Der Banküberfall heißt heute Cyberattacke

von Redaktion

Bayerns Digitalminister Fabian Mehring war zu Gast im Landkreis Mühldorf, um die digitale Zukunft im ländlichen Raum zu diskutieren. Er besuchte innovative Unternehmen und sprach über Cyberkriminalität, Homeoffice sowie die Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz.

Mühldorf/Aschau – Markus Saller (Landtagsabgeordneter Freie Wähler) hatte den Digitalminister Dr. Fabian Mehring im Rahmen seines Projekts „Hidden Champions“ in den Landkreis Mühldorf eingeladen. Dabei besuchte er die Content- und Kommunikationsfirma Shytsee in Aschau und das Softwareunternehmen pixx.io. Wir haben die Chance genutzt und mit dem Minister über die Digitalisierung auf dem Land gesprochen.

Fabian Mehring betont im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, dass es wichtig sei, zu verstehen, an welchem Punkt man heutzutage stehe: „Jährlich gibt es fast 200 Milliarden volkswirtschaftliche Verluste in Deutschland wegen Lücken in der Cybersicherheit. Und das wird jedes Jahr mehr. Der Banküberfall von früher ist die Cyberattacke von heute, der Enkeltrick die Phishing-Mail.“ Man müsse sich also anpassen und sich zusammen mit dem Internet weiterentwickeln.

„Das Rathaus aus
der Hosentasche“

Bayern ist Europameister der Digitalwirtschaft. „Man kann aber noch besser werden. In den vergangenen drei Jahren haben wir Bayern aus seinem digitalen Dornröschenschlaf wachgerüttelt. Wir haben Chancen, damit gegen die Bürokratie, gegen die Demografie und gegen die Bürokratie vorzugehen.“ Mehring wirft Gedanken wie „die digitale Mitmachdemokratie“ und somit „das Rathaus aus der Hosentasche“ in den Raum, die Bayern auch in den ländlichen Regionen unterstützen.

Deshalb auch die Einladung seines Landtagskollegen Markus Saller. Er lud den Minister ein, den Stand der Digitalisierung im ländlichen Raum Mühldorf zu prüfen. „Unser Land hat nichts davon, wenn sich alles im Münchner Speckgürtel konzentriert, wo jeden Tag zweimal der Verkehr zusammenbricht und sich nur noch Vorstände eine Drei-Zimmer-Wohnung leisten können. Wir müssen schaffen, Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze in alle Regionen Bayerns zu bringen. Ebenso wichtig ist, zu dezentralisieren.“ Damit sticht der Minister ein Thema an, das immer mehr, sogar auf dem Land, bekannt wird. Arbeiten von „Dahoam“, ohne eigenes Büro. Somit würden sich Unternehmen nicht mehr an nur einen Standort binden. Man könne theoretisch von überall auf der Welt aus arbeiten und so die bayerischen Unternehmen stärken.

Um ein Beispiel zu nennen: Die Firma Pixx.io im Bahnhofsareal Mühldorf setzt auf „Remote-first“. Das Unternehmen mietet Büros in München und im Saarland und hat den Hauptsitz in Mühldorf zur Verfügung. Trotz der Entfernung können alle Mitarbeiter, sei es von zu Hause oder von einem externen Büro aus, zusammenarbeiten. Trotz der wachsenden Pluspunkte dieses Modells bevorzugt das Mühldorfer Digital-Unternehmen eine Mischform: Die Mitarbeiter sind nicht ans Büro gebunden, werden aber durch neu geschaffene, moderne Co-Working-Spaces oder Benefits wie Pizzatage oder die Büroküche, dazu eingeladen.

Künstliche Intelligenz (KI) ist für Pixx.io nach Angaben von Gründer Richard Michel ein großer Pfeiler, um eine große und vielfältige Anzahl an Dateien zu organisieren und zu sortieren, und sie kann ein hilfreiches Werkzeug sein. Doch das Unternehmen in Mühldorf hat auch seine Probleme damit: Für den Anbieter für Digital Asset Management (DAM) ist KI gleichzeitig große Chance und ernsthafte Bedrohung. Die Risiken betreffen nicht nur Technologie, sondern auch Geschäftsmodell, Recht, Vertrauen und Marktposition.

Wie für den privaten User auch, ist der Umgang mit Daten im Netz noch nicht ausgereift, so Richard Michel, Geschäftsführer von pixx.io. Das potenziere den Konkurrenzdruck in die Höhe. Und damit die Angst vor rechtlichen Schwierigkeiten. Durch den Berg an Daten, der im Netz kursiert, kann es manchmal vorkommen, gerade bei KI-generierten Assets, dass die Urheberrechte verschwimmen oder nicht mehr nachvollziehbar sind. Um dies zu umgehen, nutzt das Unternehmen eine amerikanische Cloud, die Daten des Betriebs und der Kunden schützen soll. Das Unternehmen habe aber auch schon mit einem anderen großen Cloud-Anbieter zusammengearbeitet (der zur Sicherheit anonym gehalten wird), wo beinahe Informationen bis nach China gelangt wären, beteuert Michel. Mehring bestätigt, dass Bayern und Europa sich selbst ausrichten müssten, um Daten und den Umsatz lokal zu belassen. „Für mich passiert’s noch viel zu oft, dass Unternehmen, wenn sie stark anwachsen, nach China oder in die USA verkauft werden.“ Und das müsse man ändern und die Ideen vor Ort kommerzialisieren.

Artikel 8 von 11