Mühldorf – Drei Schüler der indischen Austauschgruppe, die zwei Wochen lang am Ruperti-Gymnasium in Mühldorf zu Gast waren, standen am Ende des Aufenthalts Rede und Antwort über ihre Eindrücke und Erlebnisse.
Sie haben an einem abwechslungsreichen Programm aus Schulbesuch und Ausflügen teilgenommen, so etwa zum Chiemsee, zum Obersalzberg mit dem Dokumentationszentrum und dem Kehlsteinhaus (für manche der erste Schnee ihres Lebens) sowie nach München mit Parlamentsbesuch und Stadtführung. Sie haben 14 Tage in einer bayerischen Gastfamilie gelebt und auch mit dieser individuell noch einiges unternommen.
Was war das Überraschendste, was war beziehungsweise ist wirklich ganz anders als in Indien? Da müssen Jeni, Neel und Pranav nicht lange überlegen und sind sich völlig einig: „Der Straßenverkehr!“ Es ist weniger der Unterschied zwischen deutschem Rechts- und indischem Linksverkehr, auch wenn das zunächst für Desorientierung sorgte, „sondern die Rücksichtnahme“, so Neel, „und auf der Autobahn gibt es nicht einmal eine Geschwindigkeitsbegrenzung und man fühlt sich doch sicherer. Keiner will der Erste sein und jeder trägt den Sicherheitsgurt.“
„Man hält sich
an die Regeln“
Das sieht Jeni genauso: „Man hält sich an Regeln, alles wirkt kontrolliert und organisiert – und man lässt Fußgängern den Vortritt!“ Wer einmal als Deutscher den Straßenverkehr in einer indischen Millionenstadt wie Chennai – von dort kommen die drei – erlebt hat, wird umgekehrt das Gleiche sagen: Der indische Straßenverkehr ist ein Kulturschock, eine Mischung aus Lkw, Personenwagen, Tuk Tuks und jeder Menge Zweirädern wälzt sich unter ständigem Hupen lawinenartig chaotisch dahin, es wird wie wild links und rechts überholt, alles nach der Devise: „Wer anhält, verliert!“
In Indien ist das Zu-Fuß-Gehen als Fortbewegungsform eher unüblich, war beim Aufenthalt in Bayern aber immer wieder gefordert. „Das ist anstrengend für uns, und Gehen gilt in Indien als Fitnesstraining“, sagt Neel. Die anderen ergänzen, dass die Straßen- und Verkehrsverhältnisse in Indien auch eher so seien, dass man aus Sicherheitsgründen lieber das Auto nehme.
Damit sind wir bei einem weiteren großen Unterschied, der den dreien aufgefallen ist: Es gebe überall Gehwege, alles sei ordentlich angelegt, die Gebäude seien gepflegt, besonders schön seien die Stadtplätze. Und dann der Satz, den man von einem Atheisten und zwei Hindus wohl nicht erwartet hätte: „Das Schönste sind die Kirchen!“, ist man sich einig und schwärmt geradezu ausgiebig von ihrer unterschiedlichen Architektur und vor allem von der schönen Innenausstattung, insbesondere den bunten Malereien, die eine großartige Atmosphäre schaffen würden.
„Das Essen hat
wenig Aroma“
Der nächste Unterschied, den die drei hervorheben, verwundert allerdings nicht: „Das Essen in Bayern hat wenig Aroma!“ Verständlich, wenn man extreme Würze und Schärfe gewöhnt ist, da werden feinere Nuancen weniger wahrgenommen. Ungewohnt auch das viele Brot in Deutschland, in Indien wird nicht nur zu Mittag, sondern auch zum Frühstück und beim Abendessen immer warm gegessen – was wiederum Deutsche als ungewohnt erleben.
Neel, Pranav und Jeni sind sich auf jeden Fall einig: Sie haben, einschließlich Schweinefleisch, sehr viel in Deutschland probiert, sehnen sich aber zurück nach der indischen Küche, wobei auch bei ihnen zu Hause nicht mehr mit der Hand, sondern ebenfalls mit Besteck gegessen wird.
Etwas anderes hat deutlich mehr Anklang gefunden und da würde man durchaus gerne etwas mit nach Hause nehmen: „The Germans call it ‚lüften‘“, sagt Jeni und lacht. Man kann das Fenster aufmachen und frische, saubere Luft kommt herein, ohne den Raum aufzuheizen.
In Indien läuft im Haus und vor allem im Auto ständig die Klimaanlage und so bleiben die Fenster permanent geschlossen. Pranav bestätigt, dass auch für ihn das Klima sehr angenehm ist, schon kühl, aber in Indien sei es fast ständig heiß und feucht. Alle drei meinen, dass die Temperaturen zu Hause inzwischen oft unerträglich sind.
Auch die deutsche Schule finden sie nicht so schlecht: „Der Unterricht ist effizienter, es gibt mehr Tests, auch mündlich, man lernt regelmäßiger und mehr als bei den Tests in Indien, die alle zwei Monate stattfinden“, räumt Neel unumwunden ein.
Und noch etwas ist ihnen aufgefallen: Das gute Miteinander im Ort, man kennt sich, grüßt sich, unterhält sich, man wird angesprochen, wobei es zu bedenken gilt, dass das in einer Großstadt wie München sicherlich auch anders ist.