Belegschaft fordert Ende der „Dumping-Ära“

von Redaktion

Aktionstag bei der Firma Schörghuber in Ampfing – „Der Aktionstag war erst der Anfang“

Ampfing – Die Stimmung vor den Werkstoren der Firma Schörghuber Spezialtüren war kämpferisch. Unter dem Banner der IG Metall versammelten sich zahlreiche Beschäftigte zu einem Aktionstag, um ihrer zentralen Forderung Nachdruck zu verleihen: Einem offiziellen Tarifvertrag, der Schluss macht mit Arbeitsbedingungen, die weit hinter dem Branchenstandard zurückbleiben.

Besonderer Unmut herrscht über eine Regelung, die für viele langjährige Mitarbeiter traurige Realität ist: Während das Grundgehalt auf einer 35-Stunden-Woche basiert, arbeiten viele Beschäftigte faktisch 38 Stunden – davon drei Stunden unbezahlt. „Das ist ein Zustand, der seit über zwei Jahrzehnten besteht. Wir reden hier von Lebenszeit und Arbeitskraft, die dem Unternehmen geschenkt wird, ohne dass die Beschäftigten davon profitieren“, erklärt Jürgen Bogner von der IG Metall. Doch damit nicht genug: Ein Großteil der Belegschaft arbeitet sogar 40 Stunden pro Woche. Das sind fünf Stunden mehr, als im Flächentarifvertrag der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie vorgesehen – bei deutlich geringerem Entgelt und ohne die entsprechenden tariflichen Zuschläge.

Zusammen mit dem Betriebsrat und den gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern vor Ort verfolgt die IG Metall ein klares Ziel: Die Rückkehr zur Tarifbindung. Die Kernpunkte der Forderungsliste sind: Einführung der 35-Stunden-Woche, Schluss mit unbezahlten Mehrstunden und 40-Stunden-Wochen ohne Lohnausgleich. Die Anpassung der Löhne und Gehälter an den geltenden Flächentarif. Die Einführung von Altersteilzeit: Eine Perspektive für ältere Kollegen, die körperlich schwere Arbeit leisten, gibt es derzeit bei Schörghuber nicht.

Ein Tarifvertrag bietet Schutz und Planbarkeit, die über einseitige Firmenregelungen hinausgehen, schreibt die IG Metall in ihrer Pressemitteilung und versichert gleichzeitig: „Der Aktionstag war erst der Anfang“.

Der Betriebsrat betont, dass die Bereitschaft in der Belegschaft, für ihre Rechte einzustehen, so hoch wie lange nicht mehr sei. „Wir produzieren hier High-End-Produkte, die weltweit gefragt sind. Es wird Zeit, dass sich diese Qualität auch in unseren Arbeitsbedingungen widerspiegelt“, so ein Sprecher der Belegschaft. Die IG Metall signalisiert Gesprächsbereitschaft, macht aber auch deutlich, dass man notfalls bereit ist, den Druck zu erhöhen, sollte die Arbeitgeberseite kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen.

Ihr Ziel ist klar formuliert: Faire Löhne und faire Zeiten für die Menschen, die den Erfolg von Schörghuber erst möglich machen.

Artikel 1 von 11