Bewegte Kraiburger Kirchengeschichte

von Redaktion

Vor 150 Jahren wurde Kraiburg zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Was einst ein harter Kampf um die Abspaltung von Taufkirchen war, wurde nun mit einem Festgottesdienst und Generalvikar Christoph Klingan als großes Fest des Miteinanders gefeiert.

Kraiburg – Bis vor 150 Jahren war Kraiburg eine Filiale von Taufkirchen-Lafering. Seither hat sie sich zu einer eigenständigen Pfarrei und schließlich zum heutigen großen Pfarrverband Kraiburg-Flossing entwickelt. Mit einem feierlichen Pfarrverbandsgottesdienst wurde das 150. Jubiläum der Pfarreigründung in der Marktpfarrkirche St. Bartholomäus in Kraiburg gefeiert.

Als Hauptzelebrant war Christoph Klingan, Generalvikar des Erzbistums München und Freising, aus München angereist. Rund 40 Ministranten aus dem gesamten Pfarrverband und zahlreiche Fahnenabordnungen der Vereine bildeten gemeinsam mit den Geistlichen einen Festzug vom Marktplatz in das festlich geschmückte Gotteshaus.

„Ein Haus voll
Glorie schauet“

„Ich begrüße besonders den Generalvikar Christoph Klingan sowie die Mitzelebranten Diakon Alfred Stadler als Vertreter des Dekanates, Diakon Andreas Wachter, Pastoralreferentin Lena Schreiner und Pastoralassistentin Stephanie Echle, ebenso einige Ehrengäste, um das Geburtstagsfest mit uns zu feiern“, eröffnete Pfarrverbandsleiter Michael Seifert den Festgottesdienst. Dieser wurde klangvoll und feierlich von der heimischen Blaskapelle umrahmt, die passend dazu „Ein Haus voll Glorie schauet“ intonierte.

„Ihr alle habt Euch als lebendige Bausteine hier versammelt und wir dürfen mit Pfingsten und dem Jubiläum zusammen ein großes Fest feiern“, leitete Christoph Klingan seine Ansprache ein. „Pfingsten bedeutet als wichtiges Fest die Geburt der Kirche, und passend dazu feiert ihr heute das 150. Jubiläum. Der Heilige Geist weckt neue Lebenskraft, besonders in der heutigen Zeit, wo die Würde des Menschen oft angegriffen wird. Wir schützen und achten das Leben – das ist die Aufgabe der Kirche. Im Pfarreileben liegt ein wichtiger Schlüssel für die Zukunft. Lasst uns miteinander Leben feiern in Brot und Wein – es gibt genug zu danken und Brücken zu bauen in der pfingstlichen Gabe Gottes im Heiligen Geist“, sagte der Generalvikar.

Generalvikar spendete
Reisesegen

Zweiter Bürgermeister Werner Schreiber gratulierte im Namen der Marktgemeinde und persönlich zu 150 Jahren Pfarrei Kraiburg, die von sechs Generationen getragen wurde. „Von der Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit bis hin zur Beerdigung und unzähligen feierlichen Gottesdiensten hat alles hier stattgefunden. Es hat sich in eineinhalb Jahrhunderten viel verändert, und was damals selbstverständlich war, ist heute Geschichte. Die Pfarrei ist jeden Tag aktiv“, dankte Schreiber auch den Gremien und wünschte weiterhin Gottes Segen.

Georg Kiefinger dankte im Namen der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderates (PGR) allen, die zu diesem Festtag beigetragen haben, und lud im Anschluss zum Pfarrfrühschoppen im Arkadenhof des Bischof-Bernhard-Hauses ein.

Der Generalvikar spendete den zahlreichen Ministranten und ihrem Begleitteam noch den Reisesegen für ihren Ausflug in die Normandie. Unter dem klangvollen Lied „Großer Gott, wir loben dich“ erfolgte der Auszug aus dem Gotteshaus.

Ein besonderer Akt folgte anschließend, als sich der Generalvikar Christoph Klingan in das Goldene Buch der Marktgemeinde Kraiburg eintrug. Im Beisein von Pfarrer Michael Seifert, Zweitem Bürgermeister Werner Schreiber, der PGR-Vorsitzender Monika Oberbacher und dem Verwaltungsleiter Klaus Pscherer übermittelte er seine Segenswünsche an Kraiburg. Bei Weißwürsten, Vegetarischem, Getränken sowie dem Kaffee- und Kuchenverkauf der Ministranten wurde noch gemütlich beisammen gesessen und geratscht.

„Viel Verdruss
mit Kraiburg“

Die Geschichte der Pfarrei Kraiburg war nicht immer einfach. So wird berichtet, dass der Pfarrer von Taufkirchen-Lafering, Mathias Paurögger, um 1790 „mit Kraiburg viel Verdruss [hatte], das ihn sogar bewog, die Pfarrei zu verlassen“. Auch von einem seiner Nachfolger, Franz Ignaz Wimmer (1819 bis 1830), wird berichtet, dass er sich mit den Kraiburgern nicht vertragen hat. Der Grund dafür war einfach: Kraiburg war Teil der großen Pfarrei Taufkirchen-Lafering, und die stolzen Marktbewohner wollten eigenständig werden. Immer wieder versuchten sie, sich vom bäuerlich geprägten Taufkirchen abzuspalten. Es ging dabei um Ehre, Geld, Selbstständigkeit und Prestige.

Doch alle diese Versuche scheiterten – bis der junge Joseph Krandauer im Jahr 1871 Cooperator expositus, quasi ein für die Kraiburger zuständiger Kaplan, wurde. Mit seinem Einsatz und Ehrgeiz erreichte er es, dass am 16. Mai 1876 die Expositur Kraiburg mit den Filialen Maximilian und Kolbing vom Münchner Erzbischof zur Pfarrei erhoben wurde, mit ihm selbst als erstem Pfarrer – heuer vor 150 Jahren.

Diesen Anlass nahmen nun Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung, um den „Geburtstag“ der Pfarrei Kraiburg zu feiern. Anders als vor 150 Jahren wurde es ein Fest des Miteinanders – mit der „Mutterpfarrei“ Taufkirchen und den weiteren Pfarreien des Pfarrverbands Kraiburg-Flossing.

Artikel 11 von 11