Vergebliche Suche nach einem Nachfolger

von Redaktion

Seit 35 Jahren prägte Edi Steffen mit seinem Möbel- und Küchenstudio das Ortsbild von Erharting. Nun zieht sich der Unternehmer zurück, da er keinen Nachfolger für sein Geschäft finden konnte.

Erharting – Begonnen hat alles in den 1990er-Jahren eher zufällig. Eigentlich war Edi Steffen gelernter Schreiner und hatte zusätzlich den Industriemeister gemacht. Damals arbeitete er noch im Verkauf bei der Firma Burhenne, obwohl er sich selbst nie als „Büromensch“ sah, wie er im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erzählt.

Der entscheidende Impuls zur Selbstständigkeit kam durch eine Bekannte. „Die Wirtin vom M1, Tilly Spranger, hat mich im Lokal angesprochen, ob ich eine Holzwand reparieren könnte.“ Edi sagte zu – doch für die Rechnung musste er erst ein Gewerbe anmelden. Also machte er genau das. „1991 war das. Damit hat alles begonnen!“

Ersten Lohn gleich
mal investiert

Die Reparatur war echte Handarbeit. Steffen schüttelt belustigt den Kopf, wenn er erzählt, wie er damals seinen ersten Auftrag erledigt hat. Denn Werkzeug besaß er kaum: lediglich zwei alte Schraubenzieher seines Großvaters. Er schleppte also die kaputte Holzkonstruktion in seine damalige Wohnung in der Mulfingerstraße. „In den dritten Stock“, seufzt er heute noch. Dort reparierte er das Stück und transportierte es anschließend zurück zur Kundin. „Auf dem Autodach festgezurrt!“

Von der Kundin ging es gleich weiter in ein Fachgeschäft: „Vom ersten verdienten Geld habe ich mir erst einmal einen Akkuschrauber gekauft!“ Seine damalige Frau war darüber nicht begeistert. Doch genau dieses Prinzip wurde später zum Fundament seines Erfolgs: Jeder verdiente Betrag floss zurück in den Betrieb.

Anfangs lief das Geschäft nebenbei. Während er weiterhin angestellt war, handelte er „mit der Aktentasche“, wie er selbst sagt – über Bekannte, Empfehlungen und persönliche Kontakte. Allmählich kamen ein Anhänger, weitere Maschinen und damit auch mehr Aufträge hinzu. Gleichzeitig musste er sich immer wieder mit Skepsis und Spott auseinandersetzen. Einige Bekannte glaubten nicht daran, dass sein Unternehmen bestehen würde. „Der geht sowieso pleite“, habe es oft geheißen.

Doch Edi ließ sich davon nicht beirren. 1995 eröffnete er schließlich ein Geschäft in Töging. Fünf Jahre blieb er dort, ehe er 1999 nach Erharting zog und den heutigen Standort errichtete. „Auch das war alles andere als einfach“, erinnert sich Steffen. Denn der Neubau, geplant in der Dorfmitte, hatte für Diskussionen gesorgt. Gegner warfen ihm vor, den Dorfcharakter zu zerstören.

Unterstützt wurde er jedoch vom damaligen Bürgermeister Georg Kobler, der erkannt habe, wie wichtig Gewerbe für die Gemeinde sei. Rückblickend sagt Edi heute mit einem gewissen Schmunzeln, dass aus dem früheren Neid inzwischen Bedauern geworden sei: „Jetzt ist es plötzlich schade, dass ich aufhöre. Aber das ist wohl der Lauf der Dinge!“ Der Entschluss, sein Geschäft nach 35 Jahren aufzugeben, fiel ihm nicht leicht. Vier Jahre lang suchte er nach einem Nachfolger – vergeblich. Seine Kinder schlugen andere Wege ein, studierten und entschieden sich bewusst gegen das Familiengeschäft. Verständnis dafür hat er: „Ich habe meine Kinder nie gedrängt.“

Gleichzeitig beobachtet er, dass immer weniger Menschen bereit seien, die Belastung einer Selbstständigkeit auf sich zu nehmen. Sechs Tage pro Woche im Verkauf zu stehen, in der Werkstatt, dazu Verantwortung, Risiko und ständiger Einsatz – das wolle heute kaum noch jemand übernehmen, bedauert er.

Dabei war der Weg keineswegs immer einfach. Besonders schwere Zeiten brachte eine private Krise mit sich. Nach der Scheidung seien plötzlich viele Kunden weggeblieben. Trotzdem kämpfte sich Edi zurück. Andere Phasen liefen dagegen überraschend gut: Während der Corona-Pandemie etwa boomte das Geschäft, weil viele Menschen Zeit hatten, ihr Zuhause zu renovieren. Auch mit Wasserbetten erlebte er einen regelrechten Trend – bis der Markt von Billiganbietern überschwemmt wurde.

Die teuerste Küche, die er jemals verkauft hat? „Das war eine Küche mit allem Drum und Dran. Der Auftraggeber wollte jeden Schnickschnack drin haben. Den feinsten Backofen, den besten Geschirrspüler, Glasarbeitsplatte, Glasfront. Mir sind dann irgendwann die Ideen ausgegangen, was ich da sonst noch einbauen sollte. Am Ende hat die Küche dann um die 48.000 Euro gekostet.“

Küchen hatte er bislang auch in seinem Showraum ausgestellt. Einige Wände sind bereits verwaist, der Abverkauf ist in vollem Gange. Einige Küchen stehen noch in seinem Laden. „Wenn die letzte Küche verkauft ist, sperre ich zu!“, macht Steffen allerdings unmissverständlich klar. Was aus der Immobilie werden soll? Die will er verpachten.

Ab in die Berge und
die Freizeit genießen

Nach 45 Arbeitsjahren, davon 35 in der Selbstständigkeit, möchte er nun definitiv kürzertreten. Ganz ruhig wird es aber wohl nicht werden. Seine Leidenschaft für die Berge begleitet ihn seit Kindheitstagen. Edi Fuhrmann hatte ihm seinerzeit das Skifahren beigebracht und nahm ihn regelmäßig nach Tirol mit. Heute zieht es Edi wieder dorthin zurück. Eine Hütte in Tirol soll künftig mehr Zeit für Natur und Ruhe bieten. Trotz des Abschieds blickt er ohne Bitterkeit auf sein Berufsleben zurück. Besonders stolz ist er darauf, sich alles selbst aufgebaut zu haben.

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