Premiere in Neumarkt: Zwei Bürgermeisterinnen

von Redaktion

In Neumarkt-St. Veit wurde Geschichte geschrieben. Erstmals in der Historie des Stadtrates wurden mit Sylvia Wegner und Heike Perzlmaier zwei Frauen zu Stellvertreterinnen des neuen Bürgermeisters Stefan Streck gewählt. Neu ist auch das Amt des Dritten Bürgermeisters, das ebenfalls eine Frau bekleidet.

Bürgermeister Stefan Streck bei der Vereidigung von Sylvia Wegner. Erstmals in der Geschichte Neumarkts erhält eine Frau einen Bürgermeisterposten.Fotos Enzinger

Dritte Bürgermeisterin Heike Perzlmeier nimmt die Glückwünsche entgegen.

Neumarkt-St. Veit – Harmonischer geht es fast nicht mehr: Peter Gruber von der CSU schlägt UWG-Stadträtin Sylva Wegner als Zweite Bürgermeisterin vor, UWG-Stadtrat Peter Hobmaier schickt Heike Perzlmaier von der CSU ins Rennen bei der Wahl zur Dritten Bürgermeisterin. Beide erhalten dann auch die erforderlichen Mehrheiten und werden zu den Stellvertretern von Bürgermeister Stefan Streck gewählt.

Baumgartner übergibt
die Bürgermeisterkette

Dessen Vereidigung stand zu Beginn der konstituierenden Sitzung des neuen Neumarkt-St. Veiter Stadtrates. Rosina Maria von Roennebeck (CSU), die seit 1996 dem Gremium angehört, hatte die Ehre, als lebensältestes Stadtratsmitglied die Vereidigung vorzunehmen. Strecks Vorgänger Erwin Baumgartner überreichte anschließend die Bürgermeisterkette. Lang anhaltender Applaus des mit Zuschauern voll besetzten Sitzungssaals war die Folge.

Danach ging es Schlag auf Schlag, um die weiteren Posten zu besetzen. Stefan Streck (26) ließ dabei schon eindrucksvoll Führungsqualitäten erkennen. Fast schon routiniert führte er die 20 Stadtratsmitglieder durch die mit 23 Tagesordnungspunkten doch recht üppige Tagesordnung, die in der Folge die Vereidigung der neuen Stadtratsmitglieder vorsah. Gleich sieben „Neue“ begrüßte Streck in dieser ersten Sitzung und vereidigte jeden separat.

Neu im Gremium sind: Hilde Heimerl, Lukas Dietrich, Georg Grubwinkler, Uwe Beckel und Tanja Kohwagner (alle CSU). Für die Grünen rückte Tina Winterer neu ins Gremium nach. Für die UWG wurde Felix Rauscheder als neues Stadtratsmitglied vereidigt. „Es geht nicht darum, ein zusätzliches Amt zu schaffen, sondern eine Lücke sinnvoll zu schließen“, begann Bürgermeister Stefan Streck dann seine Argumentation für die Benennung eines Dritten Bürgermeisters, den es bislang in Neumarkt-St. Veit noch nicht gegeben hatte. „Mir ist es wichtig, dass Vereine deutlich mehr Gewichtung erhalten, und dafür braucht es einen direkten Ansprechpartner“, fand Streck.

Ein Dritter Bürgermeister könne nach seinen Vorstellungen den direkten Draht zu den Vereinen herstellen, es würden klare Strukturen in der Zuständigkeit geschaffen, Entscheidungen würden schneller fallen, die Wege wären kürzer.

„Entscheidend dabei ist jedoch, dass diese Person anerkannt und willkommen ist. Eine Person, die Vertrauen genießt und auch die Sprache der Ehrenamtlichen spricht.“ Streck sah eine gezielte Stärkung des Ehrenamts, ohne den Haushalt zusätzlich zu belasten. Denn: Die Aufwandsentschädigung des Zweiten Bürgermeisters werde lediglich auf beide Posten aufgeteilt, gleichzeitig übernimmt ein Dritter Bürgermeister den Posten des Sportreferenten. „Wir sprechen nur von einer Umverteilung der Mittel“, fasste es Streck zusammen. Er sprach von einer „zukunftsorientierten Entscheidung für unsere Heimatstadt“.

Ludwig Spirkl (SPD) hakte nach. Es erschließe sich ihm nicht, warum der Dritte Bürgermeister speziell für den Sport zuständig sein soll. Diese Position hat bislang ein eigener Referent bekleidet, ebenso die des Jugendreferenten. „Die hatten das bisher ganz gut gelöst. Warum soll das jetzt ein Bürgermeister sein?“ Streck erwiderte, es sei seine eigene Idee gewesen, um das Ehrenamt deutlich mehr zu stärken. Ein Konzept, das er sich bei anderen Kommunen abgeguckt habe.

Thomas Döring (Grüne), in der vergangenen Legislaturperiode noch Sportreferent, setzte sich für den Fortbestand dieses Referentenpostens ein. Sport umfasst viele Altersstufen, „von der Jugend bis zu den Senioren. Es ist wichtig, dass man da jemanden hat, der auch wirklich im Sport beheimatet ist. Man sollte diese Rolle auf zwei Personen aufspalten, um allen Ansprüchen gerecht zu werden.“ Peter Gruber (CSU) jedoch setzte auf die „geballte Kraft zusammen mit dem Bürgermeister“. Und auch Sylvia Wegner (UWG) argumentierte für einen „direkten Ansprechpartner, der für alle Vereine da ist“. Mit den Gegenstimmen von Döring und Spirkl wurde anschließend der Benennung eines Dritte Bürgermeisters mehrheitlich zugestimmt (19:2). Der entsprechenden Anpassung der Satzung stimmten dann alle zu (21:0) Bei der geheimen Wahl der Zweiten Bürgermeisterin wurde Sylvia Wegner mit 19 Stimmen gewählt, jeweils eine Stimme fiel auf Peter Hobmaier (UWG) und Tina Winterer (Grüne). Auf die Dritte Bürgermeisterin Heike Perzl- meier entfielen 18 Stimmen, zwei Stimmen erhielt Thomas Döring (Grüne), den zuvor Ludwig Spirkl vorgeschlagen hatte, eine Stimme bekam Peter Gruber. Einstimmig wählte das Gremium anschließend Michael Lächele und Silke Auer als weitere Stellvertreter.

Geerntet, was
gesät wurde

„Stolz, aber nicht hochmütig“ nahm Sylvia Wegner das historische Ergebnis nach ihrer Wahl zur Kenntnis. „Es ist eine ganz große Ehre für mich, ich werde mich bemühen, das Amt auszufüllen. Vor sechs Jahren habe sie erstmals kandidiert. Es sei in dieser Zeit unglaublich gewesen, zu sehen, was man alles bewirken kann. „Ich habe das Gefühl, ich ernte das, was seinerzeit Rosmarie von Roennebeck und Elisabeth Weigand ausgesät hatten, als sie als erste Frauen überhaupt in den Stadtrat gewählt wurden. Und ich darf jetzt Zweite Bürgermeisterin sein. Danke!“

Das Video zur Vereidigung findet sich unter ovb-online.de.

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