In Brno ein Fest der Begegnung erlebt

von Redaktion

Ortsverband Waldkraiburg der Sudetendeutschen Landsmannschaft beim Sudetendeutschen Tag in Brünn

Waldkraiburg – Der Ortsverband Waldkraiburg der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) mit Dr. Wolfgang Theissig hat am Sudetendeutschen Tag in Brno (Brünn) teilgenommen. Er stand unter dem Motto „Alles Leben ist Begegnung“. So verliefen die historisch bedeutsamen, aber auch von Protesten begleiteten Tage der Versöhnung aus Sicht der Waldkraiburger Sudetendeutschen: Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Begegnung. Beim gemütlichen Beisammensein bot am Nachmittag der „Lange Tisch“ auf dem Mährischen Platz bunte Unterhaltung. Deutsche und tschechische Tanzgruppen zeigten ihre Vorführungen und tauschten dabei immer wieder die Partner aus. Dabei ergaben sich nachbarschaftliche Gespräche, die zeigten, wie Freundschaft durch ganz normales Plaudern miteinander entstehen kann.

Begegnungen sind Zeichen
der Menschlichkeit

Den Festabend im Vereinsheim leitete die Sängerin und Moderatorin Iris mit dem Song ein: „Brno, du bist die schönste Stadt der Welt, Brno, du bist die Stadt, die mir gefällt!“ Der Saal war heillos überfüllt, als Bayerns Staatsministerin Ulrike Scharf in ihrer Begrüßung die Begegnungen als Zeichen der Menschlichkeit bezeichnete: „Ein Bild für die Welt, statt Schweigen Gespräche!“ Danach verlieh sie die Preise für „Große sudetendeutsche Kultur“, Literatur, Wissenschaft sowie Heimat- und Volkstumspflege. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von einem Quartett der Brünner Philharmoniker mit Kompositionen von Georg Janacek und Ludwig van Beethoven.

Gedenken an die
Opfer des Todesmarsches

Besonders beeindruckend war der folgende Tag des Gedenkens an die Opfer des Brünner Todesmarsches in Pohrlitz. Auf dem Platz, der für viele damals zum Massengrab wurde, hatten sich rund 2.500 Besucher eingefunden. Pfarrer Adolf Bintir forderte in seinem Gebet auf, sich „in der Hauptstadt Europas“ den zeitlichen Anforderungen zu stellen.

Zum wiederholten Mal war die Oberbürgermeisterin Dr. Marketa Vankova anwesend, die zur Feier der Menschlichkeit aufrief und sogar eine Teilnehmerin des Todesmarsches begrüßen konnte. Auch eine Delegation aus Stuttgart, der Partnerstadt Brünns, überbrachte einen Gruß mit dem Hinweis: „Wir müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen mit dem Blick in die Zukunft.“ Ministerin Scharf betonte, dass die Erinnerung wegweisend sein müsse: „Von hier wird sich heute der Brünner Friedensmarsch über 30 Kilometer in Bewegung setzen. Versöhnung beginnt im Kopf und wächst im Herzen. Europa darf nie wieder zu spät reagieren!“

Dem fügte Bundesminister Alexander Dobrindt hinzu: „Schon im Jahr 2015 beging man in Brno ein Jahr der Versöhnung dank der Organisation ‚Meeting Brno‘ und dieser 23. Mai ist auch die Geburtsstunde unseres Grundgesetzes.“ Und Bernd Posselt ergänzte: „Der französische Präsident Charles de Gaulle fand das richtige Wort: Der Friede gehört den Tapferen, hassen und Kriegführen kann jeder Idiot!“

Auch Repräsentanten Tschechiens nahmen an der Feier teil, so der Senatspräsident, der betonte: „Schon Vaclav Havel schlug ein Umkehren vor.“ Eine schöne Geste zum Schluss: Jeder Teilnehmer der Veranstaltung bekam ein Foto von der Massenansammlung der 1.300 Besucher.

Hauptkundgebung und
Karlspreis-Verleihung

An einem der wichtigsten Feste des Kirchenjahres nahmen am Pfingstsonntag auch einige Mitglieder der Gruppe am katholischen Gottesdienst in der Messehalle teil, den der tschechische Bischof auf Deutsch hielt. Sein Dank galt allen, die „heute und jetzt bei der bleibenden Gegenwart des Heiligen Geistes vergeben“.

Danach stand einer der Höhepunkte der Reise bevor: die Hauptkundgebung mit der Verleihung des Karlspreises, kommentiert von Steffen Hörtler, der vielen aus dem Herzen sprach, als er meinte: „Wir fordern nichts zurück, aber wir bringen etwas zurück.“

Beeindruckend danach war der Auftritt der Sprecherin der Sd-Jugend für Mitteleuropa, Stefanie Kilian, die Brno als die Stadt für die Möglichkeiten eines gemeinsamen Europas sah. Ministerpräsident Markus Söder würdigte die Sudetendeutschen als Brückenbauer für Frieden und Versöhnung.

Die Oberbürgermeisterin wie auch der Regionalhauptmann von Südmähren begrüßten dieses Treffen als grenzüberschreitendes Signal für ein geeintes Europa.

Einer der ergreifenden Höhepunkte dieser Reise war die Verleihung des Karlspreises, der höchsten Auszeichnung der Sudetendeutschen. Bernd Posselt, der seit 2019 mit dem diesjährigen Preisträger freundschaftlich verbunden ist, bezeichnete Dr. Milan Uhde, Ehrenbürger von Brno, Schriftsteller und ehemaliger Parlamentspräsident, als „todesmutigen Vorkämpfer der Menschenrechte, bedeutenden Völker verbindenden Politiker von europäischem Format: „Dieser Sudetendeutsche Tag ist maßgeblich deiner Initiative zu verdanken.“

In den Beifall für den Preisträger stimmten die Vertreter des Gastgebers von „Meeting Brno“, die Oberbürgermeisterin und natürlich auch die Teilnehmer mit ein. Der weitere Verlauf des Pfingstsonntags war ausgefüllt mit Musik, Tracht und Tanzvorführungen. Elke Keiper hatte tags zuvor im Namen der Stadt Waldkraiburg den Vortrag von Michal Radl aus Böhmisch-Leipa zu seinem neu erschienenen Buch über ein Internierungslager besucht. Reger Gedankenaustausch fand auch an den verschiedenen Ständen in der Messehalle statt, so auch an dem von Theissig, der Besuch von Minister Dobrindt, dem Heimatabgeordneten Stephan Mayer und Bernd Posselt erhielt. Es war ein langer Tag für alle, der mehr als deutlich unter Beweis gestellt hatte: „Alles Leben ist Begegnung!“

Ein historischer
Durchbruch zum Abschluss

Den Abschluss des fünftägigen Aufenthalts in Brno und damit eines unwiederbringlichen Erlebnisses von europäischer Bedeutung bildete am Pfingstmontag der Gedenkakt am Kaunitz-Wohnheim, der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Brünn, heute ausschließlich Mahnmal für die Nazi-Verbrechen. Mit dieser Feier sollte bewiesen werden, dass Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, Verantwortung vor der Geschichte und der gemeinsame Kampf gegen Nationalismus untrennbar zum Sudetendeutschen Tag gehören.

Zusammen mit Theissig kamen die Teilnehmer auch mit einigen Demonstranten ins Gespräch, die nach Angaben der Beobachter immer wieder betonten, sie seien gut auf die Deutschen zu sprechen, nicht aber auf die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Europa. Mit einer Kranzniederlegung endete die eindrucksvolle Feier. Viele Teilnehmer äußerten, dass dieser 76. Sudetendeutsche Tag, der von der SL-Ortsgruppe Waldkraiburg nach Meinung aller bestens organisiert worden war, mit dem Abschluss am Kaunitz-Denkmal als beispielgebender historischer Durchbruch geendet habe.

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