Schönberg – Der Tag war noch nicht angebrochen, da schrillten die Alarmglocken. Die Integrierte Leitstelle in Traunstein hatte die Feuerwehren aus Schönberg, Irl, Aspertsham, Neumarkt-Sankt-Veit, Lohkirchen und Teising-Fraßbach sowie Vertreter der Kreisbrandinspektion alarmiert, weil ein Wohnhaus in der Hauptstraße in Schönberg in Flammen stand. „Das war unser Glück. Denn das war vor der Arbeit. Es standen also genügend Einsatzkräfte zur Verfügung, die sich gleich auf den Weg nach Schönberg machten“, erklärte Benjamin Bock, Kommandant der Schönberger Feuerwehr, der auch den Einsatz in Schönberg geleitet hatte.
Schönberger Wehr mit 30
Einsatzkräften vor Ort
Alleine von der Freiwilligen Feuerwehr Schönberg waren gleich 30 Einsatzkräfte angerückt, um den Brand zu bekämpfen, berichtet Bock. Was die Koordination dabei erleichtert hat: Der Brand hatte sich schräg gegenüber des Schönberger Feuerwehrhauses ereignet.
Der Fokus galt zunächst den Bewohnern des Wohnhauses, das sich in zwei Doppelhaushälften aufteilt. Die eine Hälfte steht schon seit Jahren leer, sagt Bock. In der anderen Hälfte lebte ein älteres Paar, das den Brand zwar selbst bemerkt hatte und sich nach Angaben des Einsatzleiters auch selbst vom Obergeschoss ins Parterre begeben konnte. Doch versperrten dann offenbar Flammen und Rauch den Weg zur Haustür. Die beiden Bewohner konnten mithilfe der Feuerwehr über ein Fenster gerettet werden, berichtet Bock.
Nach der ersten Versorgung im gegenüberliegenden Feuerwehrhaus brachte sie der Rettungsdienst ins Krankenhaus, wo sie versorgt wurden. Äußerlich habe Bock keine Verletzungen feststellen können. „Aber es ist wichtig, abzuklären, ob eine Rauchvergiftung vorliegt!“
Zur Erklärung: Anzeichen einer Rauchvergiftung treten oft verzögert auf, bis zu 24 Stunden später, und umfassen neben Kopfschmerzen und Schwindel auch Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit und Ruß im ausgehusteten Schleim. Jedenfalls blieben die Bewohner zunächst zur Beobachtung im Krankenhaus.
Derweil bekämpften die Feuerwehren den Brand in dem alten Gebäude, dessen Wohnabschnitte durch eine Brandmauer abgetrennt waren. „Die hat auch tatsächlich hergehalten“, informiert Einsatzleiter Bock, der allerdings davon ausgeht, dass das komplette Wohnhaus zerstört ist.
Bemerkenswert ist, wie schnell die Feuerwehren den Brand unter Kontrolle hatten. Als einen Segen bezeichnet Bock die Drehleiter, die erst vor zwei Jahren in Neumarkt-St. Veit angeschafft worden sei. „Die Neumarkter waren keine zehn Minuten nach der Alarmierung vor Ort, um den Brand von oben zu bekämpfen.“ Früher mussten ähnlich ausgestattete Feuerwehren aus Waldkraiburg, Mühldorf oder Velden anrücken.
Dass die Drehleiter zeitnah am Einsatzort war, spielte insofern eine wichtige Rolle, als es im weiteren Einsatzverlauf zu einer Durchzündung des Dachstuhls gekommen war. Mithilfe der Neumarkter Drehleiter seien dann aber schnell die Dachziegel beseitigt, die Dachhaut geöffnet und durch das Wenderohr der Brand bekämpft worden.
Die Löschwasserversorgung sei durch Hydranten sichergestellt gewesen. Und auch die vor acht Jahren bereits getätigte Anschaffung von Schlauchanhängern für die Feuerwehren aus Aspertsham und auch Lohkirchen hat sich laut Bock erneut bewährt. „Auf einer Länge von 400 Metern konnte damit die Verbindung zum Löschweiher hergestellt werden“, erklärt er. Die Brandbekämpfung von außen sei die eine Sache. Um ein Feuer unter Kontrolle zu bringen, sei der Inneneinsatz unumgänglich. Doch auch hier seien die Feuerwehren rund um Schönberg gut ausgestattet, sagt Bock. 14 Atemschutztrupps hätten den Brand von innen bekämpft. „Der Brand kann dadurch zielgerichtet ausgebremst werden.“ Das hat offenbar funktioniert, denn nach geschätzten 75 Minuten sei das Feuer gelöscht gewesen, ein Übergreifen der Flammen auf umliegende Gebäude verhindert worden, sagt Bock, der sich bei weit über 70 Feuerwehrkameraden für ihren Einsatz bedankt.
Während alle umliegenden Einsatzkräfte in den Morgenstunden abgerückt seien, sei die Schönberger Wehr weiter vor Ort geblieben. „Zur Brandwache“, erläutert der Einsatzleiter. 24 Stunden werde das Wohnhaus überwacht, um gegebenenfalls neue Glutnester sofort zu eliminieren. „Die Überwachung erfolgt hier auch mit Wärmebildkameras“, fügt Bock hinzu. Auch wenn der Brand gelöscht ist: Der Schaden ist immens. Robert Leitl, Eigentümer einer Doppelhaushälfte, spricht von einem Totalschaden, eine geschätzte Viertelmillion Euro, entstanden durch den Brand und in der Folge auch durch das Löschwasser. Sein Gebäudeteil sei nicht bewohnt gewesen, es handle sich um einen Bau aus der Nachkriegszeit, Leitl nennt das Jahr 1947.
„Gott sei Dank blieb die Schreinerei verschont“, sagt Leitl zum erfolgreichen Löscheinsatz, der ein Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Gebäude verhindert habe. In der Schreinerei befinden sich nicht nur Maschinen, sondern auch Holz und daneben ein Spänebunker.
Brandursache unbekannt –
Kripo ermittelt
Zur Ursache des Brandes gibt es keine neuen Erkenntnisse. Während des Einsatzes am Morgen war von einem Küchenbrand die Rede. Die Kriminalpolizei ermittelt. Bürgermeister Alfred Lantenhammer ist natürlich über den Brand informiert, auch darüber, dass die beiden Bewohner, die offenbar alles verloren haben, zunächst im Krankenhaus behandelt worden seien. Inwiefern die Herrschaften externe Hilfe benötigen, sei bisher nicht klar.