Mühldorf – Wie bereits berichtet, sagen die neuesten Hochrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung in Bayern, für den Landkreis Mühldorf bis zum Jahr 2044 eine deutliche Steigerung der Einwohnerzahl voraus. Demnach soll die Bevölkerung im Landkreis Mühldorf um 6,5 Prozent wachsen. 122.160 Einwohner waren es Stand 31. März 2025. Mit der prognostizierten Steigerung um rund 7.940 Menschen würden 2044 also 130.100 Menschen im Landkreis leben.
8.000 Menschen mehr auf den ganzen Landkreis verteilt scheinen überschaubar. Aber die meisten von ihnen werden sich laut Hochrechnung in Mühldorf, Waldkraiburg und Ampfing niederlassen. Sie brauchen hier ein Dach über dem Kopf, die Kinder müssen in den Kindergarten oder die Schule gehen. Es braucht Ausbildungs- und Arbeitsstellen sowie Straßen und Schienen, über die der tägliche Arbeitsweg innerhalb oder außerhalb des Landkreises zurückgelegt werden kann.
Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen betrachtet Landrat Max Heimerl die aktuelle Bevölkerungsprognose und vieles, was sich daraus an Aufgaben für den Landkreis ergibt.
Ist die vom Innenminister präsentierte Prognose eines Bevölkerungswachstums von rund plus 6,5 Prozent bis 2044 für den Landkreis Mühldorf und Sie als Landrat ein Grund zur Freude oder zur Sorge?
Landrat Max Heimerl: Dass der Landkreis Mühldorf wächst, ist für uns keine neue Nachricht mehr. Wir beobachten diese Entwicklung schon seit 2018 über ein eigenes Monitoring im Landratsamt. Was die aktuelle Prognose zeigt: Der Wachstumstrend setzt sich fort, verlangsamt sich aber etwas – und das gibt uns die Gelegenheit, uns noch gezielter auf das Wachstum einzustellen und die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Ich sehe das nicht mit Sorge, sondern als Chance.
Mit welchen Auswirkungen, positiv (eventuelle Verjüngung der Bevölkerung) oder aber negativ (steigende Preise für Wohnen und Leben) rechnen Sie?
Heimerl: Ein gewisser Druck auf die Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Seniorenheime und medizinische Einrichtungen wird sich durch eine wachsende Anzahl an Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis immer ergeben. Hier gilt es mit Weitsicht, datenbasierter Planung und in enger Abstimmung mit den Kommunen die zukünftigen Entwicklungen gut vorzubereiten. Natürlich verursacht ein Mehr an Menschen auch ein Mehr an Bedarfen. Die Kosten für Wohnraum sind schon in den vergangenen Jahren im Landkreis spürbar gestiegen. Diese Herausforderung managen wir zusammen mit den Gemeinden, indem nicht nur weitere Baugebiete ausgewiesen, sondern auch kommunale Wohnbauprojekte realisiert werden. Darüber hinaus ist es wichtig, den sozialen Zusammenhalt in den Gemeinden zu stärken, indem es dort unter anderem gezielte Angebote für Neubürgerinnen und Neubürger gibt. Wir sehen aber auch, dass vor allem Personen im erwerbsfähigen Alter in den Landkreis kommen, die hier zum Teil auch noch eine Familie gründen wollen. Das wirkt nicht nur der natürlichen Alterung der Bevölkerung entgegen, sondern hat auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft und das Arbeitskräftepotenzial im Landkreis.
Befürchten Sie, dass der Landkreis zur „Schlafstätte“ von Arbeitnehmern werden könnte, die ihren Arbeitsplatz in München haben, sich das Wohnen dort aber nicht mehr leisten können?
Heimerl: Die Nähe zu München und vergleichsweise moderate Immobilienpreise sind mit Sicherheit ein zentraler Anziehungspunkt. Gerade seit der Fertigstellung der A94 und dank unserer Anbindung an den MVV in Verbindung mit den Planungen des zweigleisigen Ausbaus der ABS 38. Aber wir sind weit mehr als eine Schlafstätte für München-Pendler: Wir sind ein High-Tech-Standort mit mittelständischen Unternehmen, die in ihren Bereichen zur Weltspitze zählen. Eingebettet in die Tourismusregion Inn-Salzach bieten wir einen hohen Freizeitwert, sind zertifizierte Radregion und in einer Stunde eben nicht nur in München, sondern auch am Chiemsee oder in Salzburg – und trotzdem leben und arbeiten wir im Grünen. Dazu kommen ein starkes Netzwerk für Familien mit umfassender Kinderbetreuung und unsere Familienstützpunkte. Kurz gesagt: Wir punkten ganz sicher auch mit einer hohen Lebensqualität.
Wie kann sich der Landkreis auf ein Plus von 6,5 Prozent Einwohnern innerhalb von 18 Jahren vorbereiten? Was wurde schon getan?
Heimerl: Aktuelle Bevölkerungsdaten werden jährlich zusammengestellt und stehen auch den Gemeinden für ihre Planungen zur Verfügung. Je nach Thema unterscheiden sich die Zuständigkeiten. Bei den Kita-Plätzen zum Beispiel agiert der Landkreis als Partner für die Gemeinden, die Planung und Ausbau übernehmen müssen. Im Bildungsbereich haben wir als Landkreis selbst in den vergangenen Jahren massiv investiert, zuletzt in den Neubau des Gymnasiums in Gars sowie in die Erweiterungen an den Gymnasien in Mühldorf und Waldkraiburg. Dazu kommt der Neubau des Sonderpädagogischen Förderzentrums, der gerade begonnen hat.
Im Pflegebereich haben wir im Zuge der Umstrukturierung des „InnKlinikums“ das Tages- und Kurzzeitpflegeangebot in Haag ausgebaut. Und als Wirtschaftsstandort entwickeln wir uns innovativ und flächenoptimiert weiter – mit besonderem Fokus auf die Entwicklung entlang der A94 sowie auf den Ausbau und die Nutzung erneuerbarer Energien durch das Landkreiswerk. Wachstum braucht Planung, und die betreiben wir konsequent.
Wie ist der Altersdurchschnitt im Landkreis
Mühldorf?
Heimerl: Das Bayerische Landesamt für Statistik gibt für den Landkreis Mühldorf a. Inn zum Stichtag 31. Dezember 2024 ein Durchschnittsalter der Bevölkerung von 44 Jahren aus. Im Jahr 2000 lag das Durchschnittsalter im Landkreis bei 40,3 Jahren. Christa Latta