Trotz Ärztemangel: Ärztin erlebt Odyssee

von Redaktion

Die Suche nach einem Hausarzt ist oft eine Odyssee. Für Patienten in Waldkraiburg gibt es nun gute Nachrichten: Dr. Sonja Gebhardt eröffnet eine neue Praxis und beendet damit auch ihre eigene monatelange Suche nach geeigneten Räumen.

Waldkraiburg/Mühldorf – Gute Aussichten für die Patienten in Waldkraiburg und Umgebung: Eine neue Hausarztpraxis ermöglicht bis zu 1.400 Patienten, einen neuen Arzt zu finden. Oder genauer: eine Ärztin. Für die Ärztin wie für die Patienten geht damit eine Odyssee zu Ende, wenn Dr. Sonja Gebhardt am Montag, 8. Juni, ihre neue Hausarztpraxis in der Adlergebirgsstraße aufsperrt.

Sechs Monate lang suchte die 44-Jährige in Mühldorf, bevor sie in Waldkraiburg fündig wurde. „Es war sehr schwierig, ein geeignetes Gebäude zu finden“, sagt sie. Gebhardt steht vor dem Mehrfamilienhaus in der Adlergebirgsstraße in Waldkraiburg, gleich neben dem Netto, ziemlich innenstadtnah. Dort wird sie in wenigen Tagen die ersten Patienten untersuchen. Obwohl es nicht ihre erste Wahl war, ist sie jetzt sehr zufrieden. Denn das Gebäude, in dem früher eine Frauenarztpraxis war, ist aus ihrer Sicht auch für eine Hausärztin perfekt.

Schwierige Suche
nach Praxisräumen

Gebhardt war Anästhesistin und Oberärztin im „InnKlinikum“ Altötting, bevor sie sich niederlassen wollte. Im Nachbarlandkreis, in dem sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt, gab es keine freien Arztsitze mehr. In der Stadt Mühldorf sind es dagegen elf. Und nur wo es freie Arztsitze gibt, darf sich eine neue Ärztin niederlassen – allem Ärztemangel zum Trotz.

Alles hat die 44-Jährige versucht, um in der Kreisstadt eine Praxis zu eröffnen. Sie kontaktierte Immobilienmakler, rief Bauträger an und studierte Anzeigen. Am Ende stand sie noch immer ohne Praxis da. „Wir hätten lange umbauen müssen oder die Angebote waren viel zu teuer.“ Sie spricht von Mietpreisen bis zu 17 Euro für den Quadratmeter. „Ich wäre gerne nach Mühldorf gegangen, aber es hat nicht geklappt.“ Auch die Stadtverwaltung Mühldorf konnte bei der Praxissuche nicht helfen.

Anders als in Mühldorf ist der Hausarztmangel in Waldkraiburg nicht ganz so ausgeprägt; es gab zuletzt nur 1,5 freie Sitze. Dafür aber konnte eine Immobiliengesellschaft ihr ein geeignetes Gebäude anbieten. „Die Räume sind super geschnitten“, freut sich Gebhardt. Und deshalb dürfen sich die Waldkraiburger jetzt über eine neue Ärztin freuen.

Die Umbauarbeiten sind noch in vollem Gange. „Ich habe schon locker 100.000 Euro in Renovierung und Einrichtung gesteckt“, sagt sie.

Gebhardt spricht von einer „nervenzerreißenden Zeit“, weil sie bereits investieren musste, ohne den Zuschlag für den Arztsitz erhalten zu haben. „Ich war in Sorge, dass mir jemand den Sitz wegschnappt.“ Denn am Ende muss die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) der neuen Praxis zustimmen. Das unternehmerische Risiko wurde belohnt, die Genehmigung liegt seit dem 6. Mai vor.

Statistisch steht Waldkraiburg nicht schlecht da. Im Versorgungsatlas der KVB wird der Versorgungsgrad für Waldkraiburg, Aschau und Kraiburg mit 103,21 Prozent angegeben. Mit 18 Hausärzten liegt der Schwerpunkt in der größten Stadt des Gebiets. Für Aschau meldet die KVB drei, für Kraiburg vier Hausarztpraxen.

In ihnen arbeiten 25 Ärzte, sechs Frauen und 19 Männer. Elf sind über 60 Jahre alt. Damit liegt das Durchschnittsalter mit 57,8 Jahren leicht über dem Bayernschnitt mit 54,9. Eine junge Ärztin tut da gut. Aus ihrer Erfahrung weiß Gebhardt, dass es Hausarztpraxen gibt, die keine Patienten mehr aufnehmen. Sie sind voll, nicht alle Sitze besetzt oder ältere Ärzte reduzieren ihre Patientenzahl, um etwas kürzerzutreten. „Wir Jungen wollen wieder mehr haben“, sagt sie. In ihrer Praxis wäre sogar Platz für einen weiteren Arzt. „Ich würde perspektivisch gerne einen Kollegen finden.“ Aber zunächst geht es darum, genügend Patienten zu bekommen.

Bedarf gibt es in der Region jedenfalls genug. Denn im restlichen Landkreis Mühldorf ist die Situation weitaus schwieriger als in Waldkraiburg, Kraiburg und Aschau.

Außerhalb des Gebiets rund um Waldkraiburg gibt es nur in Schwindegg, Buchbach, Ampfing, Mettenheim, Neumarkt-St. Veit und Mühldorf Hausärzte. Zum sogenannten Versorgungsgebiet gehören auch Töging und Pleiskirchen. In dem gesamten Bereich arbeiten laut KVB 44 Hausärzte für knapp 80.000 Einwohner. Damit liegt der Versorgungsgrad bei 86,74 Prozent.

Und wer einen Hausarzt braucht, muss fahren – unter Umständen nach Waldkraiburg in die neue Praxis.

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