Hündin Tessie ist der Star in der Grundschule

von Redaktion

Einst war sie ein Straßenhund aus Bosnien, heute ist Tessie der Star in einer Waldkraiburger Grundschule. Als ausgebildeter Schulhund sorgt die Hündin für eine entspannte Lernatmosphäre und lässt die Augen der Kinder glitzern.

Waldkraiburg – Daniel, Schüler der Grundschule 1b an der Beethovenstraße, bringt es auf den Punkt: „Tessie ist der beste Hund auf der Welt“. Und wer der Hundedame in die Augen schaut, kann Daniel nur schwer widersprechen.

Außerdem ist Tessie nicht irgendein Hund, sondern ein Schulhund mit guten Manieren, der seiner Besitzerin und Lehrerin Joanna Piekart zweimal pro Woche im Unterricht zur Seite steht.

Vom Straßenhund zum
Familienmitglied

Die „Liebesgeschichte“ zwischen Joanna Piekart und dem Mischlingshund begann vor rund zwei Jahren. „Als ich den Hund im Tierheim Pürten entdeckte, war ich sofort schockverliebt“, gesteht die Lehrerin und wird dennoch ein bisschen traurig. Sie kämpft sogar mit den Tränen, als sie vom Schicksal Tessies berichtet: „Der Hund war ein sogenannter Straßenhund und stammt aus Bosnien. Er war für die Tötungsstation vorgesehen“. Über eine Tierschutzorganisation konnte der Vierbeiner seiner grausamen Bestimmung jedoch entgehen und nach Bayern einreisen. Die Familie Piekart diskutierte daheim am Küchentisch die Frage, ob der Hund wirklich zur Familie und zu den zwei Katzen passe. Das Ergebnis war eindeutig: Ja, das Tier sollte ein Familienmitglied werden.

Schon bald stellte die Lehrerin fest, wie kinderlieb die Hundedame ist, die künftig auf den Namen Tessie hören sollte. Daher kam ihr der Gedanke, Tessie als Schulhund ausbilden zu lassen. Der Schulleiter gab sofort grünes Licht.

Doch einen Hund einfach mit in den Unterricht zu nehmen, funktioniert nicht ohne Weiteres. Es sind mehrere Hürden zu bewältigen, bis aus einem Hund ein Schulhund wird. Tessie musste unter anderem einen Wesenstest bestehen, und ihr Frauchen absolvierte über die Organisation Familienhund-Bavaria die unterschiedlichsten Seminare in Theorie und Praxis. Die Lehrerin ist nun im Besitz eines zertifizierten Hundeführerscheins. Tessie unterliegt einem strengen Hygiene- und Impfplan. Wie die Lehrkraft erläutert, wurden im Vorfeld die Eltern der Erstklässler eingebunden, ob Tessie den Unterricht bereichern darf, was befürwortet wurde.

Immer wenn ihr Frauchen dem schnuckeligen Vierbeiner das Halstuch „Schulhund Tessie“ umlegt, weiß das Tier genau: Heute geht es wieder zum Dienst. Tessie würde dann vor lauter Vorfreude wie eine Rakete ins Auto springen.

Die Lehrerin beobachtet seit Monaten: „Die Atmosphäre im Klassenzimmer verändert sich positiv, wenn der Hund dabei ist. Die Augen der Kinder glitzern förmlich, wir sind alle entspannter, mich eingeschlossen.“ Zur Vorbereitung auf den Unterricht mit Hund sind jeweils zwei Kinder eingebunden, die eine Decke ausbreiten und einen Wassernapf im Klassenzimmer aufstellen. An die Tür hängen sie ein Schild mit dem Hinweis „Wir haben heute Hundebesuch“. Tessie läuft auch nicht sofort mit der Lehrerin ins Klassenzimmer. Die Hundedame wartet in einem anderen Raum, bis sie vom Hausmeister gebracht wird.

Joanna Piekart hebt hervor: „Tessie ist kein Zirkushund, der Kunststücke macht, sondern ein pädagogischer Begleiter im Unterricht.“ Die Lehrerin ist überzeugt: Durch den Schulhund lernen Kinder Empathie sowie soziale Kompetenz. Gerade ängstliche Kinder könnten durch die ruhige Art des Hundes Vertrauen aufbauen und positive Erfahrungen sammeln. Allgemein heißt es, tiergestützte Pädagogik steigert die Motivation der Kinder, verbessert das Klassenklima und reduziert Stress.

Es kommt aber auch vor, dass Tessie selbst einmal eine kurze Pause braucht. „Das stellen die Kinder am Verhalten des Hundes fest. Wenn er sich mehrmals schüttelt, ist es so weit“, wissen Schüler und Lehrerin. Tessie sucht dann ihren Ruheplatz im Klassenzimmer auf.

Dass die Erstklässler den Schulhund lieben, muss an dieser Stelle eigentlich gar nicht erwähnt werden. Die Kinder überschütten Tessie mit Worten wie „süß“, „toll“, „niedlich“ und „super“. Ein Mädchen meint, es sei einfach wunderschön, während einer Schulstunde einen Hund streicheln zu dürfen. Und Tessie lässt die Streicheleinheiten gerne über sich ergehen.

Weitere Beiträge zum Thema „Leben & Lernen“ auf ovb-online.de

Artikel 1 von 11