„Gomphis“ Rückkehr

von Redaktion

Der berühmte Mühldorfer Urelefant ist zurück. Nach Jahrzehnten im Depot widmet das Geschichtszentrum dem Koloss, der vor zwölf Millionen Jahren lebte, eine eigene Dauerausstellung. Besucher erfahren alles über den sensationellen Fund von 1971.

Mühldorf – Warum soll ein Haus nicht vorzeigen, was es hat, dachte sich Korbinian Engelmann, Leiter des Geschichtszentrums mit Museum, und holte passend zum internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai, den berühmten Urelefanten von Mühldorf wieder aus der „Kiste“. Wie Engelmann mitteilte, lagerte ein Teil-Abguss des Bullen, der vor rund zwölf Millionen Jahren lebte, schon seit Jahrzehnten im Museum, war aber aus den Ausstellungsräumen verschwunden. Weil die Museumsmitarbeiter von Besuchern häufig angefragt werden, warum denn der Koloss nicht mehr zu betrachten sei, machte sich Engelmann mit einem Team daran, dem Urelefanten jetzt eine eigene Dauerausstellung zu widmen.

Die Geschichte des Mühldorfer Rüsseltieres begann im September 1971, als Angler am Inn bei Gweng große Knochen und Zähne entdeckten. Den sensationellen Fund meldeten die Männer dem Paläontologischen Institut der Universität München. Der Zufallsfund stieß dort auf großes Interesse. Bereits im Oktober starteten erste Ausgrabungsarbeiten.

Gefunden wurde schließlich ein beinahe vollständiges Elefantenskelett des Gomphotherium, einem Vorfahren unseres heutigen Elefanten. Die Bergung der Knochenteile gestaltete sich schwierig, was auch in der Museumsausstellung Thema ist. Seit vielen Jahren befindet sich das Fossil in detaillierter wissenschaftlicher Bearbeitung. Seitdem ist der Mühldorfer Urelefant als Gomphotherium von Gweng unter Experten weltweit bekannt und nimmt einen herausragenden Platz in der Wissenschaft ein. Im Jahr 2013 stieg der Koloss sogar zum Fossil des Jahres auf. Im Lichthof des Paläontologischen Museums München steht ein naturgetreuer Skelettabguss. Man muss aber nicht unbedingt nach München reisen; auch im hiesigen Museum erfahren Besucher alles rund um den imposanten Urelefanten sowie um einen weiteren Fund, der am Inn bei Ebing im Jahr 1970 gemeldet wurde. Dort spürte ebenfalls ein Angler ein beeindruckendes Unterkiefer und Stoßzähne eines Deinotheriums auf. Dem Mühldorfer Bullen, der den Namen „Gomphi“ trägt, begegnet der Besucher im Museum nun auf Schritt und Tritt. Die Fundgeschichte und die Arbeit der Paläontologen sind anschaulich erläutert. Besonders informativ und auch für Kinder bestens geeignet ist ein Kurzfilm über „Gomphi“, den Korbinian Engelmann mit dem Waldkraiburger Filmemacher Sebastian Harrer realisierte. Im Museum sind darüber hinaus Fotos von den Bergungsarbeiten ausgestellt. Auf einem Bild ist ein etwa zwölfjähriger Bub abgelichtet, und hier hätte Engelmann einen ganz großen Wunsch: „Vielleicht finden wir den Burschen, der in den 1970er-Jahren die Ausgrabungen beobachtete. Ich würde gerne mit ihm sprechen, wie er dieses Ereignis seinerzeit erlebte.“ Eventuell entdeckt sich der Bub, der jetzt natürlich längst ein Mann ist, selbst, oder aber jemand erkennt den Knaben von früher. Das Museum nimmt Hinweise gerne entgegen. Was die Kinder in Mühldorf und Umgebung bestimmt begeistern wird: Das Museum bringt in diesem Jahr beim Ferienprogramm den Urelefanten ins Spiel. Bei Museumspädagogin Michaela Degenhardt können sich die Kinder den Mühldorfer Urelefanten per Linoldruck auf T-Shirts oder Täschchen mit nach Hause nehmen.

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