und respektvoll miteinander umzugehen – ohne Parteigeplänkel. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Stil weitergeführt werde.
Auch selbstkritische Töne fehlten nicht: Die schärfste Kritik habe er aus den eigenen Reihen erfahren. „Sie haben mir den Spiegel vorgehalten“, sagte er mit Blick auf die eigene Fraktion.
Mit seinem Abschied verlassen auch weitere Stadträte das Gremium – teils, weil sie nicht mehr kandidierten, teils weil sie nicht mehr wiedergewählt wurden. Pötzsch dankte ihnen ebenso wie Wolfgang Nadvornik für einen „spannenden Wahlkampf“, der als Stadtrat in den vergangenen sechs Jahren nur an sechs Sitzungen teilgenommen hatte. Mit Anton Sterr (CSU) und Gustl Schenk (UWG) gingen zwei prägende Persönlichkeiten, deren Erfahrung und Wissen fehlen werde. Sterr hat er als „fairen Politiker“ kennengelernt. Pötzschs abschließender Dank galt der Verwaltung, den Geschäftsführern der städtischen Gesellschaften und vor allem den Bürgern: „Dass ich die Chance dazu bekommen habe, davor ziehe ich meinen Hut.“
Mit Engagement
und Weitblick
Zuvor hatte bereits UWG-Sprecher Michael Steindl den Moment genutzt, um Pötzsch und ausscheidenden Stadträten zu danken. „Die Sachpolitik stand immer im Vordergrund. Du warst dir treu und hast dich nicht verbogen“, sagte er. Gerade in schwierigen Zeiten habe Pötzsch versucht, das Beste für die Stadt zu erreichen. Zum Abschluss würdigte auch Zweiter Bürgermeister Anton Kindermann die Verdienste des scheidenden Bürgermeisters. Mit Engagement und Weitblick habe er die Geschicke der Stadt geprägt. Große Investitionen seien angestoßen worden, mit dem Baugebiet Waldkraiburg West sei ein Impuls für die weitere Stadtentwicklung gesetzt worden. „Den Herausforderungen ist er mit Besonnenheit begegnet, Chancen hat er mit Tatkraft ergriffen.“ Mit dem Ende der Legislaturperiode steht der Waldkraiburger Stadtrat vor einer Zäsur: 13 Stadträte sind neu im Gremium.