Präsidialer Glanz für das Ehrenamt

von Redaktion

Hoher Besuch in der Gemeinde Aschau im Chiemgau: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geht im Priental wandern und wirbt zusammen mit Alpenverein und Bergwacht fürs Ehrenamt. Warum sich daraus auch Folgen für die Bundeswehr ergeben könnten.

Der Bundespräsident mit Frau im Kreise der Wirtsfamilie Lohrmann an der Priener Hütte. Links im Bild Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt.Foto Weiser

Aschau im Chiemgau – Die Sonne lacht, Frank-Walter Steinmeier strahlt und breitet die Arme aus. „Wir lieben die Einsamkeit hier“, sagte er und löst Gelächter aus. Um ihn rum, am Weg und an den Hängen unterhalb der Priener Hütte, stehen Bergretter, Funktionäre des Deutschen Alpenvereins, Polizeibeamte und Journalisten zu Dutzenden. Dazu neugierige Wanderer – jeder will einen Blick auf den Bundespräsidenten erhaschen. Das muss einen doch nerven. Frank-Walter Steinmeier aber ist offensichtlich bester Stimmung.

Kürzlich den
Dachstein bestiegen

Kaum ein Wölkchen am Himmel, von den Zacken und Rinnen des Wilden Kaisers leuchtet noch immer der Schnee, die Berge rund ums Priental bei Aschau präsentieren sich beim Mitmach-Termin des Staatsoberhaupts im Hochglanzformat. Ein schöner Termin, schließlich mag Steinmeier die Berge offenbar wirklich. Vergangenes Jahr habe er den Dachstein bestiegen, erzählt er dem DAV-Präsidenten Roland Stierle bei einer Rast an einer kürzlich wieder instand gesetzten Brücke.

Auch seine Frau Elke Büdenbender lässt Neigung zu den Bergen erkennen, wenngleich sie Klettersteige lieber vermeide, wie sie sagt. Die beiden haben auch einen Bezug zur Region. Sie haben Bekannte in Kirchanschöring, die sie öfter besuchen. Seinen Wunsch, den Ehrenamtlichen des DAV mal beim Wegebau über die Schulter zu schauen, habe Steinmeier geäußert, als er zu Weihnachten die Messe in Altötting besuchte, erzählt DAV-Chef Stierle dem OVB-Reporter. So habe sich schließlich der präsidiale Abstecher zum Geigelstein ergeben, organisiert von DAV und Bergwacht Prien.

Die Berge sind das eine. Das Ehrenamt das andere. Steinmeier kann bei diesem Termin im Priental das eine trefflich mit dem anderen verbinden. Am Wanderparkplatz Geigelstein empfängt ihn unter anderem Wast Pertl aus Sachrang, der ihm vom Vereinsleben des Bergsteigerdorfs berichtet: 20 Vereine bei nur 700 Einwohnern! Sie alle tragen zu einem „funktionierenden Dorfleben“ bei, sagt Pertl und zeigt sich wohlinformiert. „Sachrang ist so etwas wie das Brakelsiek des Voralpenlandes“, verkündet er in Anspielung an den Ort, in dem Steinmeier aufgewachsen ist.

Aschaus Zweiter Bürgermeister Michael Andrelang hat das Goldene Buch der Gemeinde mitgebracht, in das sich Steinmeier einträgt, gleich nach dem Autogramm von Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Andrelang lobt Steinmeiers Werbung fürs Ehrenamt. Wichtig sei das, denn in Vereinen sprächen die Menschen miteinander und hielten Kontakt. So werde das Gemeinwesen gefördert. „Eine Welt ohne Ehrenamt wäre eine traurige Welt“, sagt er.

Steinmeier und seine Frau wollen sich über eine der wichtigsten Tätigkeiten des DAV informieren: den Wegbau. Im Wald trifft er auf den Wegwart Hardi Perl und seine Helfer, die ein abgerutschtes Stück Weg neu anlegen. Steinmeier schleppt Steine, seine Frau Büdenbender schwingt die Spitzhacke und lockert das Erdreich in der Böschung auf. Arbeit, die in den Bergen mehr denn je wichtig ist. „Dürre und Starkregen machen uns bei den Wegen zu schaffen“, sagt Perl.

Der Klimawandel spielt bei diesem Werbe-Besuch eine wichtige Rolle. Denn noch so viel Engagement kann nicht verhindern, dass man manche Wege nicht mehr instand hält und aufgibt – die Kräfte sind eben begrenzt. Auch so manche Hütte werde man wohl aufgeben oder zum Schutzraum zurückbauen müssen, sagt DAV-Präsidiumsmitglied Annika Quantz, die Steinmeiers Worten genau gelauscht hat. Wassermangel sei ein zunehmend bedrohliches Problem, sagt sie. Alpen, das ist mehr als Hüttengaudi. Das weiß auch Sebastian Klinghardt, Forstbetriebsleiter am Forstbetrieb Ruhpolding. Er freut sich über Steinmeiers Werben für das Ehrenamt. Das Zusammenwirken ehrenamtlicher Kräfte im Kampf gegen den Waldbrand am Saurüsselkopf sei ein starkes Zeichen, wie wertvoll das Engagement von Feuerwehr, Bergwacht und DAV ist. „Ohne Miteinander geht es nicht“, sagt er. Oben kehren Steinmeier, Elke Büdenbender und Tobias Gotthardt, der eigentlich als Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium arbeitet und beim Steinmeier-Besuch die Staatsregierung vertritt, die Rinnen des Schlussabschnitts aus. Vor allem aber spricht Steinmeier viel: mit den Leuten von der Bergwacht, mit Wanderern, mit der Wirtsfamilie Lohrmann, die den Betrieb in der Priener Hütte das ganze Jahr hindurch führt. „Wir arbeiten Vollzeit und hängen danach noch ein Stückchen dran“, sagt Rosa Lohrmann und lacht. „Auch so etwas wie Ehrenamt.“

Worte an
die Nation

Und Steinmeier spricht zur Nation, sozusagen, in die Mikrofone der Presse. Es geht auch beim letzten Programmteil vorm Austausch bei Kaspressknödeln und Linseneintopf wieder ums Ehrenamt. Möglicherweise in einem sozialen Jahr, oder aber auch in Uniform. „Meine Vorstellung ist die, dass eigentlich jeder in Deutschland, Jung und Alt, einmal in seinem Leben ein paar Monate dem Gemeinwesen zur Verfügung stehen sollte“, sagt er. Das könnte wohl auch in der Bundeswehr möglich sein. Man sei in einem Prozess, in dem Freiwillige geworben werden. Ob darüber hinaus eine Wehrpflicht kommen müsse, um auf die Sollstärke von 260.000 Mann zu kommen, „das wird sich zeigen“.