Gefahr unter der Erde

von Redaktion

Erneuter Bombenfund am Bahnhof Mühldorf

Mühldorf – Absperrungen, Zugausfälle, hohes Aufkommen an Polizeikräften: Dieser Spuk, der in Mühldorf nicht selten vorkommt, war dieses Mal nur ein kurzer: Nach der Alarmierung gegen 17.20 Uhr wurde der Zugverkehr am Dienstag (12. Mai) schon um 19.40 Uhr wieder freigegeben. Die Bombe, 50 Kilogramm schwer, hatte keinen Zünder mehr, stellte der Sprengmeister mit seinem Team vor Ort fest.

Trotzdem gab es einen Großalarm: die Landes- und Bundespolizei war laut Landratsamt im Einsatz, der Kommandant der Feuerwehr Mühldorf informiert, Stadt und Landratsamt befanden sich in Habachtstellung, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Hunderte Menschen hätten hier evakuiert werden müssen, wenn die Bombe noch Sprengkraft gehabt hätte. Der Kampfmittelräumdienst benötigte laut Landratsamt für die Sondierung der Lage einen 100-Meter-Radius.

Entdeckt worden war der Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg bei Baggerarbeiten in der Nähe des Bahnhofs, wie schon mehrfach in den vergangenen Jahren. 2021 beispielsweise war es gleich zweimal vorgekommen, 2025 einmal. Mal waren es kleinere, mal große Sprengkörper. Im November 2021 war dieser 500 Kilogramm schwer, 3800 Menschen mussten damals den Bereich verlassen.

Die Bevölkerung ist sensibilisiert, sogar die jungen Leute, die mit dem Zweiten Weltkrieg in der Regel nur wenig anfangen könnten. Beispiel Heldenstein: Hier hatten Kinder im Lauterbach einen Gegenstand entdeckt, ihre Eltern informiert, die die Polizei Mühldorf riefen. Es handelte sich um ein altes Bauteil. Doch das Verhalten der Kinder und ihrer Eltern wurde ausdrücklich als richtig gelobt. Denn die Gefahren lauern auch 80 Jahre nach Kriegsende nach wie vor im Erdreich. 1944 und 1945 wurden auf Mühldorf rund 6000 Bomben abgeworfen, weiß das Landratsamt. Experten würden davon ausgehen, dass rund 30 Prozent davon nicht explodiert seien. Blindgänger, die bis heute eine Gefahr darstellen.

Die Kreisstadt ist gut vorbereitet auf Bergung und Entschärfung. Es gibt eine Koordinierungsgruppe beim Landratsamt, die gefährliche Lagen dieser Art abarbeitet. Sie war auch diesmal vorsorglich informiert worden, ein Einsatz jedoch am 12. Mai nicht notwendig, weil das Sprengkommando München bald Entwarnung geben konnte. Grundsätzlich handelt sich bei einer derartigen Lage vorwiegend um einen Polizeieinsatz, so das Landratsamt. Erst wenn umfassende Evakuierungsmaßnahmen erforderlich werden, sind die örtlichen Einsatzkräfte zu alarmieren, teilt die Behörde weiter mit. Die betroffenen Anwohner und Reisenden am Bahnhof reagierten „ruhig und diszipliniert“, berichtet das Landratsamt.

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