Mühldorf/Aschau – „Bayern ist Europameister der Digitalwirtschaft“ – mit dieser Botschaft war Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring kürzlich zu Gast in Mühldorf. Mehring lobte dabei nicht nur die wirtschaftliche Stärke des Freistaats, sondern auch die Innovationskraft vieler Unternehmen im ländlichen Raum. Gerade abseits der Großstädte entstünden zunehmend digitale Vorreiter, die mit neuen Technologien arbeiten und Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz vorantreiben.
Dabei hat der Minister die Firmen Shytsee in Aschau und Pixx.io in Mühldorf besucht. „Wir wollten einfach mal zeigen, welch innovative Unternehmen wir hier auf dem Land haben“, sagte Landtagsabgeordneter Markus Saller (Freie Wähler), auf dessen Initiative der Besuch zustande kam.
Shytsee entwickelt nach eigenen Angaben digitale Lösungen und Software-Anwendungen für Unternehmen und setzt dabei auf moderne Technologien zur Prozessoptimierung und Digitalisierung. Bei Pixx.io, einem auf Digital Asset Management spezialisierten Unternehmen, informierte sich der Minister über innovative Lösungen zur Verwaltung und Organisation von Bild- und Mediendaten für Unternehmen und Agenturen.
Wie digital sind Kreis-
und Stadtverwaltung?
Doch wie digital sind Kreis- und Stadtverwaltung? Und welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in den Behörden im Landkreis Mühldorf? Die OVB-Heimatzeitungen und innsalzach24 haben beim Landratsamt und Rathaus nachgefragt.
Mühldorfs Bürgermeisterin Claudia Hungerhuber und Landrat Max Heimerl sind in ihrem Arbeitsalltag im Positiven wie Negativen konfrontiert mit den neuen digitalen Möglichkeiten. Was bedeutet das für die Stadt und den Landkreis? Bayern wird digitaler – und Mühldorf? Werfen wir einen Blick ins Landratsamt und ins Rathaus: Dort ist künstliche Intelligenz längst kein Zukunftsthema mehr. Von automatisierten Postfächern über intelligente Rechtsrecherche bis hin zu einem geplanten KI-Voicebot arbeiten die Behörden konkret an digitalen Lösungen für den Verwaltungsalltag, teilen sie auf Anfrage mit.
Das Landratsamt Mühldorf beschäftigt sich seit Längerem mit dem Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung. Die Behörde hat sich nach eigenen Angaben als Ziel gesetzt, Prozesse effizienter zu gestalten und gleichzeitig Datenschutz sowie Transparenz sicherzustellen.
Bevor KI-Systeme überhaupt eingesetzt wurden, schuf das Landratsamt vorsorglich interne Regeln für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang. In einer Dienstanweisung ist festgelegt, welche KI-Anwendungen genutzt werden dürfen, wie mit sensiblen Daten umzugehen ist und dass KI-generierte Inhalte immer von Mitarbeitenden geprüft werden müssen.
Beschäftigte greifen auf die sogenannte „BayernKI“ zurück. Damit werden sie bei Textkorrekturen, Zusammenfassungen, Recherchen oder beim Erstellen von E-Mail-Entwürfen und Bildern unterstützt. Auch frei verfügbare KI-Modelle dürfen für unkritische Aufgaben genutzt werden, sofern keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden. „Wir wollen die Chancen der Digitalisierung aktiv nutzen, statt Entwicklungen nur abzuwarten“, erklärt Landrat Max Heimerl. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels kann KI dabei helfen, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Routineaufgaben spürbar zu entlasten.“
Zusätzlich arbeitet das Landratsamt mit dem bayerischen Innovationsring an speziellen KI-Anwendungen für Kommunen. Geplant sind unter anderem Systeme, die eingehende Anträge automatisch auf Vollständigkeit prüfen oder digitale Post eigenständig den richtigen Fachstellen zuordnen. „Viele Bürgerinnen und Bürger erwarten heute schnelle und unkomplizierte Abläufe – auch im Kontakt mit Behörden“, sagt Heimerl. „KI kann uns dabei unterstützen, Verwaltungsprozesse moderner und serviceorientierter zu gestalten, ohne dabei den persönlichen Ansprechpartner zu ersetzen.“
Auch in bestehenden Fachprogrammen kommt KI bereits zum Einsatz. So unterstützen intelligente Suchfunktionen in juristischen Datenbanken wie dem Schweizer Mediacenter oder Beck-Online die Mitarbeitenden bei komplexen Rechtsfragen.
Für das dritte Quartal 2026 plant das Landratsamt außerdem einen KI-gestützten Voicebot im Bürgerservice. Dieser soll künftig einfache telefonische Anfragen rund um die Uhr beantworten können – etwa zu Öffnungszeiten oder Zuständigkeiten – und Anrufer bei komplizierteren Anliegen direkt an die passende Stelle weiterleiten.
Datenschutz, Transparenz
und menschliche Kontrolle
Während das Landratsamt bereits konkrete KI-Projekte verfolgt, geht die Kreisstadt Mühldorf derzeit noch vorsichtiger vor. KI wird in der Stadtverwaltung punktuell genutzt. Grund dafür seien vorrangig rechtliche Unsicherheiten rund um Datenschutz und den Umgang mit KI-Systemen, die derzeit viele Verwaltungen in Bayern beschäftigen würden. Bürgermeisterin Claudia Hungerhuber erkennt dennoch großes Potenzial: „In den kommenden Jahren wird der Einsatz von KI sicherlich auch in unserem Rathaus zunehmen. Dabei wird es im Kern darum gehen, Informationen schneller und besser zu verarbeiten und Abläufe zu beschleunigen.“
Gleichzeitig betont sie die Rolle der Mitarbeitenden: „Wichtig für mich ist, dass der KI-Einsatz sowohl den Bürgern als auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen spürbaren Nutzen bringt. Die hohe Qualität unserer Verwaltung liegt an den Menschen, die bei uns arbeiten. KI soll und wird ihnen die Arbeit erleichtern, aber am Ende wird es auch in Zukunft auf das Wissen und die Entscheidungskompetenz unseres Personals ankommen.“
Auch Landrat Heimerl unterstreicht diesen Ansatz: „Datenschutz, Transparenz und die menschliche Kontrolle stehen für uns immer an erster Stelle. KI soll unterstützen – Entscheidungen treffen weiterhin Menschen.“