Niedertaufkirchen – „Irgendwann erreicht man ein Alter, da muss man Schluss machen. Ich wollte das nicht so machen wie ein Joe Biden oder ein Donald Trump. Und man merkt schließlich auch selbst, dass man nicht mehr zu 100 Prozent fit ist!“ Ehrliche Worte von Sebastian Winkler (70), der sich nach 23 Jahren als Bürgermeister der Gemeinde Niedertaufkirchen nicht mehr zur Wahl gestellt hatte.
Zielstrebiger
Jungpolitiker
Umso erfreulicher für ihn, dass ein junger Niedertaufkirchener Bürger nun in seine Fußstapfen getreten ist: Andreas Huber, gerade mal 30 Jahre jung, hat am vergangenen Montag seinen Dienst im Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach angetreten.
Topmotiviert, voller Elan und Tatendrang möchte er die erfolgreiche Arbeit von Sebastian Winkler fortsetzen. Nachhaltig die Gemeinde weiterentwickeln – mit diesem Anspruch hat er die wichtigsten Schlüssel von Sebastian Winkler entgegengenommen. „Die Infrastruktur ist da, jetzt geht es darum, Bauland zu schaffen, damit junge Bürger nicht abwandern. Gleichzeitig müssen wir ein Auge darauf haben, dass wir Schule und Kindergarten weder unter- noch überfordern.“
Die nachkommende Generation im Ort halten, aufgeschlossen sein gegenüber Neubürgern. „Es muss eine gute Mischung sein“, findet Huber. Dass sich Neubürger in der Gemeinde einbringen, habe sich bereits gezeigt. Mit Ole Bonk hat es einer dieser Neubürger sogar in den Gemeinderat geschafft, erwähnt Huber.
Terminkalender
füllt sich allmählich
Handeln mit Maß und Ziel, wenn Huber nun den Blick auf die kommende Legislaturperiode lenkt. Organisches Wachstum nennt man das wohl im Politik-Jargon. Und Huber bringt als einer der jüngsten Bürgermeister im Landkreis die nötigen Voraussetzungen mit. Bei der AOK in München hatte sich der 30-Jährige schnell hochgearbeitet, bis zum Referenten der Geschäftsbereichsleitung.
Mit der Übernahme des Bürgermeisteramtes in Niedertaufkirchen im Ehrenamt wird er nun seine Stunden im Hauptjob reduzieren. „Die erste Woche habe ich sogar komplett Urlaub genommen, um mich einzuarbeiten“, berichtet Huber, der bereits auf sechs Jahre Erfahrung im Gemeinderat zurückblicken kann. „Mir war im ersten Moment klar: Das taugt mir!“ Einführungsgespräch mit der Kindergartenleitung, der erste Austausch als Bürgermeister mit der Schulleitung. Und dann auch gesellschaftlich wichtige Termine, wie Gratulationsbesuche bei Geburtstagen und sogar einer eisernen Hochzeit – der Terminkalender füllt sich bereits.
Viele Jahre in der Landjugend, dazu Mitglied bei der Feuerwehr: Huber kommt aus der Mitte der Gemeinde, kennt die Bürger. Er wohnt in Haunertsholzen und damit genau in der Mitte zwischen den beiden Ortsteilen Roßbach und Niedertaufkirchen.
Huber war als Gemeinderat bereits in den vergangenen sechs Jahren Entscheidungsträger, wenn es um wegweisende Beschlüsse ging. Darunter auch der Anbau des bestehenden Kindergartens. „Unser Prestige-Projekt“, betont der scheidende Bürgermeister Sebastian Winkler, auch wenn dafür die Verlegung des Bolzplatzes nötig gewesen sei. „Aber das haben wir gut hingebracht“, findet Winkler. Huber nickt zustimmend.
Winkler hatte vor 23 Jahren Verantwortung für seine Gemeinde übernommen und wurde Bürgermeister, nachdem Walter Bichlmaier nach langer Krankheit verstorben war. Ein Amt, das er in ähnlich jungen Jahren wie Andreas Huber angestrebt hatte. Denn als er 1984 erstmals in den Gemeinderat gewählt worden war, wollte Winkler eigentlich Höheres erreichen. Mit gerade mal 28 Jahren war er gegen Josef Wimmer angetreten und musste ihm den Vorzug lassen.
1990 bestimmte ihn der Gemeinderat zum Dritten Bürgermeister, 2002 wurde er der Stellvertreter von Walter Bichlmaier. „Bichlmaier war es, der über die Direktion für Ländliche Entwicklung den Straßenbau in der Gemeinde angekurbelt hatte“, erinnert sich Winkler. „18 Kilometer Kiesstraßen wurden damals asphaltiert. Für die Gemeinde war das eine tolle Sache.“
Der Breitband-Ausbau hatte allmählich Fahrt aufgenommen. „Bis 2028 werden wir flächendeckend schnelles Internet haben, dann werden 430 Haushalte versorgt sein“, zieht Winkler Bilanz. In seiner Zeit sei die Gemeinde an die gemeindliche Wasserversorgung angeschlossen worden, auch die Kanalisation habe man in Angriff genommen.
Wahlkampfspruch
als guter Rat an Huber
Wenn er nun seinem Nachfolger die besten Wünsche mit auf den Weg gibt und ihm eine glückliche Hand in all seinen Entscheidungen wünscht, dann gibt er ihm seinen eigenen Wahlkampfspruch aus dem Jahr 1984 mit auf den Weg: „Ehrlich, fair und zuverlässig. Damit bin ich auch immer ausgezeichnet gefahren!“
Blickt Winkler auf seine 23-jährige Bürgermeisterzeit zurück, dann ärgert ihn genau eine Sache. „Dass ich das mit dem Feuerwehrhaus in Roßbach nicht mehr hinbekommen habe, das stinkt mir gewaltig“, sagt Winkler ganz unverblümt. Verbunden allerdings mit der Hoffnung, dass sein Nachfolger in diesem Bereich mehr Erfolg hat, dieses wichtige Projekt in die Realität umzusetzen.