Mühldorf – Knapp 11.000 Gemeinden gibt es in Deutschland. Wie zufrieden die Bürger dort mit den öffentlichen Angeboten sind, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln erfragt. Für eine Studie wurden die Bereiche Gesundheit, Mobilität, Freizeit, Digitales und Bildung abgefragt.
5.455 Bürger aus
10.817 Gemeinden befragt
Das Ergebnis: Die Mehrheit (53,2 Prozent) ist mit der sogenannten „Daseinsvorsorge im eigenen Umfeld“ zufrieden. In Städten mehr als auf dem Land. Auf Platz eins von 10.817 hat es die Gemeinde Haar bei München gebracht. „Für diese Umfrage haben wir vom 24. Juni bis 6. Juli 2025 insgesamt 5.455 Personen befragt“, erläutert IW-Pressesprecher Luis Francke. „Die Auswahl erfolgte nach dem Prinzip einer repräsentativ quotierten Stichprobe, konkret quotiert nach folgenden Kriterien: Geschlecht und Alter, Bundesland und Haushaltsnettoeinkommen.“
Zudem wurden Gemeindedaten aus Webseiten automatisiert ausgelesen, so der Sprecher. Dabei ging es unter anderem um Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit, Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Pflegeeinrichtungen, Bahnverbindungen, Anbindung an Autobahn und Flughafen, Zugänglichkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen sowie von Grundschulen, weiterführenden Schulen, Gymnasien und die Versorgung mit Kitas.
Geradezu sensationell hat in diesem Ranking Waldkraiburg abgeschnitten – auf Rang 297 hat die Auswertung der Daten und die stichprobenartige Befragung der Bürger die Stadt gehievt. Mühldorf hat es als zweitbeste Stadt im Landkreis auf Platz 845 geschafft. Als „sehr schlecht“ bewertet, landete Schönberg nur auf Rang 8.710 – der letzte Platz auf Landkreisebene.
Für Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer ist das schlechte Abschneiden seiner Gemeinde absolut unbegründet. Er kann sich nicht vorstellen, dass es auf tatsächlichen Aussagen eines Bürgers beruht. „Wir hatten als erste Gemeinde Bayerns vollflächiges Internet, haben einen super Kindergarten und eine Grundschule, Carsharing und ein Fernwärmenetz“, zählt der als sehr umtriebig und innovationsfreudig bekannte Bürgermeister auf. Schönberg sei mit allem immer vorne dran. „Ich lebe in einer ganz anderen Gemeinde“, sagt Lantenhammer angesichts der schlechten Bewertung. „Ich gebe nicht viel auf diese Studie“, stellt er selbstbewusst fest. „Mir ist wichtig, welche Reaktionen von den Bürgern bei mir direkt ankommen!“ Groß ist dagegen die Freude bei Waldkraiburgs Bürgermeister Emil Kirchmeier. „Über das gute Abschneiden Waldkraiburgs in der IW-Studie freuen wir uns sehr, überrascht sind wir allerdings nicht“, sagt er auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Wer bei uns lebt, weiß: Waldkraiburg bietet ein bemerkenswertes Angebot in den Bereichen Bildung, Sport, Kultur und Freizeit, wie man sie in dieser Form selten in einer Stadt unserer Größe findet. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass man unsere Stadt erst auf den zweiten Blick richtig wahrnimmt. Genau dieser zweite Blick lohnt sich allerdings sehr. Dass wir im Landkreis Mühldorf an der Spitze stehen und bundesweit unter die besten drei Prozent der Gemeinden und bei den Freizeitangeboten sogar unter die Top 25 kommen, ist eine schöne Bestätigung für die kontinuierliche Arbeit von Stadt, Vereinen und vielen engagierten Ehrenamtlichen in unserer Stadt“, so Kirchmeier, der sein Amt erst Anfang Mai angetreten hat. „Von Schulen und Kitas bis hin zur Kultur-, Sport- und Vereinslandschaft: Hinter jedem dieser Angebote stehen Menschen, die unsere Stadt seit Jahrzehnten lebenswert machen.“ Solche Studien hält er für wertvoll, weil sie zeigen würden, wo eine Stadt wie Waldkraiburg objektiv stark sei. „Gleichzeitig bieten sie den Impuls, die hohe Lebensqualität für unsere Bürger weiter zu sichern und auszubauen.“
Mühldorfer Hart
digital auf Platz eins
Interessant: Das Mühldorfer Hart hat in dieser Studie Rang 2641 erreicht, auf Landkreisebene Platz sieben. Auf dem Gebiet der digitalen Versorgung landet es sogar auf Platz eins der 10.817 Gemeinden. Dabei handelt es sich beim Mühldorfer Hart um ein rund 1.000 Hektar großes Waldgebiet, das für die KZ-Gedenkstätte bekannt ist.
Wie konnte es zu der hervorragenden Platzierung des Waldes unter über 10.000 bewohnten Gemeinden kommen? „Im Datensatz waren trotz umfangreicher Filterschritte vereinzelt Forste und gemeindefreie Gebiete enthalten – bei über 11.000 Gemeinden lässt sich das kaum vollständig ausschließen“, räumt der IW-Sprecher ein. „Das Autorenteam arbeitet gerade daran, die betreffenden Einträge herauszufiltern.“ An den inhaltlichen Ergebnissen der Studie ändere sich dadurch aber nichts, betont Francke.