Alpenverein Mühldorf bereitet einschneidende Maßnahmen vor

von Redaktion

Vorstand will Gefährdung der Sektion durch Defizit des Kletterzentrums und zu wenige Aktive abwehren

Mühldorf/Waldkraiburg – Mit einschneidenden Veränderungen für die Arbeit des Vereins und einem dramatischen Appell will der Vorstand die Zukunft des Alpenvereins Mühldorf sichern. Mehr Aufgaben, ein Jahresumsatz von deutlich über 600.000 Euro und stetig wachsende Mitgliederzahlen machen die Änderungen laut Vorsitzendem Thomas Gansmeier notwendig.

Kletterzentrum, Berghütte, Ferienhaus: Ausgaben, Einnahmen und Arbeitsaufgaben des Alpenvereins Mühldorf haben in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Nicht aber die Zahl derjenigen, die aktiv mithelfen. „Die Hände, die Dinge machen, werden weniger“, betonte Vorsitzender Gansmeier vor nur 44 Mitgliedern bei der Jahreshauptversammlung beim Kreuzerwirt in Mettenheim. Damit waren 5.389 Mitglieder nicht bekommen. Sie profitieren vom Kletterzentrum Raiffeisen Vertikal in Waldkraiburg, der Gufferthütte und dem Ferienhaus in Lofer. Dieses Angebot schlägt sich in den Zahlen des Vereins nieder, der fast schon ein Millionen-Unternehmen ist: Einnahmen in Höhe von 715.569 Euro standen Ausgaben über 652.320 Euro gegenüber. Nimmt man die Schulden von 955.000 Euro vor allem für das Kletterzentrum dazu, wird deutlich, welche Summen der Verein bewegt.

Vor allem das Kletterzentrum mit zuletzt leicht sinkenden Eintrittszahlen bereitet dem Vorstand Sorgen. Schatzmeister Matthias Hergenhan wies darauf hin, dass der Verein zwar den Schuldendienst für die Einrichtung geleistet habe. „Die Tilgungen kommen aber aus der Substanz der Sektion. Das ist nicht nachhaltig, da müssen wir uns Gedanken machen“, warnte Hergenhan. Im Raiffeisen Vertikal stehen nach seinen Angaben Einnahmen von 378.138 Euro Ausgaben von 430.984 Euro gegenüber. Neben der Steigerung der Eintrittszahlen und der Verkäufe im Bistro nannte Hergenhan vor allem den Blick auf die Personalkosten. Denn im Kletterzentrum arbeiten nach seinen Angaben nicht nur viele Trainer, von denen manche ihre Aufwandsentschädigung wieder spenden, sondern auch zahlreiche bezahlte Angestellte. Auf 5.500 bezifferte Hergenhan die Arbeitsstunden, die nicht ehrenamtlich geleistet würden und bezahlt werden müssten. „Das ist ein Thema“, sagte der Schatzmeister, „so können wir nicht weitermachen, weil Sektionsgelder in die Kletterhalle fließen.“

Diese Sicht teilten die Kassenprüfer. Von „Herausforderungen vor allem im Kletterzentrum“ sprach Georg Irgmaier. „Aber man sieht, dass der Vorstand reagiert. Das gilt nicht nur für das konkrete Problem Kletterhalle, das gilt für die gesamte Arbeit des Vereins. Mit „dramatischen Worten“ machten Vorsitzender Gansmeier und Schatzmeister Hergenhan klar, dass der Verein ohne stärkeres Engagement der Mitglieder keine Zukunftschance hätte. „Es könnte sein, dass wir nächstes Jahr ohne Vorstand hier stehen“, sagte Hergenhan. Um das zu verhindern und die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilten, beschlossen die Mitglieder die Einführung eines „Präsidialsystems“. Statt eines klassischen, hierarchischen Vorstands sollen künftig fünf oder sieben Vorstände mit einem Vorsitzenden den Alpenverein leiten. Dazu kommt ein Geschäftsverteilungsplan, der die Aufgabenfelder der Vorstände und ihrer Teams beschreibt. „Die Größe des Vereins und die finanziellen Herausforderungen verlangen eine neue Struktur“, sagte Gansmeier. Für Hergenhan „ist die Arbeit nur mit einer Neuaufstellung noch leitbar“. Einstimmig gaben die Mitglieder dem Vorstand den Auftrag, die entsprechende Satzungsänderung umzusetzen und im kommenden Jahr diesen neuen Vorstand wählen zu lassen. Unterstützung gibt es dabei von Josef Heubelhuber, der das vakante Amt des Zweiten Vorsitzenden bis zur Neuwahl 2027 annahm. Der Altmühldorfer ist 48 Jahre alt, Vater von zwei Kindern und im Vertrieb von Fleisch- und Wurstwaren tätig.

Derzeit vom Tisch sind der im vergangenen Jahr beschlossene Neubau der Geschäftsstelle am Kletterzentrum und eines neuen Boulderraums. Die hohen Kosten und der im Fall der Geschäftsstelle nicht vorhandene Mehrwert für die Mitglieder gaben laut Gansmeier den Ausschlag. Die Geschäftsstelle soll aus den provisorischen Containern ins Kletterzentrum umziehen.

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