Boom bei den E-Autos

von Redaktion

Verkauf im Landkreis Mühldorf steigt wegen staatlicher Prämien

Mühldorf – Vermutlich wird es heuer so viele neue E-Autos im Landkreis geben wie nie zuvor. Das legen die Zahlen des Landratsamts Mühldorf nahe, das für die Zulassung von Fahrzeugen zuständig ist. Demnach belief sich deren Zahl in den ersten viereinhalb Monaten dieses Jahres auf 325. Das sind schon jetzt 43,6 Prozent der Neuzulassungen im gesamten Rekordjahr 2023. Damals galt, was Autohändlerin Petra Esser auch für dieses Jahr sieht: „Es liegt am Geld des Staates, das wollen viele mitnehmen.“ Mit dem Aussetzen der ersten Prämie 2023 habe es einen „drastischen Rückgang“ gegeben. Esser verkauft mit ihrem Familienbetrieb in Waldkraiburg Autos von Alpha Romeo und Jeep, drei elektrische Modelle zwischen 35.000 und 50.000 Euro hat sie im Angebot.

Staatliche Prämien
als Hauptkaufgrund

Den massiven Rückgang der vergangenen Jahre und das wachsende Interesse heuer bestätigen die Zulassungszahlen. „Nach den Anstiegen in den Jahren 2022 und 2023 gingen die Neuzulassungen im Jahr 2024 wieder deutlich zurück“, betont Landratsamts-Sprecher Wolfgang Haserer. „Im vergangenen Jahr sowie im laufenden Jahr ist jedoch erneut ein Anstieg zu verzeichnen.“

Zum Umweltvorteil kommen neuerdings wieder die finanziellen Anreize des Staates. Wenn es, wie für die durchweg hochpreisigen Audis, keine Förderung gibt, macht sich die günstigere Dienstwagenbesteuerung bemerkbar, sagt Audiverkäufer Rudolf: „Im gewerblichen Bereich werden fast nur noch E-Autos gekauft.“ VW profitiert dagegen vor allem von der Prämie, berichtet Ostermaier-Verkaufsleiter Andreas Wolfswinkler. „Sie soll natürlich den Abverkauf an kleinen Elektrofahrzeugen an einkommensschwache Haushalte forcieren“, sagt er. „Das Angebot an günstigen Elektrofahrzeugen im Neuwagenbereich ist aber im Moment auf dem Markt noch generell eher überschaubar.“

Aus ökologischen Gründen steige kaum jemand aufs E-Auto um, betonen die Autohändler übereinstimmend. „Aus reiner Überzeugung waren es nur ein paar Prozent unserer Kunden“, sagt Esser. Das bestätigt ihr Kollege Finn Rudolf von der Autofamilie Ostermaier. „Der Klimagedanke findet fast gar nicht statt.“ Für Matthias Hibler gilt das nicht. Der 64-Jährige fährt einen elektrischen Ford Escort und ist vor eineinhalb Jahren aus ökologischen Gründen umgestiegen. Hibler ist Bergsteiger und Skitourengeher. Er sagt: „Wir fahren zum reinen Sport-Vergnügen 150 Kilometer oder noch weiter in die Berge und verpesten dabei die Luft.“ Da er ohnehin versuche, die Umweltbelastung in seinem Leben zurückzufahren, sei das E-Auto ein logischer Schritt gewesen. Für Strom sorgt meist die Photovoltaikanlage auf dem Haus in Mettenheim.

Blauäugig ist Hibler aber nicht. Er sieht die Umweltbelastungen vor allem durch Produktion und Entsorgung der Batterie. „Da bleibt schon die Frage, was geschieht damit, wenn das Auto verschrottet wird?“ Entscheidend sei die Nutzungsdauer, denn dann sei das E-Auto in jedem Fall umweltfreundlicher.

Günstige Importe und
geopolitische Einflüsse

Und da kommen Autos aus China ins Spiel. „Ohne Chinesen geht es nicht“, betont Brigitte Haslbeck. Sie verkauft in Mühldorf und Waldkraiburg seit vielen Jahren Toyota und Lexus, beide Marken bieten mehrere elektrische Fahrzeuge. Der derzeitige Boom zeigt aus ihrer Sicht aber: „Die preiswerten China-Importe ziehen am meisten. Deutsche Autofahrer wollen sich oft nicht mehr leisten“, rechnet sie vor: Mit E-Autoprämie von 6.000 Euro und gleichhoher Ökoprämie gebe es von MG Elektro-Autos in der Größe eines VW Golf für 13.000 oder 14.000 Euro.

Der Irankrieg hat die Nachfrage nach Ansicht der Autohändler zusätzlich in die Höhe gehen lassen. Wie viele Umsteiger es durch die Ölpreiskrise tatsächlich gibt, bleibt offen, sagt Landratsamtssprecher Haserer. „Eine Entwicklung seit Ende Februar, dem Ausbruch des Iran-Krieges, ist aus den vorhandenen Zahlen nicht ableitbar.“ Derzeit sind im Landkreis 3.808 zugelassene Elektroautos unterwegs. Das sind 5,08 Prozent aller Fahrzeuge, deren Zahl sich Mitte Mai auf 74.939 belief. Zum Vergleich: Bundesweit waren laut Deutschlandatlas im Januar mit gut zwei Millionen Autos 4,1 Prozent aller 49 Millionen Pkw reine Elektroautos. Die eigene PV-Anlage spielt laut Audi-Verkäufer Rudolf eine wichtige Rolle bei der Entscheidung zum Kauf eines elektrischen Fahrzeugs. Und, betont Rudolf, der selbst elektrisch fährt und häufig in Süddeutschland unterwegs ist: „Das Ladenetz ist perfekt ausgebaut.“ Toyota-Chefin Haslbeck schwärmt: „Es macht einfach Spaß.“

Und der Mettenheimer Matthias Hibler betont die Eigenschaften des E-Autos: Die Beschleunigung, die Laufruhe, der hohe Komfort durch Standheizung und Standklimatisierung: „Es macht einfach Spaß“, findet er.

E-Autos im Landkreis

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