Emotionaler Stabwechsel in Altmühldorf

von Redaktion

Mit einem emotionalen musikalischen Gruß und stehenden Ovationen verabschiedet die Blaskapelle Altmühldorf ihren langjährigen Vorsitzenden Sepp Bernhart. Nach 30 Jahren an der Spitze übergibt „Hoize“ sein Amt an seinen Nachfolger Stephan Schmid und leitet damit den Generationswechsel ein.

Ein Wirtshaus voller Musikanten, die ihrem „Hoize“ aufspielten. Fotos Enzinger

Mühldorf – Es ist Gänsehaut pur. Knapp 40 Musiker marschieren in den „Jettenbacher Hof“, füllen mit ihren Instrumenten die Wirtsstube und auch den Nebenraum und intonieren leidenschaftlich den österreichischen Marsch „Dem Land Tirol die Treue“. Nur der Text ist abgeändert: „Du bist der Sepp, doch für uns bleibst du da Hoize. Wir danken dir für all die Müh‘ und Plag. 30 Jahr hast du den Verein getragen, was du geschaffen hast, wird weitergemacht!“

Ein Ritterschlag für den Vorstand, Josef Bernhart, genannt auch „Hoize“, der 30 Jahre lang die Blaskapelle an deren Spitze geprägt hatte. Jetzt hat er seinen Platz frei gemacht für die Jüngeren im Verein. Für seine Arbeit gibt es stehende Ovationen.

„Sepp, schau Dich um! 90 Prozent der Musiker, die hier stehen, hast Du zur Blaskapelle gebracht. Das ist alles Dein Verdienst!“ Stephan Schmid, der nur wenige Minuten zuvor zum neuen Vorsitzenden der Blaskapelle Altmühldorf gewählt worden war, konnte es gar nicht besser veranschaulichen, was Bernhart in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Verein auf die Beine gestellt hatte. Schmid sprach von „außergewöhnlichem Engagement, Weitblick und unermüdlichem Einsatz“, den Bernhart in all den Jahren an den Tag gelegt hätte.

„Mit Deinem persönlichen Einsatz in der Ausbildung, von der Koordination über den engen Austausch mit Schülern und Eltern bis hin zur Gründung der Bläserklasse, hast Du den Grundstein für unsere nachhaltige Nachwuchsarbeit gelegt“, so Schmid in seiner Laudatio an den scheidenden Vorsitzenden, dem er anschließend eine Urkunde überreichte.

Eine Urkunde gab es auch für die Gattin von Sepp Bernhart, Marille Bernhart, die Schmid als „unverzichtbare Stütze“ adelte. „Mit Deiner Beharrlichkeit, Deiner Stärke und Deinem großen Herzen hast Du ihm den Rücken freigehalten und damit maßgeblich dazu beigetragen, dass er seine Aufgabe in dieser Form ausführen konnte“, so Schmid.

Die „unverzichtbare
Stütze“

Vorher hatte Sepp Bernhart seine letzte Versammlung als Vorstand eröffnet und war dabei akribisch genau auf das vergangene Vereinsjahr – das 47. im 163. Jahr des Bestehens der Blaskapelle – eingegangen. 322 Mitglieder, darunter 210 Fördermitglieder, bilden das Fundament des Vereins. Zwölf passive Mitglieder (ehemalige Musiker), 41 aktive Musiker und sogar 59 Jungmusiker zählt der Verein.

Alles maßgeblich das Ergebnis des unermüdlichen Dirigenten der Jugendkapelle Josef Terre, der sich seit 25 Jahren um die solide musikalische Basis kümmert. Eine Kostprobe ihres Könnens gab in der Versammlung sogar die Vorjugendkapelle. Lampenfieber? Fehlanzeige.

Kirchliche und weltliche Anlässe seien es gewesen, zu denen die Blaskapelle den musikalischen Teil beigetragen habe. Vom Gedenkgottesdienst für verstorbene Vereinsmitglieder über Fronleichnam hin zu Allerheiligen und Volkstrauertagen und dem Weihnachtsblasen. Zu den Höhepunkten im zurückliegenden Vereinsjahr zählte Bernhart das Neujahrskonzert, das Sommerfest im Juli (in diesem Jahr am 18. Juli) und den Ausflug im Oktober ins spanische Santa Susanna, wo die Kapelle das dortige Oktoberfest musikalisch bereichert hatte.

Als eine Herausforderung bezeichnete Bernhart die geplanten Sanierungsarbeiten an der Altmühldorfer Grundschule und Turnhalle. Gespräche bezüglich eines Umzugs in einen vorübergehenden Proberaum würden laufen.

Der musikalische Leiter, Stefan Freimann, erwähnte über 40 Auftritte, darunter Volksfeste, Firmenfeste und auch Fahnenweihen. Kleingruppen seien ebenso gefragt wie die Aktiven als Turmbläser. Wenn er die Probenarbeit dazuzähle, verginge kaum eine Woche, in der sich die Musiker nicht treffen würden. Er könne sich auf engagierte Musiker verlassen.

„Wir sind brutal gut aufgestellt“, meinte er dazu und würdigte im selben Atemzug das Wirken von Sepp Bernhart. „Wir haben mittlerweile mehr Junge bei den Aktiven, die fleißig in die Proben gehen. Sie tragen das BKA-Gen in sich, was auch Dein Verdienst ist“, so Freimann. Dieses BKA-Gen (BKA für Blaskapelle Altmühldorf) bekommt man zu spüren, wenn man sich die Auftritte der Terre-Jugend am Sommerfest, beim Neujahrskonzert, in Seniorenheimen oder beim Slackline-Event in Mühldorf angesehen hat, erwähnte Jugendvertreter Manuel Kapsegger nur einige der Auftritte.

Im Jugendhaus Münchham habe sich der Nachwuchs ein komplettes Wochenende auf das Neujahrskonzert vorbereitet. „Das schweißt zusammen. Der Spaß ist nicht zu kurz gekommen!“ 36 Musiker zählt die Jugendkapelle, 21 die sogenannte „Vor-Jugendkapelle“. Es sei geplant, in Mößling wieder eine Bläserklasse zu installieren.

Einige Neuerungen brachte die Wahl der Vorstandschaft: Stefan Schmid tritt als Vorsitzender die Nachfolge von Sepp Bernhart an. Michael Woidich bleibt Zweiter Vorsitzender, Lea Schneider ist die Nachfolgerin von Alex Ring auf dem Schriftführerposten. Christoph Hein bleibt weiter Kassier, Stefan Freimann musikalischer Leiter. Als Jugendleiter fungiert Manuel Kapsegger, Jugendvertreter ist Tobias Stadler. Dem Vereinsausschuss gehören an: Amelie Forster, Andreas Spitlbauer, Anna Guggenberger, Georg Stenger und Sabine Ring. Kassenprüfer sind Josef Penzenstadler und Johanna Baier. In seinem Schlusswort betonte Bernhart: „Ich kann voller Stolz sagen: Ich kann aufhören.“ Denn es gehe weiter mit vielen jungen Leuten. Seiner Frau Marille dankte er, dass sie ihm in all den Jahren stets den Rücken freigehalten habe. Und dann fügte er noch hinzu: „Ich bin ja nicht ganz weg. Ich bin immer da zum Mithelfen, wenn ihr mich braucht!“

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