„Weit mehr als ein historisches Friedensprojekt“

von Redaktion

Interview Maximilian Bauer über die Gründung der Jungen Europäischen Föderalisten

Mühldorf – Die Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) bilden die Jugendorganisation der überparteilichen Europa-Union. Auch im Landkreis Mühldorf wollen die im Café Eicher gegründeten JEF nach eigenen Angaben jungen Menschen eine Plattform bieten, um sich für ein demokratisches, solidarisches und friedliches Europa einzusetzen.

Initiiert wurde die Neugründung von Maximilian Bauer. Der 33-jährige Arzt aus Ampfing wurde von den Mitgliedern einstimmig zum Ersten Vorsitzenden des neuen Kreisverbands gewählt. Stellvertreter sind Raoul Bertrand (Schwindegg), Florian Brunner (Neuötting) und Andreas Wimmer (Oberbergkirchen). Die Kasse verwaltet Thomas Posch (Isen). Beisitzer sind Amelie Keitzl (Mühldorf), Sarah Kocelak (Ampfing) und Andreas Timmel (Kraiburg). Maßgeblich unterstützt wurde die Neugründung von Walter Göbl, dem Kreisvorsitzenden der Europa-Union Mühldorf und stellvertretenden Landesvorsitzenden der Europa-Union Bayern.

In seinem Eingangsstatement umriss Bauer die Schwerpunkte der künftigen Arbeit: Die JEF wolle junge pro-europäische und demokratische Kräfte in der Region vernetzen, den Austausch mit Entscheidungsträgern vor Ort fördern und der jungen Generation mehr Sichtbarkeit geben. „Junge, demokratisch und europäisch gesinnte Menschen dürfen nicht nur in den Großstädten vernetzt und präsent sein“, betonte Bauer. „Gerade angesichts der aktuellen Herausforderungen für unsere Demokratie und für Europa brauchen wir auch im ländlichen Raum eine starke, junge Stimme für unsere gemeinsamen Werte und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Im Interview erläutert JEF-Vorsitzender Maximilian Bauer, warum Europa es wert sei, sich zu engagieren.

Sie haben bei Ihrer Rede vor der Wahl dafür geworben, junge, demokratisch und europäisch gesinnte Menschen auch in ländlichen Regionen zu vernetzen. Die JEF wolle eine starke Stimme für gemeinsame Werte in der Region werden. Können Sie uns diese Werte in einem Satz charakterisieren? Wofür stehen die Jungen Europäischen Föderalisten im Landkreis Mühldorf?

Europa steht für Freiheit, Frieden, Demokratie und Menschenwürde – und für die Überzeugung, dass wir über Grenzen hinweg mehr erreichen, wenn wir zusammenhalten, statt uns gegeneinander ausspielen zu lassen. Genau dafür wollen wir als Junge Europäische Föderalisten auch im Landkreis Mühldorf eine junge, demokratische Stimme sein.

Die Europa-Union versteht sich als überparteiliche Vereinigung. Sind in der Jugendorganisation auch junge Menschen willkommen, die politisch eher links oder rechts orientiert sind? Gibt es Brandmauern, etwa zur AfD?

Unsere Stärke liegt genau darin, dass wir keine Parteipolitik betreiben. Die JEF ist offen für demokratische junge Menschen unterschiedlicher politischer Richtungen. Entscheidend ist nicht das Parteibuch, sondern das unmissverständliche Eintreten für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und europäische Zusammenarbeit. Die klare Grenze verläuft dort, wo diese Grundlagen bekämpft werden. Wer Europa abschaffen will oder unsere freiheitlich-demokratische Ordnung infrage stellt, passt nicht zu uns.

Europa steht in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem für Bürokratie und Überregulierung. Was können junge Europäer aus der Region Mühldorf gegen die EU-Skepsis vieler Bürger tun?

Wir müssen Europa aus der abstrakten Brüsseler Ebene herausholen und zeigen, wo es unser Leben konkret besser macht – sei es beim grenzüberschreitenden Bahnausbau oder durch Austauschprogramme wie Erasmus+, die längst auch unseren heimischen Azubis Wege ins Ausland öffnen. Richtig ist aber auch: Viele Entscheidungsprozesse in der EU sind zu komplex und wirken zu weit weg. Die Antwort darauf ist jedoch nicht weniger Europa, sondern ein besseres, verständlicheres und handlungsfähigeres Europa. Auch darüber wollen wir vor Ort ins Gespräch kommen – mit jungen Menschen, Vereinen, Unternehmen oder der Kommunalpolitik. Eigentlich gewinnt Europa angesichts der geopolitischen Herausforderungen und der Abkehr der USA an Bedeutung.

Was denken Sie persönlich: Wird Europa seine neue Rolle in der Welt ausfüllen können?

In manchen Bereichen zeigt Europa bereits heute, was möglich ist: In der Digitalpolitik – etwa beim Datenschutz oder bei der Regulierung großer Plattformen – setzt die EU globale Standards.

Als Wirtschaftsmacht sind wir auf der globalen Bühne ein relevanter Akteur, weil wir mit über 450 Millionen Menschen einer der wichtigsten Märkte der Welt sind. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: In der Außen- und Verteidigungspolitik ist Europa noch nicht dort, wo es angesichts der geopolitischen Lage sein müsste. Wenn wir unsere Rolle in der Welt ausfüllen wollen, müssen wir schneller, strategischer und geschlossener handeln. Ich bin überzeugt: Europa kann das – aber nur, wenn wir verstehen, dass mehr Zusammenarbeit die Handlungsfähigkeit von uns als Deutschen, Franzosen oder Polen nicht schwächt, sondern in einer Welt der Großmächte erst wirklich ermöglicht.

Warum sind Sie persönlich überzeugter Europäer?

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, ist es historisch nicht. In meiner Kindheit habe ich auf dem Weg in den Urlaub noch reguläre Grenzkontrollen nach Österreich oder Italien mitbekommen.

Wer heute die Schule verlässt, wächst dagegen ganz selbstverständlich damit auf, dass wir von Mühldorf bis Madeira mit der gleichen Währung bezahlen, mit demselben Führerschein unterwegs sind und unseren Handyvertrag grenzenlos nutzen können. Die Bedeutung eines geeinten Europas ist mir auch durch meine Arbeit in sehr international geprägten Umgebungen immer wieder vor Augen geführt worden. Im weltweiten Austausch – etwa im Rahmen von Forschungskooperationen – wird sehr schnell klar: Gegenüber globalen Akteuren wie den USA oder China sind wir als 13 Millionen Bayern oder 83 Millionen Deutsche eindeutig in der Minderheit. Als Europäerinnen und Europäer sind wir dagegen Teil eines der größten Wirtschafts- und Werteräume der Welt. Für mich ist ein geeintes Europa deshalb weit mehr als ein historisches Friedensprojekt – es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir das nötige Gewicht mitbringen in einer Welt, in der Macht und Interessen wieder härter durchgesetzt werden. Heike Duczek

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