Waldkraiburg – Was lange währt, wird endlich gut: Dieses alte Sprichwort könnte über der Spatenstichfeier für das neue Baugebiet Waldkraiburg West stehen. Denn bis an der Von-der-Tann-Straße nun tatsächlich die Spaten in die Erde gestochen werden konnten, waren viele Jahre Planung, Abstimmung und auch manche schwierige Entscheidung nötig. Jetzt aber ist der Startschuss gefallen: In Waldkraiburg West sollen in den kommenden Jahren rund 140 Wohneinheiten entstehen – als Einzelhäuser, Doppelhaushälften und Dreispänner.
Erschlossen wird das Gebiet durch die Galneder Bau GmbH als privaten Erschließungsträger. Bauträger Konrad Galneder begrüßte bei strahlendem Sonnenschein zum offiziellen Spatenstich zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Kirche, Planung und Wirtschaft. Unter den Anwesenden waren Waldkraiburgs neuer Erster Bürgermeister Emil Kirchmeier, weitere Vertreter der Stadt, die stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag, Bezirksrätin Claudia Hausberger, Pfarrer Lars Schmidt sowie Grundstückseigentümer und Projektbeteiligte.
„Für uns als Bauträger ist dieser Tag etwas ganz Besonderes“, sagte Galneder. Nun beginne sichtbar, woran viele Menschen in den vergangenen Monaten und Jahren mit großem Engagement gearbeitet hätten, nämlich „die Entwicklung eines neuen Wohnareals, das schon bald vielen Menschen ein Zuhause bieten wird.“
Mehr als der Beginn
von Bauarbeiten
Ein solcher Moment sei mehr als der Beginn von Bauarbeiten, machte Galneder deutlich. Er sei „ein Zeichen von Fortschritt, von Vertrauen in die Zukunft und für das gemeinsame Engagement vieler Menschen“.
Hinter dem Projekt stünden viele helfende Hände – Planer, Handwerker, Verwaltung, politische Entscheidungsträger, aber auch Bürgerinnen und Bürger, die diesen Weg mitgingen. Ziel sei es, einen Ort zu schaffen, der „nicht nur funktional, sondern auch lebenswert ist – mit Raum für Begegnung, für Natur und für ein starkes Miteinander“.
Dem eigentlichen Spatenstich war allerdings ein langer Weg vorausgegangen. Bereits im Jahr 2016 wurden die Flächen gekauft und erste Gespräche mit der Stadt geführt. Danach waren umfangreiche Abstimmungen nötig, unter anderem mit den Naturschutzbehörden. In den Jahren 2018 und 2019 wurde eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung vorgenommen. Dabei ging es unter anderem um die Frage, welche geschützten Tier- und Pflanzenarten im Gebiet vorkommen könnten und welche Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen notwendig sind.
Anschließend begann die Ausarbeitung des städtebaulichen Vertrags. Dabei waren zahlreiche Fragen zu Gestaltung, Bebauungsplan und sozialer Bindung zu klären. Zwischenzeitlich stand das Projekt nach Angaben des Bauträgers sogar vor dem Aus, nachdem die Stadt im Jahr 2024 aufgrund finanzieller Engpässe die Erschließung nicht selbst durchführen konnte. Schließlich übernahm die Galneder Bau GmbH diese Aufgabe. Galneder dankte dabei besonders Stadtrat Wolfgang Hintereder, dessen Einsatz entscheidend dazu beigetragen habe, dass die Planungen weitergeführt werden konnten.
Am 17. Juni 2025 wurde der städtebauliche Vertrag im Notariat in Mühldorf unterzeichnet; im November 2025 wurde der Bebauungsplan rechtskräftig. Die Erschließungsarbeiten werden vom Ingenieurbüro Behringer geplant, geleitet und überwacht. Die Straßenbauarbeiten führt die Firma Brandl aus, die Kanalbauarbeiten übernimmt die Firma Hübl. Die Stadtwerke Waldkraiburg sind für die Verlegung von Fernwärme, Strom und Telekommunikation zuständig.
Erst die Erschließung,
dann die Häuser
Die vorläufige Kostenschätzung für die Erschließung liegt bei rund sieben Millionen Euro. Wenn die Arbeiten planmäßig verlaufen, könnte voraussichtlich im Sommer oder Herbst 2027 mit dem Bau der Häuser begonnen werden.
Bereits jetzt ist das Interesse an den Grundstücken groß. Viele Bürger sowie Familien aus der Region hätten sich frühzeitig über die geplanten Bauplätze informiert. Der Verkauf der Grundstücke wird über die Immobilienabteilung der VR-Bank Raiffeisenbank eG abgewickelt.
Eine Besonderheit ist die soziale Komponente bei einem Teil der Grundstücke: Diese sind an Einkommensgrenzen gebunden, damit auch Haushalte mit begrenzterem finanziellem Spielraum eine Chance erhalten. Diese sozial gebundenen Grundstücke sind nach Angaben der Verantwortlichen bereits vergeben.
Waldkraiburgs Bürgermeister Emil Kirchmeier hob die Bedeutung des neuen Baugebiets für die Stadt hervor. „Waldkraiburg braucht dringend Wohnraum“, sagte er. Die Stadt wachse weiter und werde auch künftig Menschen anziehen – nicht zuletzt wegen der starken wirtschaftlichen Entwicklung und der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Fachkräfte würden gesucht, und wer Fachkräfte gewinnen oder halten wolle, müsse mehr bieten als nur Arbeitsplätze.
„Heute schauen die Menschen sehr genau darauf, welche Infrastruktur, welche Lebensqualität und welches Umfeld sie an einem Ort vorfinden“, so der neue Bürgermeister. Waldkraiburg West, dies unterstrich Kirchmeier deutlich, stehe deshalb für Zukunft und Zuversicht. „Wer Fachkräfte will, muss nicht nur Infrastruktur schaffen, sondern auch Heimat bieten“, betonte der Bürgermeister. Umso wichtiger sei es, dass in dem neuen Baugebiet nicht nur Häuser entstehen, sondern auch Nachbarschaft und ein lebendiges Miteinander wachsen könnten. Kirchmeier dankte der Firma Galneder ausdrücklich für den Mut, als privates Unternehmen in dieser Größenordnung zu investieren. Die Stadt werde ihrerseits Sorge dafür tragen, dass der dringend benötigte Wohnraum so zügig wie möglich genehmigt und errichtet werden könne.
Auch die stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag würdigte das Projekt als starkes Signal für die Region. „Der heutige Spatenstich ist mehr als der Beginn eines neuen Baugebiets“, sagte sie. Er sei ein sichtbares Zeichen dafür, „dass sich der Landkreis Mühldorf dynamisch weiterentwickelt“. Waldkraiburg West stehe für „Zukunft, Wachstum und Zuversicht“ – und für Wohnraum, der dringend gebraucht werde.
Wirtschaftlich starke
Region im Südosten
Der Landkreis Mühldorf gehöre zu den wirtschaftlich starken Regionen in Südostoberbayern, betonte Preisinger-Sontag. Mittelständische Betriebe, leistungsfähiges Handwerk, moderne Landwirtschaft und international tätige Unternehmen prägten die Heimat. Gerade deshalb wachse auch der Bedarf an Wohnraum. „Wirtschaftspolitik bedeutet deshalb nicht nur, Gewerbeflächen auszuweisen“, sagte sie. „Wirtschaftspolitik bedeutet auch: Lebensqualität schaffen.“
Abgeschlossen wurde die Feierstunde mit einer kurzen Andacht von Pfarrer Lars Schmidt. Er erinnerte daran, dass ein Wohngebiet mehr sei als eine Ansammlung von Gebäuden. Wo Häuser entstehen, sollen auch Nachbarschaft, Gemeinschaft und Verantwortung füreinander wachsen.