Geschichte einer Benefiz-Single

von Redaktion

Ein Mühldorfer und ein Wiener helfen mit einem Song kranken Kindern

Mühldorf – „Ich bin von der Himmelsleiter noch einmal heruntergesprungen“, sagt Gottfried Kirmeier aus Altmühldorf. Der 63-Jährige, der vor zwei Jahren die „Diagnose Lungenkrebs im Endstadium“ erhielt, gilt derzeit als genesen. Wunder geschehen, in der Tat. Trotzdem hat sich der Alltag des Mühldorfers stark verändert: Nach Chemotherapie und Bestrahlungen, vielen Krankenhausaufenthalten und sorgenvollen Monaten ist er von den Folgen der Krankheit gezeichnet: „Die Angst ist mein ständiger Begleiter“, sagt er. Tabletten, von denen er viele nehmen muss, haben „brutale Nebenwirkungen“. Wenn er zum Klettern geht, seinem liebsten Hobby, schaut er den anderen jetzt beim Steigen zu.

Doch er weiß auch dieses neue Leben mit Einschränkungen zu schätzen, ja, er liebt es sogar: Denn er ist ohne Sauerstoffflasche unterwegs und kann auch sein geliebtes Alphorn, das er immer im Kofferraum dabei hat, wieder spielen. Das tut er besonders gern auf einem Berggipfel, seinem Kraft- und Seelenort.

Ein Lied zum Geburtstag
macht Karriere

Zum Geburtstag hat ihm sein Freund, der Wiener Liedermacher „Mitazi“, ein Lied geschenkt. „Gotti & Rosi das Alphorn“ – ein Song, mit dem sich Kirmeier um den Münchener Oktoberfest-Hit bewerben will. „Ein Spaß, natürlich“, sagt er lachend, doch hinter solchen Aktionen steckt für ihn mehr: Aufmerksamkeit schaffen für die Krankheit Krebs, die nicht nur die Betroffenen aus der Bahn wirft, sondern auch ihre Familien. Den Fokus darauf richten, dass es immer eine Chance gibt.

Deshalb jetzt eine zweite Aktion, ein Benefiz-Lied, erneut in Zusammenarbeit mit seinem Freund „Mitazi“. „Du bist ned allein!“, ab Freitag (29. Mai) um Mitternacht auf Youtube zu hören. Dass der Mühldorfer Anzeiger und innsalzach24.de exklusiv berichten dürfen, ist Redakteur Josef Enzinger zu verdanken. Er schrieb an Heiligabend 2025 zum ersten Mal über Kirmeiers Mission mit dem Alphorn. Eine Geschichte, die Wellen schlug und für hohe Aufmerksamkeit sorgte.

Kinder und Familien
trifft es besonders hart

Jetzt, nachdem es Kirmeier wieder gut geht, will er jenen helfen, die eine Krebserkrankung besonders hart trifft: den Kindern. Und ihren Familien, denn der Mühldorfer weiß, wie sehr die Krankheit auch die Angehörigen belastet. Er hat bei seinen Krankenhausaufenthalten, unter anderem in Regensburg, Eltern erlebt, deren gesamtes Leben sich um das Wohl des kranken Kindes drehte. Die nicht mehr arbeiten konnten und deshalb finanziell in Schieflage gerieten. Gesunde Geschwister, die zurückstecken mussten, weil das kranke Kind im Fokus stand. Familien, die mit ihrer Kraft am Ende waren. Die Bilder von schwer kranken Kindern und deren Geschwistern, etwa auf dem Spielplatz der Leukämiehilfe Ostbayern, hätten sich ihm, wie er schildert, tief eingeprägt.

Die Benefiz-Single soll neuen Mut geben und gleichzeitig Spenden für Hilfe und Forschung sammeln, so Kirmeier. Das Lied „Du bist ned allein“ erzählt die Geschichte eines schwer erkrankten Kindes, dem in dunklen Stunden Hoffnung zugesprochen wird. Wie „Mitazi“ mitteilt, richten sich Song und Musikvideo ausdrücklich an betroffene Kinder, deren Geschwister und Eltern – mit der Botschaft, dass sie in ihrem Kampf nicht isoliert sind, sondern von einer solidarischen Gemeinschaft getragen werden.

Die Erlöse aus dem Projekt fließen zu hundert Prozent und zweigleisig in zwei Vorhaben: In Österreich gehen sie an die renommierte St. Anna Kinderkrebsforschung in Wien. Laut Experten können heute bereits vier von fünf betroffenen Kindern vollständig geheilt werden; langfristiges Ziel ist eine Heilungsquote von 100 Prozent durch neue Therapien. In Deutschland unterstützt Kirmeier mit seinem Anteil die Kinderkrebshilfe BALU, die Familien in der Region Mühldorf und Altötting direkt zur Seite steht. „Bei der Kinderkrebshilfe BALU wird genau hingesehen, welche Unterstützung in einer schweren Zeit gebraucht wird. Ob finanzielle Entlastung, psychologische Begleitung oder einfach ein offenes Ohr – die Familien werden hier absolut individuell, herzlich und ohne bürokratische Hürden durch die Krise begleitet. Diese Arbeit vor Ort ist unbezahlbar“, betont Kirmeier.

Musikalisch und technisch verkörpert das Duo zwei Pole: Kirmeier, erfahrener Trompeter und Flügelhornist, hat im Alphorn „Rosi“ sein Markenzeichen gefunden. „Das Alphorn ist weit mehr als nur ein Instrument: ‚Rosi das Alphorn‘ klingt, und ich erzähle Geschichten – meistens lustig, aber auch mal leise und nachdenklich, mal kraftvoll und voller Lebensfreude“, sagt er. Mit Auftritten zwischen Schliersee, Tegernsee und den Chiemgauer Alpen möchte er zeigen, dass „Heimat, Natur und Menschlichkeit untrennbar zusammengehören“, und fasst seine Motivation in den Satz: „Heimat ist international und die Kinder sind unsere Zukunft.“

„Mitazi“ bildet den urbanen Gegenpol. Der Wiener Liedermacher setzt nach eigenen Angaben modernste künstliche Intelligenz als „digitales Orchester“ ein, um seine Texte im Wiener Dialekt zu inszenieren und dabei anonym zu bleiben. Die Technologie ermögliche ihm eine für einen Einzelkünstler ungewöhnliche musikalische Bandbreite und zugleich den Schutz seines Privatlebens. „Die Musik und die Hilfe für die Kinder müssen im Rampenlicht stehen, nicht der Künstler selbst“, erklärt er. Aus der Erfahrung einer Krebserkrankung im engsten Familienkreis – betroffen war seine Mutter – sei der Wunsch gewachsen, Betroffenen „eine Stimme zu geben“ und ihnen in schwierigen Zeiten Kraft zu schenken.

Am 3. Juni 2026 werden „Gotti & Rosi das Alphorn“ beim Sommerfest der Kinderonkologie der Uniklinik auftreten, um Patientinnen und Patienten der Kinderonkologie sowie der Unfallklinik mit den warmen Klängen des Alphorns einige unbeschwerte Momente zu schenken.

Über die unmittelbare Hilfe hinaus versteht Kirmeier das Projekt als Appell gegen Verschwendung und für ein bewussteres Teilen von Wohlstand. Laut Kirmeier sollte man gerade jetzt, in Zeiten der großen Feste vielerorts, an jene denken, „die gerade eine schwere Zeit durchmachen“. Er ruft dazu auf, zumindest den Gegenwert eines Festgetränks für die St. Anna Kinderkrebsforschung oder die Kinderkrebshilfe BALU zu spenden. Wenn jeder, dem es gut gehe, „einen kleinen Teil beiträgt“, könne man gemeinsam viel bewegen.

So kann gespendet werden

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